IHK Schwaben

Ethik und Wirtschaft: IHK Schwaben feiert Neujahresempfang mit 1.300 Gästen

Der Neujahrsempfang der IHK Schwaben begeisterte rund 1.300 Gäste. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Neujahrsempfang 2016 der IHK Schwaben. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Mit Bildergalerie: Ethik und Wirtschaft – geht das überhaupt? Und wenn ja, wie? Rund 1.300 Unternehmer aus Bayerisch-Schwaben stellten sich beim diesjährigen Neujahresempfang der IHK Schwaben im Kongress am Park dieser Frage. Gastredner zu diesem Thema war Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising.

von Constanze Meindl, Redaktion

Zahlreiche Impressionen zum Neujahrsempfang finden sie in unserer Fotostrecke

„Wie geht es Ihnen“, fragte Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, die Gäste in seiner Begrüßungsrede. In Zeiten, in denen Terror, Krieg, Flüchtlinge und Eurokrise die Schlagzeilen beherrschen sicherlich keine leichte Frage. Doch warum geht es der Region trotz Negativschlagzeilen und politischen Unruhen gut? Die positive Entwicklung sei sicherlich Großteils darauf zurückzuführen, dass „trotz aller Diskussionen im den Dienstleistungssektor, die Region immer ein Produktionsstandort war“, betonte Kopton. Daneben sind Themen wie ein starker Bildungssektor – Kopton verwies auf die neue medizinische Fakultät – und die Konzentration auf das Thema Ressourceneffizienz Faktoren, welche die Region stärken. Auch die gut ausgebaute Infrastruktur, etwa die positive Entwicklung beim Allgäu Airport, und das starke Netzwerk entlang der A7 und in Richtung München, tragen wesentlich zum Erfolg bei. „Das schwäbische Haus ist solide und kann so manchem Sturm standhalten“, betonte der IHK-Präsident.

Kardinal Marx: das Gemeinwohl gestalten

Kardinal Reinhard Marx, der den anwesenden Unternehmern vor allem Impulse geben wollte, sieht vor allem zwei Faktoren, die das Gemeinwohl gefährden: Der technologische Imperativ – was technisch möglich ist, soll auch getan werden – der uns scheinbar grenzenlose Möglichkeiten aufzeigt, und der ökologische Imperativ – was Gewinne bringt, darf nicht verhindert werden –, der „keine Ideologien, sondern Materielles in den Vordergrund stellt“.

Wenn es durch die Kombination dieser beiden Imperative nur vielen Menschen besser gehe und nur wenigen schlechter, sei dies gleichzusetzen mit der „Verabschiedung der Ethik und dem christlichen Menschenbild“. Jeder müsse sich der Aufgabe stellen, seine Entscheidungen in der Verantwortung vor Gott und den Menschen zu fällen. Daneben müsse für die Familie Verantwortung übernommen werden, denn von selbst setze sich das Gute nicht durch. „Wir müssen Familie und das Gemeinwohl gestalten, sonst geht alles zu Grunde.“

Um ethisches Handeln zu ermöglichen, seien auch die Unternehmer gefordert – und zwar jeder Einzelne. Unternehmer müssten „nachhaltig“ handeln. Daneben müssten „Chancen für alle“ geschaffen werden und sich auch um diejenigen kümmern, die „nicht marktfähig sind“, wie Schwache, Arme und Kranke – und eben Flüchtlinge. Zuletzt dürfe die „Globalisierung“ nicht außen vor gelassen werden. Wir dürften unseren Wohlstand nicht auf Kosten ärmerer Völker aufbauen.

Der Kardinal mahnte die Anwesenden: „Niemand ist für nichts verantwortlich“. Die Aufgabe von Unternehmern sei es, Gewinne zu erwirtschaften. Das sei ihre Verantwortung gegenüber Umwelt, Mitarbeitern und Gesellschaft. Denn mit ihren Steuern finanzieren sie das Gemeinwohl. Doch er wünscht sich ein Umdenken: Weg vom Shareholder-, hin zum Stakeholder-Gedanken.

Podiumsdiskussion: Ethik in den Unternehmen der Region

In der Podiumsdiskussion stellten sich neben Kopton und Kardinal Marx, Isabell Gräfin Thun Hohenstein, Fürstlich und gräflich Fuggersche Stiftungen, Prof. Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, und Thomas Schwartz, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg, den Fragen von Moderator Roman Roell.

