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Equal Pay Day: Die Lohnlücke ist ein Führungsproblem
Kommentar

Equal Pay Day: Die Lohnlücke ist ein Führungsproblem

Wirtschaftsredakteurin Angelina Märkl. Foto: VMM/Linus Pohl
Wirtschaftsredakteurin Angelina Märkl. Foto: VMM/Linus Pohl

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer. Doch der Gender Pay Gap ist mehr als ein Gleichstellungsthema, er ist ein Wettbewerbsrisiko. Warum faire Bezahlung zur strategischen Aufgabe für Unternehmer wird.

Heute ist Equal Pay Day. Bis zum 27. Februar arbeiten Frauen statistisch gesehen unbezahlt, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Leistung entlohnt werden. Der Gender-Pay-Gap liegt in Deutschland seit Jahren bei rund 18 Prozent, bereinigt immer noch bei etwa sechs Prozent. Man kennt die Zahlen, man kennt die Debatte. Doch die entscheidende Frage wird zu selten gestellt: Warum schafft es eine der weltweit stärksten Volkswirtschaften nicht, gleiche Leistung gleich zu bezahlen?

Kein Symbolthema, sondern Standortfaktor

Die Lohnlücke ist kein moralisches Randthema für Gleichstellungsberichte. Sie ist ein ökonomischer Faktor. Natürlich gibt es strukturelle Ursachen. Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen, öfter in Teilzeit und seltener in Führungspositionen. Sie unterbrechen ihren Lebenslauf häufiger für die Familie. Doch diese Strukturen fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Ergebnis von Anreizsystemen, Unternehmenskulturen und politischen Rahmenbedingungen. Kurz: von Entscheidungen. Und Entscheidungen werden in Führungsetagen getroffen.

Intransparente Gehälter, alte Reflexe

In vielen Unternehmen sind Vergütungsstrukturen historisch gewachsen und wenig transparent. Gehälter werden individuell verhandelt, Aufstiegschancen informell vergeben. Wer offensiv auftritt und maximale Verfügbarkeit signalisiert, setzt sich durch. Das wird gern als Leistungsprinzip bezeichnet. In der Praxis belohnt es oft Verhandlungsgeschick und Präsenz – nicht zwingend Produktivität. Wer familiäre Verpflichtungen hat, verhandelt vorsichtiger oder gilt als weniger flexibel. So reproduziert sich Ungleichheit leise, aber stetig.

Hinzu kommt ein überholtes Führungsverständnis: Karriere ist an Vollzeit gekoppelt, Präsenz gilt als Beweis für Engagement. Teilzeit dagegen haftet der Ruf des Provisorischen an. Ambition misst sich noch immer an der Zahl der Wochenstunden. Das ist nicht nur gesellschaftlich rückwärtsgewandt, sondern betriebswirtschaftlich riskant.

Fachkräftemangel trifft auf ungenutztes Potenzial

Deutschland altert. Die Babyboomer verlassen den Arbeitsmarkt, qualifizierte Nachwuchskräfte sind rar. Gleichzeitig sind Frauen heute so gut ausgebildet wie nie zuvor. Dennoch verdienen sie im Schnitt weniger und steigen seltener in Spitzenpositionen auf. Unternehmen, die dieses Potenzial nicht konsequent nutzen, schwächen ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit. Denn der Gender-Pay-Gap wirkt über das Gehalt hinaus. Er beeinflusst Motivation, Bindung und Arbeitgeberattraktivität. Gerade jüngere Generationen achten auf transparente Strukturen und glaubwürdige Gleichberechtigung. Wer hier nicht überzeugt, verliert im Wettbewerb um Talente.

Was jetzt Chefsache ist

Wer Diversität in Leitbilder schreibt, muss sie auch in Gehaltslisten abbilden. Das bedeutet: regelmäßige Gehaltsaudits, klare Gehaltsbänder, transparente Kriterien für Boni und Beförderungen. Weg von individuellen Deals, hin zu nachvollziehbaren Systemen. Vor allem aber braucht es ein neues Verständnis von Leistung. Ergebnisse zählen, nicht abgesessene Stunden. Führung darf nicht automatisch 60-Stunden-Woche bedeuten. Flexible Modelle und Jobsharing sind keine Zugeständnisse, sondern Ausdruck moderner Organisation.

Solange in Unternehmen stillschweigend davon ausgegangen wird, dass im Hintergrund jemand die Care-Arbeit übernimmt, bleibt Gleichbezahlung ein Lippenbekenntnis. Solange Teilzeit mit geringerer Ambition gleichgesetzt wird, zementiert sich die Lohnlücke von selbst.

Eine Frage der Professionalität

Der Equal Pay Day ist kein Aktionstag für Personalabteilungen. Er ist ein Gradmesser für die Qualität von Führung. Gleiche Bezahlung ist kein „Frauenthema“. Sie ist Ausdruck professioneller Unternehmensführung. Wer faire Strukturen schafft, stärkt Vertrauen, bindet Talente und erhöht die Innovationskraft. Am Ende geht es um eine schlichte unternehmerische Kernfrage: Bezahlen wir Leistung oder Tradition? Die Antwort darauf entscheidet darüber, wie zukunftsfähig ein Unternehmen wirklich ist.

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