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Bernreiter über Krise im Wohnungsbau: „Vieles rechnet sich nicht mehr“
Interviewreihe „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg“

Bernreiter über Krise im Wohnungsbau: „Vieles rechnet sich nicht mehr“

Christian Bernreiter war bei der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ in Augsburg zu Gast. Eingeladen hatte die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Christian Bernreiter war bei der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ in Augsburg zu Gast. Eingeladen hatte die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Zu wenige Wohnungen und zu hohe Mieten: Bayern hat ein Wohnungsproblem. Bayerns Bauminister Christian Bernreiter erklärt im Interview, wie die Baukosten sinken könnten und was der Freistaat plant.

B4BSCHWABEN.de: Wie bewerten Sie die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Bayern und wo sehen Sie den größten Handlungsdruck?

Christian Bernreiter: Die Wohnungsbaubranche ist nach wie vor unter großem Druck. Vor allem der frei finanzierte Wohnungsbau kommt nicht voran. Da müssen wir in Berlin noch mal die Voraussetzungen dazu schaffen und steuerliche Anreize ermöglichen. Denn der Bedarf ist riesig. Es geht immer um das Thema bezahlbaren Wohnraum und nicht um Luxussegmente, die keiner mieten kann. Das bringt nichts, das wird auch keiner machen. Darum muss man jetzt an allen möglichen Stellschrauben drehen. Eine Möglichkeit ist, Baukosten etwa durch den Gebäudetyp E zu senken. Es geht aber auch um steuerliche Anreize, Abschreibungen für Mietwohnungsneubau oder Sonderabschreibungen auch für die Sanierung von Wohnanlagen. Ich kämpfe natürlich auch dafür, dass es wieder Anreize gibt, dass man Wohneigentum beschafft.

Wie bewerten Sie die Pläne zu Gebäudetyp E und welches Potenzial sehen Sie?

Das Potenzial ist riesig. Die Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren mit DIN-Normen immer mehr obendrauf gepackt. Das muss aber alles bezahlt werden. Wir haben 19 Pilotprojekte in Bayern, bei denen bereits am Anfang 15 Prozent der Baukosten gesenkt werden können. Das ist ein guter Ansatz. Ich spüre ein riesiges Interesse und wir erwarten, dass Bauministerin Verena Hubertz das rasch umsetzt.

Welche Leitlinien verfolgt die Bayerische Staatsregierung selbst beim Thema Wohnungsbau?

Wir haben selbst dereguliert und das vierte und im Hintergrund das fünfte und sechste Modernisierungsgesetz, in Arbeit. Wir haben viele Dinge genehmigungsfrei gestellt und geprüft, wo man entbürokratisieren kann. Bei den Wohnraumfördermitteln gibt es keine Regularien mehr. Die Kommunen entscheiden selbst, wie das umgesetzt werden soll. Ich habe für Wohnraumförderung im geförderten Bereich Rekordsummen zur Verfügung, auch wenn die Wünsche viel höher sind. Ich habe jetzt im Doppelhaushalt 26/27 insgesamt 3,6 Milliarden Euro zur Verfügung, um geförderten Wohnungsbau weiterhin zu ermöglichen. Ich glaube, das ist ein sehr starkes Signal.

In Bayern fehlen 233.000 Wohnungen. Wo hat aus Ihrer Sicht Bayern in den vergangenen Jahren etwas falsch gemacht oder verschlafen, sodass es zu dieser großen Lücke kommen konnte?

Bayern hat da gar nichts verschlafen, weil wir immer Rekordsummen für geförderten Wohnungsbau zur Verfügung hatten. Aber die Marktbedingungen haben sich geändert. Die Zinsen sind enorm angestiegen, die Baukosten sind davon galoppiert und um 40 Prozent gestiegen. Vieles rechnet sich nicht mehr. Dabei ist der frei finanzierte Wohnungsmarkt das Entscheidende – 90 Prozent der Wohnungen wurden bisher frei finanziert gebaut. Wenn dann dem Eigentümer, dem Vermieter, nicht ermöglicht wird, seine Kosten auf die Miete umzulegen, dann will keiner bauen. Wir diskutieren immer über Einschränkungen für den Vermieter. Viele sind halt nicht mehr bereit, auf diesem Markt tätig zu sein. Wir können keinen verpflichten. Darum muss auch hier entfesselt werden. Es geht nicht darum, sich eine goldene Nase zu verdienen, aber wenn jemand privat für Wohnungsbau investiert, muss er zumindest mit einer schwarzen Null herauskommen. Der andere große Punkt ist, dass Bayern so attraktiv ist, dass wir über die vergangenen Jahrzehnte einen enormen Zuwachs bekommen haben. Der Freistaat Bayern ist um eine Million Einwohner gewachsen und das spiegelt sich natürlich auch im Bedarf nach Wohnraum wider.

Was haben öffentliche und private Bauträger 2026 beim Thema Fördermittel und geförderter Wohnungsbau in Bayern zu erwarten?

Wir rollen in den nächsten Wochen ein Winterpaket mit 600 Millionen Euro aus. Es wird dieses Jahr noch die Entscheidung fallen, wer im Bauprogramm 2027 enthalten ist. Dann ist die gewünschte Planungssicherheit da.

Plant die Staatsregierung in Bayern auch Unterstützung oder Förderung, um Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwandeln?

Aktuell nicht. Aber wenn jemand ein Projekt hat, geht es natürlich über ein Modernisierungsprogramm. Es geht vor allem darum, auch durch den Bau-Turbo, dass man für den Wohnungsbau Dinge ermöglichen kann. Das entscheidet dann die jeweilige Kommune. Ich kann nur dafür plädieren. Wir sind vor allem mit den Städtebaufördermitteln dabei. Unser aktuelles Programm hierzu heißt „Leerstand jetzt wohnen“. Da ist es möglich, dass man so ein Projekt auch mit Städtebaufördermitteln anschiebt. Wir haben derzeit sieben Pilotprojekte am Laufen und die Erkenntnisse stellen wir natürlich auch allen anderen zur Verfügung.

Dieses Interview ist Teil einer Gesprächsreihe von B4BSCHWABEN.de zu der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ am 30. Januar 2026, zu der die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien einlud. Gemeinsam mit Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung und Stadtentwicklung beleuchten wir, wie Kooperationen, professionelle Prozesssteuerung, kluge Regelwerke und neue Formen der Quartiersentwicklung dazu beitragen können, Wohnbauprojekte schneller, effizienter und zukunftsfähiger umzusetzen.

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