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Wie lösen wir den Knoten am Augsburger Wohnungsmarkt, Stephan Deurer?
Interviewreihe „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg“

Wie lösen wir den Knoten am Augsburger Wohnungsmarkt, Stephan Deurer?

Archivild. Der Augsburger Bauunternehmer Stephan Deurer. Foto: B4BSCHWABEN.de
Archivild. Der Augsburger Bauunternehmer Stephan Deurer. Foto: B4BSCHWABEN.de

Hohe Mieten, steigende Kaufpreise und zu wenig Neubau: Der Wohnungsmarkt in Augsburg bleibt angespannt. Stephan Deurer, geschäftsführender Gesellschafter der ECO Family Group und Mitglied im Aktivkreis Immobilien, spricht darüber, was den Wohnungsbau hemmt, und was ihn jetzt in Bewegung bringen könnte.

B4BSCHWABEN.de: Herr Deurer, die Lage auf dem Augsburger Wohnungsmarkt ist seit Jahren angespannt. Warum hält der Neubau nicht Schritt? 

Die Hauptursachen sind klar: Seit der Zinswende ist die Finanzierung von Wohnprojekten deutlich schwieriger geworden. Wir sprechen aktuell von zehnjährigen Konditionen zwischen 3,5 und 3,8 Prozent. Dazu kommen deutlich anspruchsvollere Eigenkapital- und Einkommensanforderungen die das Finanzieren schwieriger gemacht haben. Gleichzeitig sind die Baukosten massiv gestiegen – je nach Projekt liegen wir heute schnell bei 4.200 bis 5.500 Euro reine Baukosten pro Quadratmeter.

Wie bewerten Sie den Standort Augsburg aus Sicht von Projektentwicklern?

Die Situation ist derzeit extrem schwierig. Der Wohnungsbau wird aus staatlicher Sicht nicht ausreichend priorisiert, und das empfinden viele Marktteilnehmer als völlig unzufriedenstellend. Wir haben ein starkes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Gleichzeitig steigen Mieten und Preise weiter und erhöhen den Druck auf breite Bevölkerungsschichten. Chancen ergeben sich punktuell, etwa durch die Bebauung der ehemaligen Kasernenflächen, oder durch die Nähe zu München – insgesamt überwiegen aktuell aber die strukturellen Probleme.

Die Spitzenmieten liegen bei bis zu 18 Euro pro Quadratmeter und passen zunehmend nicht mehr zu den alten Einkommensstrukturen in Augsburg. Das betrifft nicht nur Familien, sondern auch ältere Menschen mit geringen Renten. Hinzukommt ein deutliches Defizit an sozial gefördertem Wohnraum und eine gefühlte Fehlbelegungsquote. Das alles verschärft die demografischen Herausforderungen und gefährdet langfristig die soziale Durchmischung der Stadt.

Welche Regelungen bremsen den Wohnungsbau aus Ihrer Sicht besonders?

Ein zentrales Beispiel ist die Stellplatzsatzung. Es gibt Standorte im Zentrum von Augsburg, an denen Tiefgaragen gebaut werden mussten, obwohl sie später nur teilweise genutzt werden. Gleichzeitig ist der Bau extrem teuer: Der Kostenunterschied zwischen der ersten und der zweiten Tiefgaragenebene kann – auch wegen schwieriger Grundwasserverhältnisse – 100 bis 200 Prozent betragen.

Hinzu kommen strenge Abstandsflächenregelungen, die Höhe und Dichte der Bebauung begrenzen. Wenn wir in Augsburg höher bauen dürften, ließe sich auf gleicher Fläche deutlich mehr Wohnraum schaffen. Auch Vorgaben wie Quartiersspielplätze sind wichtig für die Lebensqualität, stellen aber einen erheblichen Flächen- und Kostenfaktor dar. Nicht zuletzt wirken besondere lokale Satzungen, etwa durch Vorgaben zur Materialwahl, kostentreibend.

Welche Auswirkungen haben aktuelle Regelwerke auf Baukosten und Mieten?

