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German Bionic im Insolvenzverfahren: So geht es dem Unternehmen
Insolvenzverfahren

German Bionic im Insolvenzverfahren: So geht es dem Unternehmen

Die Exoskelette von German Bionic unterstützen dabei, schwere Lasten zu heben. Das Start-up hat inzwischen einen Investor gefunden. Foto: German Bionic
Die Exoskelette von German Bionic unterstützen dabei, schwere Lasten zu heben. Das Start-up hat inzwischen einen Investor gefunden. Foto: German Bionic

Vor knapp einem Jahr hat German Bionic Systems Insolvenz angemeldet. Inzwischen gibt es gute Neuigkeiten zu dem bekannten Start-up für Exoskelette.

Das Insolvenzverfahren der German Bionic Systems GmbH aus Augsburg läuft noch. Die Geschäfte führt jetzt die im März neugegründete Advanced Bionic Systems GmbH. Dahinter steht ein Investor aus der Schweiz. Die notarielle Vereinbarung soll jetzt nachverhandelt werden.

German Bionic entwickelt KI-gestützte Exoskelette und ist hier einer der international führenden Anbieter. Die Exoskelette sollen Menschen, die etwa in der Pflege, Logistik oder Produktion arbeiten, dabei unterstützen, wenn sie schwer heben müssen.

So läuft das Insolvenzverfahren von German Bionic

Mitte November 2025 hatte German Bionic vor dem Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt. Grund für die finanzielle Schieflage des Start-ups war laut dem damaligen Geschäftsführer Armin G. Schmidt, dass bereits zugesagte Investitionen kurzfristig zurückgenommen wurden. „Ein strukturiertes Verfahren ist nun nötig, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern und die geschaffenen Werte zu schützen“, so Schmidt. Der Geschäftsbetrieb mit den damals rund 70 Mitarbeitenden war uneingeschränkt weitergelaufen.

Am 1. März dieses Jahres wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Einen Tag später hatte der Insolvenzverwalter Oliver Schartl angezeigt, dass voraussichtlich Masseunzulänglichkeit vorliegt. Heißt, der Insolvenzverwalter ging davon aus, dass das verbleibende Vermögen des Unternehmens zwar noch ausreiche, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Für alle weiteren Schulden reiche das Vermögen aber nicht mehr aus.

Investor für German Bionic

Wiederum einen Tag später, am 3. März, teilte das Unternehmen auf seiner Homepage mit, dass es einen Investor gefunden hat: die Investmentgesellschaft Archimedes Partners aus der Schweiz. „Mit dem erfolgreichen Abschluss des Investorenprozesses ist es gelungen, eine nachhaltige Lösung für das Unternehmen zu finden“, sagt Insolvenzverwalter Schartl. „Der Einstieg des neuen Eigentümers bietet German Bionic eine langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektive und zusätzliche strategische Handlungsspielräume.“

Der Investor hat German Bionic im Rahmen einer übertragenden Sanierung übernommen. Dafür wurde am 5. März die Advanced Bionic Systems GmbH als neue Gesellschaft gegründet. Das Unternehmen tritt in der Kommunikation, etwa auf LinkedIn, nach wie vor unter dem Namen „German Bionic“ auf. Geschäftsführer ist Daniel Benjamin Schulz von Archimedes Partners.

Die bisherigen Geschäftsführer Dirk Pöschl und Armin G. Schmidt sind laut Pressesprecher Eric Eitel im Rahmen der Transformation ausgeschieden. Zudem wurden Stellen im Bereich Assistenzen und Vertrieb abgebaut. Heute arbeiten laut Eitel rund 40 Menschen bei German Bionic.

Der Markt für Exoskelette

„Wir sind nach wie vor dabei uns zu konsolidieren und sehen uns dabei auf einem guten Weg“, sagt Eitel. Advanced Bionic Systems will in Augsburg bleiben. „Augsburg ist ein Robotic Hub und wir haben hier auch neue Flächen angemietet“, erklärt Eitel. Der Vertrieb ist dezentral organisiert. In Augsburg finden Forschung und Entwicklung statt. Derzeit investiere das Unternehmen viel in Forschung und Entwicklung, um seine Position im internationalen Wettbewerb zu halten.

Eitel sieht für Exoskelette einen großen Markt. Kernfrage sei hier, wie man den menschlichen Körper so unterstützen kann, dass er die Arbeit gesund verrichten kann. „Wir haben den großen Bereich Pflege, hinter dem auch ein gesellschaftlicher und politischer Druck steht. In diesem Bereich gibt es immer mehr zu pflegende Menschen und gleichzeitig weniger Pflegekräfte“, sagt Eitel. Bis sogenannte „Pflegeroboter“ wirklich auf den Markt kommen, dauert es laut Eitel noch.

Die Technologie von Advanced Bionic Systems unterstütze Menschen, statt sie wegzurationalisieren. „Perspektivisch wird es auch darum gehen, dass ältere Menschen mobil bleiben können, weil es nicht genügend Menschen gibt, die sie pflegen könnten. Exoskelette könnten älteren Menschen beim Treppensteigen oder einzukaufen unterstützen“, so Eitel weiter.

Änderungen des notariellen Vertrags

Das Insolvenzverfahren der German Bionic Systems GmbH läuft indes noch. Der Insolvenzverwalter erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass das Verfahren noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. „Mit einem zeitnahen Abschluss kann derzeit nicht gerechnet werden“, sagt Schartl. Auch die angezeigte Masseunzulänglichkeit bestehe weiter, belastbare Aussagen zu möglichen Quotenaussichten seien derzeit noch nicht möglich.

Ende September hat Schartl nun bei den Gläubigern des insolventen Unternehmens beantragt, dass der notarielle Vertrag mit Advanced Bionic Systems nachträglich geändert werden soll: Die Earn-Out-Struktur und die Re-Sale-Participation sollen heruntergesetzt werden. Das bedeutet, dass der Investor bei einem künftigen Erfolg eine geringere Nachzahlung an das insolvente Unternehmen leisten würde und dieses bei einem möglichen Verkauf des neuen Unternehmens geringer am Erlös beteiligt werden würde.

„Anpassungen an die bisherigen Vereinbarungen im Hinblick auf die mit der Advanced Bionic Systems GmbH geschlossene Earn-Out-Struktur und die Re-Sale-Participation sind notwendig, um die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Betriebsübernehmerin nicht zu gefährden“, so Schartl auf Anfrage. Weitere Details nennt Schartl nicht und verweist auf Advanced Bionic Systems. „Wir sind im Moment in keiner Situation, die Firma verkaufen zu wollen“, erklärt Pressesprecher Eitel auf Anfrage.

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