Gräfin Thun-Hohenstein versteht unter Ethik „moralisches Handeln“ und vor allem die „Hilfe zu Selbsthilfe“. Hierfür sei die Fuggerei ein lebendiges Beispiel. Außerdem sieht sie ethisches Handeln im Unternehmen als klaren Wettbewerbsvorteil. Junge Menschen suchen sich ihren Arbeitgeber heutzutage auch danach aus, nach welchen ethischen Grundsätzen er handelt.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Prof. Bauer gemacht. Ein Unternehmen mit einem „klaren Wertemanagement“, die ihren Mitarbeitern deutlich sagen, was sie von ihnen erwarten – oder auch nicht erwarten – haben viele Vorteile. Für das global agierende Unternehmen sei es nicht immer einfach, die Ethik „aus dem Stammsitz heraus“ in die Welt zu tragen, denn viele Länder haben ihre eigenen Regeln. Seine unternehmensethischen Grundsätze sieht er als „Leitplanke“, in deren Rahmen sich alle bewegen und über die niemand steigen darf.

Auch Marx glaubt, dass Ethik einen festen regulatorischen Rahmen braucht. Alles Handeln – ob global oder regional – braucht feste Normen und eine Ordnung, an der sich alle orientieren können, denn „sonst kann kein ethische verantwortliches Handeln erreicht werden“.

Dass sich bei der Jugend ein neues ethisches Bewusstsein einstellt, beobachtet auch Prof. Schwartz. Die Studenten heute seien viel sensibler für wirtschaftsethischer Fragen, als dies noch vor 35 Jahren der Fall gewesen sei. Prof. Schwartz sieht Geld als eine Bedrohung für die Ethik, denn „Geld ist die einzige Ressource, die ich unbegrenzt begehren kann“.

Wenn Kopton an das Thema „Ethik in der Wirtschaft“ denkt, dann sieht er immer den „Ehrbaren Kaufmann“ vor sich. Er spüre, dass in den Unternehmen das Thema mittlerweile eine wichtige Rolle spiele. Besonders die Zunahme der Steuerehrlichkeit sei ein Beleg dafür.

Ethik und Wirtschaft kein Gegensatz

Die Diskussionen auf dem Podium führten die Unternehmer aus der Region im anschließenden Get Together bis in die späten Abendstunden weiter. Der IHK-Neujahresempfang zeigte deutlich: Ethik und Wirtschaft schließen sich keineswegs aus, sondern brauchen sich gegenseitig. Und auch wenn der Rahmen im Großen und Ganzen stimmen muss, so liegt die Wurzel ethischen unternehmerischen Handelns bei jedem einzelnen Unternehmer.

IHK Neujahrsempfang 2016: Wirtschaft feiert im Kongress am Park
Der Neujahrsempfang der IHK Schwaben begeisterte rund 1.300 Gäste. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
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Neujahrsempfang 2016 der IHK Schwaben. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

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von Constanze Meindl, Redaktion

Zahlreiche Impressionen zum Neujahrsempfang finden sie in unserer Fotostrecke

„Wie geht es Ihnen“, fragte Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, die Gäste in seiner Begrüßungsrede. In Zeiten, in denen Terror, Krieg, Flüchtlinge und Eurokrise die Schlagzeilen beherrschen sicherlich keine leichte Frage. Doch warum geht es der Region trotz Negativschlagzeilen und politischen Unruhen gut? Die positive Entwicklung sei sicherlich Großteils darauf zurückzuführen, dass „trotz aller Diskussionen im den Dienstleistungssektor, die Region immer ein Produktionsstandort war“, betonte Kopton. Daneben sind Themen wie ein starker Bildungssektor – Kopton verwies auf die neue medizinische Fakultät – und die Konzentration auf das Thema Ressourceneffizienz Faktoren, welche die Region stärken. Auch die gut ausgebaute Infrastruktur, etwa die positive Entwicklung beim Allgäu Airport, und das starke Netzwerk entlang der A7 und in Richtung München, tragen wesentlich zum Erfolg bei. „Das schwäbische Haus ist solide und kann so manchem Sturm standhalten“, betonte der IHK-Präsident.

Kardinal Marx: das Gemeinwohl gestalten

Kardinal Reinhard Marx, der den anwesenden Unternehmern vor allem Impulse geben wollte, sieht vor allem zwei Faktoren, die das Gemeinwohl gefährden: Der technologische Imperativ – was technisch möglich ist, soll auch getan werden – der uns scheinbar grenzenlose Möglichkeiten aufzeigt, und der ökologische Imperativ – was Gewinne bringt, darf nicht verhindert werden –, der „keine Ideologien, sondern Materielles in den Vordergrund stellt“.

