Kommentar

HELIO: Ein Konsumtempel aus Beton?

Bildmontage. Das HELIO mit Schleife. Foto: iStock/-slav-/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Trotz neuem Konzept ist das ehemalige Fuggerstadt-Center noch vor der Eröffnung scharfer Kritik ausgesetzt. Verdient das HELIO diese harschen Reaktionen?

Das Gebäude genießt nicht den besten Ruf, ist aber untrennbar mit dem Augsburger Hauptbahnhof verbunden. Im Zuge des Umbaus verwundert es daher nicht, dass der Betonbau ebenfalls saniert wird. Aus dem Fuggerstadt-Center  wird so das HELIO. Am 20. September 2018 soll es eröffnen. Auch wenn kaum einer weiß, wie es momentan innen aussieht, prognostizieren Viele das Scheitern des Projekts. Sei es eine weitere Verschiebung der Eröffnung oder die Pleite des Konzepts. Doch das HELIO ist wichtig für den Bahnhof und die Stadt.

Knapp 300.000 Einwohner zählt Augsburg. Die wachsende Bevölkerung der Fuggerstadt geht einher mit wirtschaftlichem Wachstum, wie Ansiedlungen von Firmen und Forschungsinstituten, der Uniklinik und der Übernahme des Theaters durch den Freistaat. All dies zeigt, dass Augsburg an Bedeutung gewinnt. Das kann nur so bleiben, wenn auch die Infrastruktur mitwächst. Der Hauptbahnhof hat den Anforderungen des Zentrums einer Metropolregion nicht mehr entsprochen. Es geht nicht nur um Barrierefreiheit, direkte Anbindungen an den ÖPNV oder ein weiteres Gleis. Es geht auch um das Angebot drum herum.

Wer bisher am Augsburger Bahnhof ankam, den erwartete wenig Einladendes.  Eine handvoll Shops, wenig Auswahl. Auch das Angebot der Bahnhofsstraße entspricht nicht unbedingt einer Prachtmeile. Kein Vergleich zum Mannheimer Bahnhof, eine Stadt mit ähnlich vielen Einwohnern. In Augsburg wird das HELIO nun neue und größere Möglichkeiten am Bahnhof bieten. Gastronomie, Shops, Einzelhandel, Kino, Fitness und eine Bowlingbahn sind angekündigt. Das schafft Auswahl für Reisende und holt auch die Bürger ab.

Gerade die sind aber noch skeptisch. Zugegeben, die Eröffnung wurde zum wiederholten Male verschoben, das trübt das Vertrauen. Von außen – dem einzig Sichtbaren momentan – hat sich nicht viel getan. Doch wie heißt es? Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag! Was am Ende zählen wird, sind die inneren Werte des Betonbaus. Raue Schalen beinhalten bekanntlich weiche Kerne. Daher sollte man schon einen Blick hinter die Fassade werfen, statt sich lauthals zu beklagen. Denn wer schreit, hat Unrecht.

Mit dem HELIO wird ein erster großer Sanierungsblock am Hauptbahnhof fertig. Die Arbeiten dort gehen aber weiter. Das allein wird Herausforderung für das junge Projekt sein, das auch Zuhause einiger Unternehmen ist. Ein Gebäude in solch prominienter Lage tot zu reden, kann in niemandes Interesse sein. Was wäre die Alternative? Ein weiterer Leerstand in der Innenstadt? Dem HELIO eine Chance verwehren auf Grund des Scheiterns des Vorbesitzers, ist bestenfalls kindisch. Es mag schwerer fallen, auf Erfolg zu bauen, als beim bitteren Ende mit „ich hab’s ja gleich gesagt“ prahlen zu können. Letzteres hat dem Ruf einer Großstadt noch nie gut getan.

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