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Der Tod von Hubert Aiwanger trifft auch die Region. Seit 2018 führte der Freie-Wähler-Chef das bayerische Wirtschaftsministerium. Er war damit der zuständige Minister für die Unternehmen in Bayerisch-Schwaben. Ein Kabinettskollege aus der Region war ihm an seinem Todestag besonders nah: Digitalminister Fabian Mehring aus Meitingen im Landkreis Augsburg sprang in Berlin für Aiwanger ein. Die IHK Schwaben und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft reagierten mit Anteilnahme.
Laut seinem Ministerium wollte Aiwanger in Berlin mehrere Termine für die Freien Wähler wahrnehmen. Mehring hatte ihm nach eigenen Angaben mittags eine SMS geschrieben, weil er sich mit ihm zum Essen verabreden wollte. Stattdessen sei er gebeten worden, am Nachmittag krankheitsbedingt für ihn einzuspringen. „Jetzt im Hotel zu sitzen und verstehen zu müssen, dass Hubert gestorben ist, fühlt sich komplett surreal an“, schrieb Mehring auf Instagram. „Wir alle verdanken ihm so viel.“
Mehring sitzt seit 2018 für die Freien Wähler im Landtag und ist seit November 2023 bayerischer Staatsminister für Digitales. Er betreut die Stimmkreise Augsburg-Land-Nord, Dillingen und Donau-Ries.
Die IHK Schwaben gedachte Aiwanger auf LinkedIn und sprach seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden, ihr Mitgefühl aus. Dazu teilte sie einen Beitrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, das um seinen Minister trauert.
Ausführlicher äußerte sich Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsverbände vbw, vbm und bayme. Er habe Aiwanger als „energischen Streiter für die Wirtschaft“ erlebt, schrieb Brossardt auf LinkedIn. Nach seiner Darstellung setzte sich der Minister für Mittelstand, Industrie, Handel und Handwerk ein. Er habe für niedrigere Energiepreise und weniger Bürokratie gekämpft. Mit Aiwangers Unterstützung seien zudem Milliardeninvestitionen in die Hightech-Agenda Bayern umgesetzt worden. „Er hatte die Wirtschaft in ihrer ganzen Breite im Blick und hat ihr Gesicht und ihre Stimme verliehen. Genau diese Stimme wird uns fehlen.“
Für die Unternehmen verliert das Wirtschaftsministerium damit seine politische Spitze. Wer das Haus künftig führt, ist bislang nicht bekannt.
„Wir sind alle zutiefst geschockt“: So reagierte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder bestürzt und fassungslos. Auf X schrieb er von einer „absoluten Tragödie“. Söder ordnete an, dass an allen staatlichen Dienstgebäuden im Freistaat Trauerflaggen wehen, also auch in Bayerisch-Schwaben. Laut Staatskanzlei gilt das für Donnerstag und für den Tag der Beisetzung. Landtagspräsidentin Ilse Aigner sprach von einem großen Verlust für Bayern.
Aiwanger galt als streitlustig, aber auch als umstritten. Ein Einschnitt war der Spätsommer 2023: Wenige Wochen vor der Landtagswahl holte ihn ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit ein. Die Koalition stand kurz vor dem Bruch. Bei der Wahl holten die Freien Wähler trotzdem ein Rekordergebnis von 15,8 Prozent. Die Partei sagt, er habe maßgeblich dazu beigetragen, dass aus einer kommunal verwurzelten Kraft eine feste Größe der Landespolitik wurde. Fraktionschef Florian Streibl sagte nach Aiwangers Tod: „Bayern wird ohne ihn ein anderes sein.“
Die Freien Wähler brauchen nun einen neuen Landes- und Bundesvorsitzenden. Den Bundesparteitag, der für Mitte November geplant war, hat die Partei auf 2027 verschoben. Die Staatsanwaltschaft klärt die Todesursache und möchte ausschließen, dass jemand anderes beteiligt war.
Hubert Aiwanger wurde 55 Jahre alt. Der Niederbayer führte die Freien Wähler als Landes- und Bundesvorsitzender. Als Landeschef war er erst vor einem Jahr wiedergewählt worden. 2008 brachte er seine Partei erstmals in den Bayerischen Landtag und wurde dort Fraktionschef. Seit 2018 war er bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident in der Koalition mit der CSU.