Meinung

Hätte die Spontan-Evakuierung am Oberen Graben verhindert werden können?

Das Gebäude am Oberen Graben 8 musste evakuiert werden. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Am späten Freitagabend wurden die Gewerbetreibenden und die Bewohner des Betreuten Wohnens am Oberen Graben 8 wegen Einsturzgefahr evakuiert. Seither darf von ihnen keiner mehr ins Gebäude. War diese Nacht-und-Nebel-Aktion wirklich nicht zu verhindern?

In einer historischen Stadt wie Augsburg ist es nicht ungewöhnlich, auf Bomben oder archäologische Schätze zu stoßen. Dass vor allem im Falle einer Bombe zügig reagiert und vor allem evakuiert werden muss, ist klar. Bei statischen Problemen durch versäumtes Handeln aber sicherlich vermeidbar.

Was wir sicher wissen: Das Gebäude ist unterspült und damit die Statik beeinträchtigt. Das Gutachten vom letzten Donnerstag forderte eine „unverzügliche Räumung“, der die Stadt binnen kürzester Zeit auch nachkam. Doch das Vorgehen wirft Fragen auf. Wie konnte es passieren, dass das Gebäude derart unterspült ist, sodass die notwendigen Anforderungen an die Statik nicht mehr erfüllt sind und niemand bemerkt etwas? Bis das Gebäude schließlich von heute auf morgen evakuiert werden muss?

Gerade im Hinblick auf die Mieterstruktur wäre zeitigeres Eingreifen wünschenswert gewesen. In den oberen Stockwerken des Gebäudes sind fast 30 ältere Menschen in betreuten Wohneinrichtungen untergebracht. Gerade für sie war der überstürzte Aufbruch Freitagabend sicherlich beschwerlich. Ebenso schwierig ist und war die Situation für die Gewerbetreibenden, die keinen finanziellen Ausfall einkalkuliert hatten. Für beide Seiten hätte mehr Planungsvorlauf einiges vereinfacht. Ob das an bürokratischen Hürden gescheitert ist, oder schlichtweg eine Frage des Geldes war, bleibt dahingestellt.

Man muss kein Statiker sein um zu wissen, dass ein unterspültes Gebäude mittel- bis langfristig instabil wird. Umso wichtiger ist es, Bauten, die direkt am Wasser errichtet wurden, regelmäßig zu überprüfen. Entsprechend zeitiges Eingreifen ist dann entscheidend. Hätte das Gebäude auch dann geräumt werden müssen? Vielleicht. Auch in dem Fall hätten Bewohner und Gewerbetreibende alternative Unterkünfte beziehungsweise Geschäftsräume finden müssen. Aber: Sie hätten die nötige Zeit gehabt, um diese zu finden und wären nicht Freitagabend im wahrsten Sinne des Wortes vor die Tür gesetzt worden.

Dass die Mängel am Gebäude und dessen Sicherheit nicht schon vorher erkennbar waren, ist schwer zu glauben. Ob an mancher Stelle geschludert wurde, bleibt ebenfalls dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass es zur sofortigen Räumung kam. Entscheidend war dann das weitere Vorgehen, bei dem vor allem die Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr, der Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen, dem Personal der Wohnunterbringung und des BRK ein Erfolg war. Auch die Unterstützung der Stadt gegenüber den Gewerbetreibenden ist beispielhaft. Durch die Unterbringung in Alternativ-Räumen sollen die wirtschaftlichen Schäden der Unternehmer begrenzt bleiben. Erste Mieter konnten ihre Arbeit bereits an neuem Ort wieder aufnehmen, für die anderen dauert die Suche nach neuen Räumen an.

Der Fall zeigt wieder einmal: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Schuldzuweisungen fallen dann leicht. Es bleibt daher nur zu hoffen, dass alle Verantwortlichen daraus gelernt haben und nicht unverhofft das nächste Gebäude sofort geräumt werden muss.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Meinung

Hätte die Spontan-Evakuierung am Oberen Graben verhindert werden können?

