Hochschule Augsburg

Alexander Grimm: „Früher wurde mit Baumwolle gewebt, heute mit Carbon“

Der Kanusportler Alexander Grimm. Foto: Franz Anton

Olympisches Gold in Peking 2008, Vize-Europameister im Kanu-Slalom 2015 – Alexander Grimm ist erfolgreicher Kanusportler. Neben seiner Leidenschaft studiert er an der Hochschule Augsburg Leichtbau- und Faserverbundtechnologie. Die „schwarze Faser“ hilft ihm dabei, weiterhin in der Top 10 der Weltspitze zu bleiben.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Grimm, Kanusport und ein Studium der Leichtbau- und Faserverbundtechnologie: Wie passt das zusammen?

Alexander Grimm: Wie viele andere Sportarten auch ist der Kanuslalom einem steten Wandel ausgesetzt. Um an der Weltspitze mitmischen zu können, ist es erforderlich, technologische Neuerungen zu entwickeln und auch anzuwenden. Überall dort, wo Energie eingespart werden muss, ist es sinnvoll, Faserverbundmaterialien zu verwenden. Hier ein Beispiel: Von der Start- bis zur Ziellinie wird das Kajak mehrmals um verschiedene Achsen beschleunigt. Wer schnell im Ziel sein will, muss auf daher auf Faserverbundmaterialien setzen. 

Carbon ist ein Material, das sich in vielen Bereichen wachsender Beliebtheit erfreut. Wie wichtig ist der Stoff im Kanusport?

Schon von Kindesalter an bin ich mit dem Material Carbon vertraut. Nicht nur mein Kajak, sogar mein Paddel ist aus diesem Material. 

Gibt es schon viele Anbieter für Kajaks aus Carbon?

Vor allem in den osteuropäischen Ländern gibt es einige Hersteller, die sich auf die Fertigung von Wettkampfbooten spezialisiert haben. Die Kajaks werden dort im Nass-Laminier-Verfahren produziert. Neben Carbon als Faserverbundwerkstoff werden auch Hybridgewebe verarbeitet.

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus den unterschiedlichen Materialien?

Kanuslalom ist so, wie er heute betrieben wird, nur mit Booten möglich, die im Zuge leichtbauoptimierter Sandwich-Bauweise und aus Faserverbundmaterialen gefertigt wurden. Bei einer Länge von 3,5 Metern und einer Breite von 0,6 Metern muss das Kajak mindestens acht Kilo wiegen. Mit Carbon erzielt man ein geringes Gesamtgewicht. Zudem ist die Gesamtsteifigkeit bei richtiger Auslegung hoch genug, um die äußeren Wasserlasten aufzunehmen. Die Gegensätze Leichtbau, Steifigkeit und Haltbarkeit müssen je nach Verwendung in einem richtigen Verhältnis stehen.

Da es sich um den Wettkampfbereich handelt, steht die Haltbarkeit eines Kajaks nicht stark im Vordergrund. Ein modernes Wettkampfkajak hält circa ein halbes bis zu einem Jahr. Das liegt daran, dass das Material gegenüber Impacteinschlägen – dazu gehört beispielsweise Wandkontakt – empfindlich ist. Carbon-Aramidfasergewebe ist hingegen schlagzäher. Dieses Material wird als Alternative vor allem in der Einsteigerklasse verwendet. Monolithisch aufgebaute Kunststoffbote findet man hingegen in der Regel nur im Freizeitbereich.

Sowohl im Kanusport als auch im Bereich Carbon hat Augsburg sich einen Namen gemacht. Was zeichnet den Standort in dieser Hinsicht aus?

Augsburg hat zwei Lebensadern: Den Lech und die Wertach. Durch die Kraft des Wassers konnte im vergangen Jahrhundert die Textilindustrie aufblühen. Daraufhin folgte auch die Ansiedlung vieler namhafter Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Hier lassen sich viele Parallelen ziehen: Früher wurde mit Baumwolle gewebt, heute ist das Material eben Carbon.

Wie wird der Kajak-Sport in Augsburg von der Wirtschaft gefördert?

Augsburg ist Austragungsort zahlreicher international hochrangiger Wettkämpfe. Viele Unternehmen aus der Region fördern diese Veranstaltungen. Diese Unterstützung kommt sowohl dem Kanusport in Augsburg als auch dem Nachwuchs zugute.

Nach Ihrer sportlichen Karriere: Bleiben Sie dem Sport als Kajak-Bauer treu?

Bisher habe ich den Kajak-Bau größtenteils den spezialisierten Bootsfirmen überlassen und war vielmehr die Schnittstelle zwischen Sport und Bootsbau. Wie es in Zukunft sein wird, das weiß ich noch nicht.

Das Interview führte Rebecca Weingarten

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Alexander Grimm: Wie viele andere Sportarten auch ist der Kanuslalom einem steten Wandel ausgesetzt. Um an der Weltspitze mitmischen zu können, ist es erforderlich, technologische Neuerungen zu entwickeln und auch anzuwenden. Überall dort, wo Energie eingespart werden muss, ist es sinnvoll, Faserverbundmaterialien zu verwenden. Hier ein Beispiel: Von der Start- bis zur Ziellinie wird das Kajak mehrmals um verschiedene Achsen beschleunigt. Wer schnell im Ziel sein will, muss auf daher auf Faserverbundmaterialien setzen. 

Carbon ist ein Material, das sich in vielen Bereichen wachsender Beliebtheit erfreut. Wie wichtig ist der Stoff im Kanusport?

Schon von Kindesalter an bin ich mit dem Material Carbon vertraut. Nicht nur mein Kajak, sogar mein Paddel ist aus diesem Material. 

Gibt es schon viele Anbieter für Kajaks aus Carbon?

Vor allem in den osteuropäischen Ländern gibt es einige Hersteller, die sich auf die Fertigung von Wettkampfbooten spezialisiert haben. Die Kajaks werden dort im Nass-Laminier-Verfahren produziert. Neben Carbon als Faserverbundwerkstoff werden auch Hybridgewebe verarbeitet.

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus den unterschiedlichen Materialien?

Kanuslalom ist so, wie er heute betrieben wird, nur mit Booten möglich, die im Zuge leichtbauoptimierter Sandwich-Bauweise und aus Faserverbundmaterialen gefertigt wurden. Bei einer Länge von 3,5 Metern und einer Breite von 0,6 Metern muss das Kajak mindestens acht Kilo wiegen. Mit Carbon erzielt man ein geringes Gesamtgewicht. Zudem ist die Gesamtsteifigkeit bei richtiger Auslegung hoch genug, um die äußeren Wasserlasten aufzunehmen. Die Gegensätze Leichtbau, Steifigkeit und Haltbarkeit müssen je nach Verwendung in einem richtigen Verhältnis stehen.

Da es sich um den Wettkampfbereich handelt, steht die Haltbarkeit eines Kajaks nicht stark im Vordergrund. Ein modernes Wettkampfkajak hält circa ein halbes bis zu einem Jahr. Das liegt daran, dass das Material gegenüber Impacteinschlägen – dazu gehört beispielsweise Wandkontakt – empfindlich ist. Carbon-Aramidfasergewebe ist hingegen schlagzäher. Dieses Material wird als Alternative vor allem in der Einsteigerklasse verwendet. Monolithisch aufgebaute Kunststoffbote findet man hingegen in der Regel nur im Freizeitbereich.

Sowohl im Kanusport als auch im Bereich Carbon hat Augsburg sich einen Namen gemacht. Was zeichnet den Standort in dieser Hinsicht aus?

Augsburg hat zwei Lebensadern: Den Lech und die Wertach. Durch die Kraft des Wassers konnte im vergangen Jahrhundert die Textilindustrie aufblühen. Daraufhin folgte auch die Ansiedlung vieler namhafter Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Hier lassen sich viele Parallelen ziehen: Früher wurde mit Baumwolle gewebt, heute ist das Material eben Carbon.

Wie wird der Kajak-Sport in Augsburg von der Wirtschaft gefördert?

Augsburg ist Austragungsort zahlreicher international hochrangiger Wettkämpfe. Viele Unternehmen aus der Region fördern diese Veranstaltungen. Diese Unterstützung kommt sowohl dem Kanusport in Augsburg als auch dem Nachwuchs zugute.

Nach Ihrer sportlichen Karriere: Bleiben Sie dem Sport als Kajak-Bauer treu?

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