Basilikumblütensirup

Food-Startup Blütenrein: Augsburg ist ein schwieriger Markt

Was vor ein paar Jahren der Holunder schaffte, will auch der Basilikum erreichen: Sirup aus der Blüte als Getränke-Zusatz. Treibende Kraft dahinter ist das Startup Blütenrein.

Die Hitze hält Augsburg fest im Griff. Über 30 Grad hat es auf dem Stadtmarkt, als Ulrich Oberndorfer und Jochen Mack ankommen. Im Gepäck eine kleine weiße Plastiktüte mit brisantem Inhalt: Basilikumblütensirup.

Berater wird Anteilseigner

Auf den ersten Blick wirkt der Flascheninhalt eher wie etwas Alkoholisches. Fast richtig, aber dennoch komplett falsch: Daraus lassen sich Schorlen mixen, genauso wie Sommer-Cocktails. Gemacht aus einem Rohstoff, den es sonst nicht auf dem Markt gibt, wie Oberndorfer erzählt. Er ist einer von zwei Geschäftsführern des jungen Unternehmens. Das Potenzial, das in dieser Flasche steckt, habe er gleich erkannt. Die Idee stammt allerdings aus München.

Vom Garten aufs Feld

Paul Peteanu heißt der kreative Kopf hinter „Blütenrein“ und dem Basilikumblütensirup. Der Agrarwissenschaftler experimentierte zunächst im eigenen Garten, pachtete schließlich ein Feld und suchte Gastronomen mit einem Korb voll Blüten auf, berichten seine Geschäftspartner. Den Sirup kochte er anfangs alleine zuhause, bevor er mit Ulrich Oberndorfer, Jochen Mack und Stefan D’Alessio drei Mitstreiter fand. Diese steuern ihr Wissen aus den Bereichen F&B, Marketing und PR bei.

„Geldgeber findet man immer“

Obendorfer sitzt in Augsburg und berät Unternehmen zur Strategieausrichtung. Statt nur sein Know-how weiterzugeben, stieg er im Startup ein. Bisher ist alles eigenfinanziert, erklärt er. Aktuell sucht das Unternehmen nach einem Investor und/oder Business-Angel. „Kapital ist aber nicht das Problem. Geldgeber findet man immer.“ Viel wichtiger seien Kontakte und Netzwerke der Partner.

Gastronome machen Sirup bekannt

Beim Blick auf die Shop-Karte wird deutlich: Schlecht vernetzt sieht anders aus. Ob gleich erst rund 1,5 Jahre im Geschäft, ist der Basilikumblütensirup deutschlandweit an ausgewählten Stellen erhältlich. Wichtigster Markt und Werbeträger ist die Gastronomie. „Dort kann man den Sirup probieren, ohne gleich eine ganze Flasche kaufen zu müssen“, erklärt Oberndorfer. Das sei bei Lebensmitteln entscheidend. „Ich probiere, es schmeckt, ich will es zuhause nachmachen“, fasst Mack die Strategie zusammen. Darum stellen die Gesellschafter ihr Produkt persönlich vor. Den besten Einstieg schafft die Farbe.

DACH-Region im Fokus

„Basilikum ist rot“ steht auf dem Etikett. „Nein, ist er nicht“, sagen alle, die vorbeikommen. „Und schon ist man im Gespräch“, verrät der Geschäftsführer. Außerdem steche die Farbe aus dem Regal. Im Licht erinnert der Sirup an einen kräftigen Sonnenuntergang. Ist es schattiger, gleicht er einem flüssigen Granat. Zu finden unter anderem bei Karstadt in der Feinkostabteilung, Gespräche mit Metro laufen ebenfalls. Österreich könnte der nächste Markt sein. Ein Schweizer Händler fragte ebenfalls kürzlich an.

Augsburg – ein schwerer Markt

Obwohl die Vertriebszentrale in Augsburg liegt, sei die Fuggerstadt ein schwieriger Markt. „Anders als in München oder Berlin ist der Augsburger nicht so aufgeschlossen bei neuen Produkten“, berichtet Ulrich Oberndorfer. Dennoch sei Augsburg für Startups besser als München. Schlagendes Argument: der Preis.

Rohstoff kann nicht zugekauft werden

Felder und Lager von Blütenrein liegen aber in München. Hier pachte das Unternehmen von einem Gemüseanbauer. Der Boden eigne sich besser, Geräte könnten teils mitbenutzt werden. Geerntet wird per Hand von August bis Oktober. Nur die lilafarbenen Blüten werden abgeschnitten, so kann jede Pflanze mehrmals abgeerntet werden. „Hier sammeln wir den Rohstoff für das ganze Jahr.“ Zukauf ist nicht möglich. Weitere Felder in Italien oder Slowenien seien denkbar. An sich wolle das Unternehmen aber in Bayern bleiben.

Produktion in fremder Hand

Um die Blüten haltbar zu machen, werden sie getrocknet. Anders als die Blätter behalten sie ihr Aroma. Eine kleine Anzahl wird frisch an Münchner Feinkost Restaurants geliefert. Der Sirup wird in Ingolstadt produziert. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Produktion auszulagern.“ Eine eigene Anlage aufbauen ist sehr kostenintensiv und mit vielen Regularien verbunden.

Ein Drink ohne Namen

Peu à peu soll der Sirup nun Einzug in deutsche Supermärkte und die Getränkekarten der Gastronomen finden. Einen Namen für das Sommer-Getränk gibt es noch nicht. „Das muss sich von selbst entwickeln“, so Jochen Mack. Energie und Kreativität des Teams sind derweil bei der Entwicklung neuer Produkte mit Basilikum(-Blüten) gefragt. Immerhin gibt es 90 Sorten.

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