Die Anforderungen an Materialien und Technik sind auch durch die Förderbedingungen häufig extrem hoch. Teilweise werden Materialien vorgeschrieben, für die es wenig Wettbewerb gibt – das treibt die Preise. Auch technische Standards orientieren sich oft am Stand der Technik, also am maximal Machbaren statt am wirtschaftlich Sinnvollen. Am Ende schlägt sich das direkt in den Baukosten und am Ende in den Mieten nieder.

Welche Rolle spielt der Aktivkreis Immobilien in dieser Debatte?

Der Aktivkreis Immobilien ist ein Zusammenschluss von Projektentwicklern, Planern, Architekten und Immobilienunternehmen. In der Steuerungsrunde bringen wir die Erfahrungen aus der Praxis strukturiert in den Dialog mit Verwaltung und Politik ein. Wir verstehen uns als fachliche Schnittstelle – beratend, nicht entscheidend.

Konkret erarbeiten wir Stellungnahmen zu Satzungen, Gesetzesentwürfen und Regelwerken. So haben wir etwa die Abstandsflächensatzung über Jahre begleitet und erreicht, dass heute zumindest ein zusätzliches Stockwerk möglich ist. Auch die Stellplatzsatzung sowie Fragen der Sozialgesetzgebung haben wir kritisch kommentiert und mit den neuen Regelungen deutliche Fortschritte erzielt.

Stichwort „Bauturbo“: Wo sehen Sie realistische Stellschrauben für mehr Tempo im Wohnungsbau?

Es braucht vor allem mehr Angebot, im sozialen Wohnungsbau wie im frei finanzierten Wohnungsbau. Ohne dieses lässt sich der Markt nicht entspannen. Der sogenannte Bauturbo – also schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und klarere Zuständigkeiten – muss konsequent umgesetzt werden. Wir brauchen den Mut zur Lücke und das Vertrauen in die örtlichen zumeist familiengeführten Wohnbau Unternehmen und Stakeholder der Branche.

Große Entwicklungsgebiete wie Haunstetten Süd-West sind langfristig sinnvoll, helfen aber kurzfristig kaum. Wir brauchen zusätzlich schnelle, pragmatische Lösungen.

Stadt und Freistaat haben zuletzt viele Beschlüsse gefasst, um Bauen einfacher und günstiger zu machen. Der entscheidende Hebel liegt jedoch auf Bundesebene – insbesondere beim Bundesjustizministerium, das die großen rechtlichen Rahmenbedingungen setzen kann. Staatlich garantierte Darlehen für den Wohnungskauf würden Fiskal nicht belasten aber bei den Käufern einen wichtigen Beitrag zur Finanzierbarkeit darstellen. 

Was wünschen Sie sich konkret von Politik und Verwaltung für die kommenden Jahre?

Wir brauchen Zinssubventionen oder staatliche Garantien für einen Teil der Finanzierungen, um Projekte wieder wirtschaftlich tragfähig zu machen. Zudem sollten DIN-Normen, technische Standards und Anforderungen an Barrierefreiheit kritisch überprüft werden. Ziel muss günstigeres Bauen bei weiterhin guter Qualität sein – nicht immer der maximale Stand der Technik.

Weniger Regulierung, mehr Rechtsklarheit und mehr Faktentransparenz sind ebenfalls entscheidend. Rund 80 Prozent des Wohnungsbaus in Deutschland werden privat realisiert. Doch dafür braucht es Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen statt verhindern. Wenn hier ein Umdenken stattfindet, kann der Wohnungsbau auch in Augsburg wieder Fahrt aufnehmen.


Dieses Interview ist Teil einer Gesprächsreihe von B4BSCHWABEN.de zu der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ am 30. Januar 2026, zu der die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien einlud. Gemeinsam mit Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung und Stadtentwicklung beleuchten wir, wie Kooperationen, professionelle Prozesssteuerung, kluge Regelwerke und neue Formen der Quartiersentwicklung dazu beitragen können, Wohnbauprojekte schneller, effizienter und zukunftsfähiger umzusetzen.

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