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Eva Weber: „Wohnraum ohne Fördermittel ist heute nicht mehr bezahlbar“
Interviewreihe „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg“

Eva Weber: „Wohnraum ohne Fördermittel ist heute nicht mehr bezahlbar“

Eva Weber war bei der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ in Augsburg zu Gast. Eingeladen hatte die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Eva Weber war bei der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ in Augsburg zu Gast. Eingeladen hatte die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

In Augsburg fehlt bezahlbarer Wohnraum. Augsburgs OB Eva Weber erklärt im Interview, wo sie in Augsburg Potenzial für neue Wohnungen sieht und wie die Wohnkrise abgefedert werden kann.

B4BSCHWABEN.de: Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die regionale Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum Augsburg, um den Wohnungsdruck abzufedern?

Eva Weber: Die ist unglaublich wichtig. Wir haben zum Glück in Augsburg das Kernteam Immobilien, den Aktivkreis Immobilien. Seit über zehn Jahren haben wir damit eine organisierte Einheit, die mit uns, der Stadtverwaltung, darüber spricht, wie wir diese Themen miteinander lösen können. Etwa wenn wir über den Grundsatzbeschluss drei sprechen, also die Frage, wie geförderter Wohnraum in Augsburg umgesetzt werden soll. Wenn wir über die Stellplatzsatzung sprechen oder über den Bau-Turbo – dann gehen diese Vorlagen der Verwaltung erst mal an das Kernteam, um die fachliche Expertise einzuholen und zu prüfen, ob die Vorlagen so umgesetzt werden können.

Welche Erwartungen haben Sie an den Bund und den Freistaat, die Kommunen beim Wohnungsbau zu unterstützen?

Alle Ebenen müssen dazu beitragen, und zwar alle in ihrer Möglichkeit. Der Bund und der Freistaat müssen natürlich die rechtlichen Rahmenbedingungen setzen, aber ich sehe schon auch uns Kommunen in der Pflicht. Auch wir müssen überlegen, wie wir mit unseren Satzungen umgehen, wie wir unsere Verwaltung organisieren. Wir in Augsburg sind eine der digitalsten Städte Deutschlands. Das gilt auch für unsere Bauverwaltung. Insofern geht es auch darum, dass wir darin schnell werden, Baugenehmigungen und Anliegen, die die Bauwirtschaft hat, abzuarbeiten.

Der Bau-Turbo richtet sich an die Kommunen. Wie wird dieser in Augsburg künftig umgesetzt?

Der Stadtrat hat Ende Januar sehr intensiv über den Bau-Turbo diskutiert. Wir haben sehr genau festgelegt, wie wir ihn umsetzen wollen. Für uns war klar, als der Bau-Turbo von der Bundesregierung eingebracht worden ist, dass wir ihn anwenden werden. Das wird nicht allein glückseligmachend sein. Das muss man auch sagen. Allein durch den Bau-Turbo werden nicht von jetzt auf gleich tausend neue Wohnungen entstehen. Es geht aber schlicht und ergreifend darum, dass in Gebieten, wo man vielleicht ansonsten einen Bebauungsplan gebraucht hätte, das jetzt anders machen kann und aufwendige Genehmigungszeiten und Planungszeiten deutlich abgekürzt werden können.

Mehr Wohnungen zu bauen, ist das eine. Auf der anderen Seite müssen diese dann auch bezahlbar sein. Welche Möglichkeiten sehen Sie für Augsburg?

Mit unserer Wohnbaugruppe haben wir seit fast 100 Jahren einen guten Player am Markt. Die Wohnbaugruppe hält mit fast 11.000 die allermeisten Wohnungen in Augsburg und ist da entsprechend eine veritable Größe. Das ist natürlich unser Instrument, entsprechend bezahlbaren Wohnraum umzusetzen. Gleichzeitig ist es aber so, dass Wohnraum ohne Fördermittel heute gar nicht mehr bezahlbar gemacht werden kann. Auch die Wohnbaugruppe würde, wenn sie keine Fördermittel bekommt, ungefähr 20 Euro pro Quadratmeter aufrufen müssen. Daran sieht man, unter welchem Druck die frei finanzierte Wohnungswirtschaft steht. Da geht es nicht darum, dass sich jemand eine goldene Nase verdient, sondern darum, Projekte wirtschaftlich umzusetzen. Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren durch die Pandemie, den Krieg in der Ukraine, Lieferengpässe, höhere Zinsen und so weiter um 40 Prozent gestiegen. Die Branche steht extrem unter Druck.

Welchen Rat geben Sie privaten Investoren und Projektentwicklern mit Blick auf den Wohnungsbau in Augsburg mit auf den Weg?

Vor allem sehr schnell mit der Stadtverwaltung in Kontakt treten. Gut geplante und vorbereitete Vorhaben können mit der Stadtverwaltung zu einem schnelleren Ergebnis führen.

Wo sehen Sie die größten Potenziale für den Wohnungsbau in Augsburg, auch mit Blick auf Nachverdichtung?

Zum einen haben wir noch ein paar Grundstücke im Reesepark, die wir auch an den Markt bringen werden. Wir wollen, dass diese an Akteurinnen und Akteure gehen, die schnell Wohnungen bauen können. Dann gibt es natürlich auch Flächen in Augsburg, die nicht wahnsinnig gut ausgelastet sind. Beispielsweise Supermarktflächen, wie an der Jakoberwallstraße. Dort soll der Supermarkt durch ein neues Gebäude mit darüberliegenden Wohnungen ersetzt werden. Am ehemaligen Osram-Gelände oder dem ehemaligen Eberle-Gelände sieht man aber auch, dass manche Unternehmen vom Standort oder aus Stadtteilzentren weggehen. Da haben wir dann die Möglichkeit der Konversion.

Zusammengefasst: Welche Perspektiven sehen Sie für die zukünftige Entwicklung des Wohnungsbaus in der Stadt, aber dann auch im Wirtschaftsraum Augsburg?

Die Perspektiven müssen wir gemeinsam aufzeigen. Wir müssen gemeinsam die Regulatorik entschlacken und miteinander die Regeln herunterfahren. Wir müssen insgesamt das Bauen, einfacher und schneller machen. Da müssen alle Ebenen – Bund, Land und Kommune – dazu beitragen.

Dieses Interview ist Teil einer Gesprächsreihe von B4BSCHWABEN.de zu der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ am 30. Januar 2026, zu der die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien einlud. Gemeinsam mit Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung und Stadtentwicklung beleuchten wir, wie Kooperationen, professionelle Prozesssteuerung, kluge Regelwerke und neue Formen der Quartiersentwicklung dazu beitragen können, Wohnbauprojekte schneller, effizienter und zukunftsfähiger umzusetzen.

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