IHK Konjunkturgespräch

IHK Schwaben: Der Wirtschaft geht es gut – trotz Flaute

Seit der Bankenkrise vermerken die IHK-Statistiken ein beständig steigendes Wirtschaftswachstum. Diesen Herbst scheint die Hochkonjunktur ihren Zenit überschritten zu haben. Brisante Stagnation statt rasantes Wachstum?

Dreimal jährlich befragt die Industrie- und Handelskammer Schwaben Unternehmen nach ihrer aktuellen Geschäftslage. Die Umfrage, die sich im Zeitraum von eineinhalb Monaten an rund 700 Betriebe wendete, orientiert sich nicht nur an faktischen Zahlen. Vielmehr fängt sie das aktuelle Meinungsbild unternehmerischer Aktivitäten ein, fungiert so als ökonomisches Stimmungsbarometer und stellt repräsentative Prognosen auf.

„Bauwirtschaft Gewinner der Konjunktur“

„Die Bauwirtschaft ist ungebrochen der Gewinner der aktuellen Hochkonjunktur. Im Moment lebt diese aber vom Wohnungsbau, nicht vom Industriebau“, so Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben. 83 Prozent der Betriebe seien mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Etwa zehn Prozent schätzen die Chancen auf weiteres Wachstum eher gering ein, dies liege aber daran, dass die Kapazitäten bereits ausgelastet sind, erklärt Pressesprecherin Christine Neumann. Diese Tendenz spiegelt sich auch in der Auftragssituation wider. Zwar sei diese immer noch sehr gut, dennoch nehme die Anzahl an Aufträgen insgesamt ab. Zuwächse können in der Baubranche nur noch schwer bewerkstelligt werden. 67 Prozent der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre Entwicklung. Doch der Grund für fehlendes Personal sei nicht nur im demografischen Wandel zu suchen, sondern in der Natur der Konjunktur, so Kopton.

Industrie-Konjunkturkurve sinkt

Anders sieht es bei den schwäbischen Industrie-Unternehmen aus. Auch hier zeichnen sich keine besorgniserregenden Tendenzen ab, dennoch bewege sich die Konjunkturkurve hier tendenziell weiter gen x-Achse als in den anderen Branchen, stellt Kopton fest. Dass die Industrie geringere Werte erzielt, liegt vor allem daran, dass der tertiäre Sektor viel enger mit Export und Außenhandelsbeziehungen verwoben ist, als das Bauwesen oder der Einzelhandel. Obamas Politik der Verlässlichkeit hätte die wirtschaftliche Lage der 625 schwäbischen Unternehmen, die eng mit dem transatlantischen Handelsgebiet verflochten sind, deutlich begünstigt. Mittlerweile seien Investments, die immer langfristig denken, schwieriger, so Dr. Matthias Köppel, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Protektionsstrategien werden aktuell von 44 Prozent als akutes Risiko wahrgenommen.

Transportgewerbe unzufrieden

Während die industriellen Konzerne ihrer aktuellen Lage recht optimistisch gegenüberstehen, sind nur 53 Prozent der Unternehmen aus dem Transportgewerbe zufrieden. Hier schlagen sich die Auswirkungen des Dieselskandals nieder. 74 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die ökonomische Lage und die ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen der Automobilzulieferer-Industrie weder verbessern, noch verschlechtern werden.

„Herbstumfrage fällt stets ein wenig pessimistischer aus“

Trotz einem Konjunkturindex, der um acht Punkte im Vergleich zum Frühjahr fiel, befindet sich die bayerisch-schwäbische Wirtschaft immer noch im Bereich der Hochkonjunktur. „Die Herbstumfrage fällt stets ein wenig pessimistischer aus, das mag an den fallenden Blättern liegen. Die Unternehmen haben trotzdem volle Geschäftsbücher“, bilanziert Kopton.

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