Kommentar

Home-Office: Ein Gesetz ist unnötig

Symbolbild. Home-Office. Foto: cherryandbees – stock.adobe.com
Die Sozialdemokraten wünschen sich ein gesetzlich verankertes Recht auf Home-Office. Jeder solle so von den digitalen Möglichkeiten bestmöglich profitieren. Netter Gedanke. Mehr aber auch nicht.

Sie passen auf die Kinder auf, erwarten einen Handwerker oder pflegen einen Angehörigen und müssen deshalb Zuhause sein, wollen aber mit Ihrer Arbeit vorankommen? Dann heißt die Antwort Home-Office! Viele Arbeitgeber ermöglichen dies bereits unter bestimmten Bedingungen. Doch nicht alle Tätigkeiten sind für Heimarbeit geschaffen. Allein das zeigt schon, woran es beim SPD Vorschlag nach dem Recht auf Home-Office mangelt: Sinn.

„Das generelle Recht auf einen Heimarbeitsplatz geht an den realen Gegebenheiten vorbei“ machte es letzte Woche die IHK Schwaben Rechtsexpertin Anita Christl in einem Statement der Kammer deutlich. Auch die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. hält den Vorschlag für nicht umsetzbar. Tätigkeiten in der Produktion oder bei Dienstleistungen seien nicht für ortsungebundenes Arbeiten geeignet. Wer Maschinen bedient oder Kunden besuchen muss, kann dies kaum von Zuhause aus. Ein Recht für alle kann es damit schon gar nicht geben.

Doch was ist mit Büro-Jobs? Was ich bei meinem Arbeitgeber am PC erledige, kann ich doch auch daheim am Laptop – oder? Jein. Natürlich lassen sich Mails vom eigenen Schreibtisch aus schreiben, Konzeptpläne auf dem Sofa entwickeln oder Telefonate in der Küche führen. Diese Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten müssen aber auch betreut werden können: Nicht jeder Betrieb ist heute schon EDV-technisch so ausgerüstet, eine Vielzahl vom Home-Office-Plätzen betreuen zu können, erklärte Christl. Dazu kommt, dass in vielen ländlichen Gegenden die Netz-Infrastruktur nicht ausreichend ausgebaut ist.

Sollten die Arbeitsaufgaben ortsungebunden umsetzbar und die EDV belastbar genug seien, spielt noch das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Das sogar in mehreren Bereichen. Zum einen müssen Arbeitgeber an jedem Ort die entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen und Ruhezeiten gewährleisten. Weiter muss beim Thema Datenschutz sichergestellt werden, dass durch die Heimarbeit kein „Einfallstor für mögliche Cyber-Angriffe“ geöffnet wird, wie es von der vbw heißt. Ein folgenschweres Risiko für jedes Unternehmen.

Was bei Heimarbeit komplett wegfällt, ist die soziale Komponente. Der Kontakt zu den eigenen Kollegen. Das kurze Gespräch in der Kaffee-Küche, der Flur-Funk. Der „Guten Morgen“ im Gang mit einem freundlichen Nicken. Sprich: Alles was das Team zusammenschweißt und die Zusammenarbeit im Betrieb fördert. Keiner bekommt mehr mit, was der andere tut, wenn Home-Office zur Regel wird.

Vorteile und Chance von Home-Office wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind weitläufig bekannt – auch den Unternehmen. Diese bieten Heimarbeit auch an vielen Stellen an, wenn sie können. Doch Betrieben dieses Arbeitsmodell vorzuschreiben, zwingt ihnen Risiken auf und bevormundet sie.

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Symbolbild. Home-Office. Foto: cherryandbees – stock.adobe.com
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Sie passen auf die Kinder auf, erwarten einen Handwerker oder pflegen einen Angehörigen und müssen deshalb Zuhause sein, wollen aber mit Ihrer Arbeit vorankommen? Dann heißt die Antwort Home-Office! Viele Arbeitgeber ermöglichen dies bereits unter bestimmten Bedingungen. Doch nicht alle Tätigkeiten sind für Heimarbeit geschaffen. Allein das zeigt schon, woran es beim SPD Vorschlag nach dem Recht auf Home-Office mangelt: Sinn.

„Das generelle Recht auf einen Heimarbeitsplatz geht an den realen Gegebenheiten vorbei“ machte es letzte Woche die IHK Schwaben Rechtsexpertin Anita Christl in einem Statement der Kammer deutlich. Auch die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. hält den Vorschlag für nicht umsetzbar. Tätigkeiten in der Produktion oder bei Dienstleistungen seien nicht für ortsungebundenes Arbeiten geeignet. Wer Maschinen bedient oder Kunden besuchen muss, kann dies kaum von Zuhause aus. Ein Recht für alle kann es damit schon gar nicht geben.

Doch was ist mit Büro-Jobs? Was ich bei meinem Arbeitgeber am PC erledige, kann ich doch auch daheim am Laptop – oder? Jein. Natürlich lassen sich Mails vom eigenen Schreibtisch aus schreiben, Konzeptpläne auf dem Sofa entwickeln oder Telefonate in der Küche führen. Diese Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten müssen aber auch betreut werden können: Nicht jeder Betrieb ist heute schon EDV-technisch so ausgerüstet, eine Vielzahl vom Home-Office-Plätzen betreuen zu können, erklärte Christl. Dazu kommt, dass in vielen ländlichen Gegenden die Netz-Infrastruktur nicht ausreichend ausgebaut ist.

Sollten die Arbeitsaufgaben ortsungebunden umsetzbar und die EDV belastbar genug seien, spielt noch das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Das sogar in mehreren Bereichen. Zum einen müssen Arbeitgeber an jedem Ort die entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen und Ruhezeiten gewährleisten. Weiter muss beim Thema Datenschutz sichergestellt werden, dass durch die Heimarbeit kein „Einfallstor für mögliche Cyber-Angriffe“ geöffnet wird, wie es von der vbw heißt. Ein folgenschweres Risiko für jedes Unternehmen.

Was bei Heimarbeit komplett wegfällt, ist die soziale Komponente. Der Kontakt zu den eigenen Kollegen. Das kurze Gespräch in der Kaffee-Küche, der Flur-Funk. Der „Guten Morgen“ im Gang mit einem freundlichen Nicken. Sprich: Alles was das Team zusammenschweißt und die Zusammenarbeit im Betrieb fördert. Keiner bekommt mehr mit, was der andere tut, wenn Home-Office zur Regel wird.

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