Wenn es durch die Kombination dieser beiden Imperative nur vielen Menschen besser gehe und nur wenigen schlechter, sei dies gleichzusetzen mit der „Verabschiedung der Ethik und dem christlichen Menschenbild“. Jeder müsse sich der Aufgabe stellen, seine Entscheidungen in der Verantwortung vor Gott und den Menschen zu fällen. Daneben müsse für die Familie Verantwortung übernommen werden, denn von selbst setze sich das Gute nicht durch. „Wir müssen Familie und das Gemeinwohl gestalten, sonst geht alles zu Grunde.“

Um ethisches Handeln zu ermöglichen, seien auch die Unternehmer gefordert – und zwar jeder Einzelne. Unternehmer müssten „nachhaltig“ handeln. Daneben müssten „Chancen für alle“ geschaffen werden und sich auch um diejenigen kümmern, die „nicht marktfähig sind“, wie Schwache, Arme und Kranke – und eben Flüchtlinge. Zuletzt dürfe die „Globalisierung“ nicht außen vor gelassen werden. Wir dürften unseren Wohlstand nicht auf Kosten ärmerer Völker aufbauen.

Der Kardinal mahnte die Anwesenden: „Niemand ist für nichts verantwortlich“. Die Aufgabe von Unternehmern sei es, Gewinne zu erwirtschaften. Das sei ihre Verantwortung gegenüber Umwelt, Mitarbeitern und Gesellschaft. Denn mit ihren Steuern finanzieren sie das Gemeinwohl. Doch er wünscht sich ein Umdenken: Weg vom Shareholder-, hin zum Stakeholder-Gedanken.

Podiumsdiskussion: Ethik in den Unternehmen der Region

In der Podiumsdiskussion stellten sich neben Kopton und Kardinal Marx, Isabell Gräfin Thun Hohenstein, Fürstlich und gräflich Fuggersche Stiftungen, Prof. Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, und Thomas Schwartz, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg, den Fragen von Moderator Roman Roell.

Gräfin Thun-Hohenstein versteht unter Ethik „moralisches Handeln“ und vor allem die „Hilfe zu Selbsthilfe“. Hierfür sei die Fuggerei ein lebendiges Beispiel. Außerdem sieht sie ethisches Handeln im Unternehmen als klaren Wettbewerbsvorteil. Junge Menschen suchen sich ihren Arbeitgeber heutzutage auch danach aus, nach welchen ethischen Grundsätzen er handelt.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Prof. Bauer gemacht. Ein Unternehmen mit einem „klaren Wertemanagement“, die ihren Mitarbeitern deutlich sagen, was sie von ihnen erwarten – oder auch nicht erwarten – haben viele Vorteile. Für das global agierende Unternehmen sei es nicht immer einfach, die Ethik „aus dem Stammsitz heraus“ in die Welt zu tragen, denn viele Länder haben ihre eigenen Regeln. Seine unternehmensethischen Grundsätze sieht er als „Leitplanke“, in deren Rahmen sich alle bewegen und über die niemand steigen darf.

Auch Marx glaubt, dass Ethik einen festen regulatorischen Rahmen braucht. Alles Handeln – ob global oder regional – braucht feste Normen und eine Ordnung, an der sich alle orientieren können, denn „sonst kann kein ethische verantwortliches Handeln erreicht werden“.

Dass sich bei der Jugend ein neues ethisches Bewusstsein einstellt, beobachtet auch Prof. Schwartz. Die Studenten heute seien viel sensibler für wirtschaftsethischer Fragen, als dies noch vor 35 Jahren der Fall gewesen sei. Prof. Schwartz sieht Geld als eine Bedrohung für die Ethik, denn „Geld ist die einzige Ressource, die ich unbegrenzt begehren kann“.

Wenn Kopton an das Thema „Ethik in der Wirtschaft“ denkt, dann sieht er immer den „Ehrbaren Kaufmann“ vor sich. Er spüre, dass in den Unternehmen das Thema mittlerweile eine wichtige Rolle spiele. Besonders die Zunahme der Steuerehrlichkeit sei ein Beleg dafür.

Ethik und Wirtschaft kein Gegensatz

Die Diskussionen auf dem Podium führten die Unternehmer aus der Region im anschließenden Get Together bis in die späten Abendstunden weiter. Der IHK-Neujahresempfang zeigte deutlich: Ethik und Wirtschaft schließen sich keineswegs aus, sondern brauchen sich gegenseitig. Und auch wenn der Rahmen im Großen und Ganzen stimmen muss, so liegt die Wurzel ethischen unternehmerischen Handelns bei jedem einzelnen Unternehmer.

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