Das Gebäude am Oberen Graben 8 musste evakuiert werden. Foto: Isabell Walter/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Am späten Freitagabend wurden die Gewerbetreibenden und die Bewohner des Betreuten Wohnens am Oberen Graben 8 wegen Einsturzgefahr evakuiert. Seither darf von ihnen keiner mehr ins Gebäude. War diese Nacht-und-Nebel-Aktion wirklich nicht zu verhindern?

In einer historischen Stadt wie Augsburg ist es nicht ungewöhnlich, auf Bomben oder archäologische Schätze zu stoßen. Dass vor allem im Falle einer Bombe zügig reagiert und vor allem evakuiert werden muss, ist klar. Bei statischen Problemen durch versäumtes Handeln aber sicherlich vermeidbar.

Was wir sicher wissen: Das Gebäude ist unterspült und damit die Statik beeinträchtigt. Das Gutachten vom letzten Donnerstag forderte eine „unverzügliche Räumung“, der die Stadt binnen kürzester Zeit auch nachkam. Doch das Vorgehen wirft Fragen auf. Wie konnte es passieren, dass das Gebäude derart unterspült ist, sodass die notwendigen Anforderungen an die Statik nicht mehr erfüllt sind und niemand bemerkt etwas? Bis das Gebäude schließlich von heute auf morgen evakuiert werden muss?

Gerade im Hinblick auf die Mieterstruktur wäre zeitigeres Eingreifen wünschenswert gewesen. In den oberen Stockwerken des Gebäudes sind fast 30 ältere Menschen in betreuten Wohneinrichtungen untergebracht. Gerade für sie war der überstürzte Aufbruch Freitagabend sicherlich beschwerlich. Ebenso schwierig ist und war die Situation für die Gewerbetreibenden, die keinen finanziellen Ausfall einkalkuliert hatten. Für beide Seiten hätte mehr Planungsvorlauf einiges vereinfacht. Ob das an bürokratischen Hürden gescheitert ist, oder schlichtweg eine Frage des Geldes war, bleibt dahingestellt.

Man muss kein Statiker sein um zu wissen, dass ein unterspültes Gebäude mittel- bis langfristig instabil wird. Umso wichtiger ist es, Bauten, die direkt am Wasser errichtet wurden, regelmäßig zu überprüfen. Entsprechend zeitiges Eingreifen ist dann entscheidend. Hätte das Gebäude auch dann geräumt werden müssen? Vielleicht. Auch in dem Fall hätten Bewohner und Gewerbetreibende alternative Unterkünfte beziehungsweise Geschäftsräume finden müssen. Aber: Sie hätten die nötige Zeit gehabt, um diese zu finden und wären nicht Freitagabend im wahrsten Sinne des Wortes vor die Tür gesetzt worden.

Dass die Mängel am Gebäude und dessen Sicherheit nicht schon vorher erkennbar waren, ist schwer zu glauben. Ob an mancher Stelle geschludert wurde, bleibt ebenfalls dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass es zur sofortigen Räumung kam. Entscheidend war dann das weitere Vorgehen, bei dem vor allem die Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr, der Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen, dem Personal der Wohnunterbringung und des BRK ein Erfolg war. Auch die Unterstützung der Stadt gegenüber den Gewerbetreibenden ist beispielhaft. Durch die Unterbringung in Alternativ-Räumen sollen die wirtschaftlichen Schäden der Unternehmer begrenzt bleiben. Erste Mieter konnten ihre Arbeit bereits an neuem Ort wieder aufnehmen, für die anderen dauert die Suche nach neuen Räumen an.

Der Fall zeigt wieder einmal: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Schuldzuweisungen fallen dann leicht. Es bleibt daher nur zu hoffen, dass alle Verantwortlichen daraus gelernt haben und nicht unverhofft das nächste Gebäude sofort geräumt werden muss.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben