Interview

Egenberger: „Deutschland ist bei der E-Mobilität hinten dran“

Paul Kienberger, Geschäftsführer der Egenberger GmbH & Co. KG aus Thierhaupten, hat zwei neue Elektrobusse in seiner Flotte. Im Interview verrät er, wie weit ein Elektrobus kommt, wie er den Tankvorgang beschleunigen will und ob E-Busse auch für den Reiseverkehr geeignet sind.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Paul Kienberger, Sie sind Geschäftsführer der Egenberger GmbH & Co. KG. und haben kürzlich bei einem neuen Projekt mitgewirkt: Elektrobusse im AVV-Verkehr. Wie kam die Idee dazu?

Paul Kienberger: Die Idee kam aus der Neugierde heraus. Wir haben darüber nachgedacht, Elektrobusse auf die Straße zu bringen und daraufhin angefangen, die Gedanken für einen Förderantrag aufzuzeichnen. Irgendwann haben wir beschlossen: Wir machen aus „das haben wir schon immer so gemacht” jetzt „das probieren wir jetzt einfach“. Man muss aus seiner Komfortzone heraustreten, sonst erreicht man manche Ziele niemals.

Was erwarten Sie sich von dem Kauf der E-Busse?


Am Anfang stand die Erwartung, Erfahrungen zu sammeln und dann zu sehen, was aus der Idee entstehen kann. Die Aussichten haben sich jedoch im Laufe des Projektes rasant weiterentwickelt – das ist auch die Faszination an einem solchen Projekt. Je mehr Erfolgserlebnisse ich gesehen habe, desto höher waren auch die Erwartungen und der Wunsch nach weiteren Fortschritten. Inzwischen habe ich den Anspruch, die Zukunft mitzugestalten.

Die Anschaffung eines Elektrobusses ist kostspieliger als bei einem normalen Bus. Weshalb lohnt es sich trotzdem?

Bei der Geldfrage werden wir von verschiedenen Aufgabenträgern gefördert, weshalb hier ein Großteil des wirtschaftlichen Risikos abgefedert wird. Aber auch ich als Unternehmer habe investiert und das hätte ich nicht getan, wäre ich mir nicht sicher, dass es sich auch lohnen wird. Wir werden das Ganze in Zukunft so wirtschaftlich betreiben können, dass wir Gewinne erzielen. Außerdem lohnt es sich schon allein deshalb, weil wir einen großen Schritt in Richtung alternativer Energieformen im Straßenverkehr gehen.

Wie weit kommt so ein Elektrobus?

Wenn wir ohne Zwischentankung und ohne große Standzeiten unterwegs sind haben wir eine Reichweite von rund 240 Kilometern.

Gibt es bereits genug Ladestationen?

Nein, gibt es nicht – es sind definitiv zu wenige. Und diejenigen, die es bisher gibt, sind für Nutzfahrzeuge von der Leistungsfähigkeit viel zu klein dimensioniert.

Wie lange dauert ein Ladevorgang?


Der Hersteller gibt vor, dass der Bus ungefähr sechs Stunden benötigt, um voll betankt zu werden. Das hänge jedoch auch von der Temperatur ab. Wir haben aktuell ein Projekt mit dem Innovationspark in Zusmarshausen gestartet – hier soll eine der größten E-Tankstellen Europas entstehen. Wir stellen fest, dass wir aufgrund der großen Mengen an Energie in relativ kurzer Zeit die Fahrzeuge befüllen können. Mit der Beladung bei Sortimo schaffen wir aktuell über 30 Prozent der Beladung in einer halben Stunde. Aber wir planen noch mehr. Die Fahrzeuge haben zwei Anschlüsse. Wenn wir sie über beide Seiten betanken, gehen wir davon aus, dass wir in einer Viertelstunde über 80 Prozent des Fahrzeugs befüllen. Damit nähern wir uns dem „normalen“ Tanken.

Werden in Zukunft auch auf Langstrecken E-Busse eingesetzt oder eignen sie sich nur für den ÖPNV?

Ich bin der Überzeugung, dass die Fahrzeuge sich auch für Langstrecken eignen werden. Davor müssen jedoch grundlegende Dinge wie beispielsweise die nötige Infrastruktur aufgebaut werden, denn darauf ist man dann angewiesen.

Sie sind auf Reisen in der Welt unterwegs. Ist Deutschland den anderen Ländern bei der E-Mobilität einen Schritt voraus?

Ich persönlich habe das Gefühl, dass wir zwei Schritte hinten dran sind. Verglichen mit beispielsweise den skandinavischen Ländern, sind diese sehr viel weiter als wir. Das gilt auch für den chinesischen Markt: China liefert zum Beispiel im Rahmen eines Großauftrages in diesem Jahr 4.500 Elektrobusse. In Deutschland gibt es momentan 200 bis 300 zugelassene E-Busse. Im globalen Vergleich stehen wir definitiv nicht an der Front.

Wie stellen Sie sich Europas Straßen in 10 Jahren vor?

Ich persönlich bin der Meinung, dass alle aktuellen Verkehrsträger auch weiterhin Bestand haben werden. Ich glaube, dass auch der Verbrennungsmotor, der Zug, das Flugzeug, das Schiff und der PKW in Zukunft existieren werden – noch mindestens in den nächsten zehn Jahren. Der Wandel kann sich nicht von einem Jahr auf das andere vollziehen. Trotzdem wird ein großer Anteil davon emissionsfrei, oder zumindest mit verminderter Emission unterwegs sein. Das Bewusstsein muss sich jedoch noch auf allen Ebenen wandeln und dann wird es hier meiner Meinung nach einen Mix aus allen Arten geben.

In den Schlagzeilen hört man oft von Unfällen von Elektroautos. Sind E-Fahrzeuge gefährlicher?

Das mag ich in dieser Form nicht beurteilen. Ich glaube nicht, dass es gefährlicher ist. Die Nachrichten höre und lese ich auch, aber ich denke mir, dass die News nur so hervorgehoben werden, weil es sich bei der E-Mobilität um eine Neuheit handelt. Andere Unfälle, durch „normale“ Autos, bringen nicht mehr die gleichen Schlagzeilen.

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Paul Kienberger: Die Idee kam aus der Neugierde heraus. Wir haben darüber nachgedacht, Elektrobusse auf die Straße zu bringen und daraufhin angefangen, die Gedanken für einen Förderantrag aufzuzeichnen. Irgendwann haben wir beschlossen: Wir machen aus „das haben wir schon immer so gemacht” jetzt „das probieren wir jetzt einfach“. Man muss aus seiner Komfortzone heraustreten, sonst erreicht man manche Ziele niemals.

Was erwarten Sie sich von dem Kauf der E-Busse?


Am Anfang stand die Erwartung, Erfahrungen zu sammeln und dann zu sehen, was aus der Idee entstehen kann. Die Aussichten haben sich jedoch im Laufe des Projektes rasant weiterentwickelt – das ist auch die Faszination an einem solchen Projekt. Je mehr Erfolgserlebnisse ich gesehen habe, desto höher waren auch die Erwartungen und der Wunsch nach weiteren Fortschritten. Inzwischen habe ich den Anspruch, die Zukunft mitzugestalten.

Die Anschaffung eines Elektrobusses ist kostspieliger als bei einem normalen Bus. Weshalb lohnt es sich trotzdem?

Bei der Geldfrage werden wir von verschiedenen Aufgabenträgern gefördert, weshalb hier ein Großteil des wirtschaftlichen Risikos abgefedert wird. Aber auch ich als Unternehmer habe investiert und das hätte ich nicht getan, wäre ich mir nicht sicher, dass es sich auch lohnen wird. Wir werden das Ganze in Zukunft so wirtschaftlich betreiben können, dass wir Gewinne erzielen. Außerdem lohnt es sich schon allein deshalb, weil wir einen großen Schritt in Richtung alternativer Energieformen im Straßenverkehr gehen.

Wie weit kommt so ein Elektrobus?

Wenn wir ohne Zwischentankung und ohne große Standzeiten unterwegs sind haben wir eine Reichweite von rund 240 Kilometern.

Gibt es bereits genug Ladestationen?

Nein, gibt es nicht – es sind definitiv zu wenige. Und diejenigen, die es bisher gibt, sind für Nutzfahrzeuge von der Leistungsfähigkeit viel zu klein dimensioniert.

Wie lange dauert ein Ladevorgang?


Der Hersteller gibt vor, dass der Bus ungefähr sechs Stunden benötigt, um voll betankt zu werden. Das hänge jedoch auch von der Temperatur ab. Wir haben aktuell ein Projekt mit dem Innovationspark in Zusmarshausen gestartet – hier soll eine der größten E-Tankstellen Europas entstehen. Wir stellen fest, dass wir aufgrund der großen Mengen an Energie in relativ kurzer Zeit die Fahrzeuge befüllen können. Mit der Beladung bei Sortimo schaffen wir aktuell über 30 Prozent der Beladung in einer halben Stunde. Aber wir planen noch mehr. Die Fahrzeuge haben zwei Anschlüsse. Wenn wir sie über beide Seiten betanken, gehen wir davon aus, dass wir in einer Viertelstunde über 80 Prozent des Fahrzeugs befüllen. Damit nähern wir uns dem „normalen“ Tanken.

Werden in Zukunft auch auf Langstrecken E-Busse eingesetzt oder eignen sie sich nur für den ÖPNV?

Ich bin der Überzeugung, dass die Fahrzeuge sich auch für Langstrecken eignen werden. Davor müssen jedoch grundlegende Dinge wie beispielsweise die nötige Infrastruktur aufgebaut werden, denn darauf ist man dann angewiesen.

Sie sind auf Reisen in der Welt unterwegs. Ist Deutschland den anderen Ländern bei der E-Mobilität einen Schritt voraus?

Ich persönlich habe das Gefühl, dass wir zwei Schritte hinten dran sind. Verglichen mit beispielsweise den skandinavischen Ländern, sind diese sehr viel weiter als wir. Das gilt auch für den chinesischen Markt: China liefert zum Beispiel im Rahmen eines Großauftrages in diesem Jahr 4.500 Elektrobusse. In Deutschland gibt es momentan 200 bis 300 zugelassene E-Busse. Im globalen Vergleich stehen wir definitiv nicht an der Front.

Wie stellen Sie sich Europas Straßen in 10 Jahren vor?

Ich persönlich bin der Meinung, dass alle aktuellen Verkehrsträger auch weiterhin Bestand haben werden. Ich glaube, dass auch der Verbrennungsmotor, der Zug, das Flugzeug, das Schiff und der PKW in Zukunft existieren werden – noch mindestens in den nächsten zehn Jahren. Der Wandel kann sich nicht von einem Jahr auf das andere vollziehen. Trotzdem wird ein großer Anteil davon emissionsfrei, oder zumindest mit verminderter Emission unterwegs sein. Das Bewusstsein muss sich jedoch noch auf allen Ebenen wandeln und dann wird es hier meiner Meinung nach einen Mix aus allen Arten geben.

In den Schlagzeilen hört man oft von Unfällen von Elektroautos. Sind E-Fahrzeuge gefährlicher?

Das mag ich in dieser Form nicht beurteilen. Ich glaube nicht, dass es gefährlicher ist. Die Nachrichten höre und lese ich auch, aber ich denke mir, dass die News nur so hervorgehoben werden, weil es sich bei der E-Mobilität um eine Neuheit handelt. Andere Unfälle, durch „normale“ Autos, bringen nicht mehr die gleichen Schlagzeilen.

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