Interview

DGB: So kann Stellenabbau in Schwaben verhindert werden

Was muss passieren, dass bayerisch-schwäbische Unternehmen keine weiteren Massenentlassungen durchführen? Für Silke Klos-Pöllinger, Regionsgeschäftsführerin der DGB Region Schwaben, liegt der Schlüssel in Weiterbildung und Anpassung an den Strukturwandel. Aber dazu sieht sie alle Unternehmen in der Pflicht.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was können Sie als Gewerkschaft konkret unternehmen, um große Firmen davon abzuhalten, Stellen abzubauen?

Silke Klos-Pöllinger: Stellenabbau und die Schließung von Standorten sind am Ende immer eine unternehmerische Entscheidung – sei es aus Kostengründen, weil Aufträge ausbleiben, oder weil man woanders vermeintlich billiger produzieren kann. Wir Gewerkschaften versuchen im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Betriebsrat so früh wie möglich auf diese unternehmerische Entscheidung einzuwirken: Wo es Unternehmensmitbestimmung im Aufsichtsrat gibt, werden die Kräfte der Arbeitnehmerbank gebündelt, um Diskussionen in eine andere Richtung zu lenken. Darüber hinaus appellieren wir an die soziale Verantwortung der Unternehmen für ihre Mitarbeiter und die Region. Das kann zum Beispiel eine andere Verteilung der Arbeit im Unternehmen sein oder tragfähige Konzepte, um neue Aufträge zu generieren.

Wie kann auf betriebsinterne Veränderungen reagiert werden?

Wenn es darum geht, dass eine gewisse Durststrecke überwunden werden muss, weil zu wenig Arbeit da ist, plädieren wir für Kurzarbeit wie jetzt in Corona-Zeiten, um Entlassungen zu vermeiden. Wenn investiert oder umstrukturiert wird, um angeschlagene Unternehmen wieder auf Vordermann zu bringen, sind Gewerkschaften auch bereit, befristet tarifliche Veränderungen vorzunehmen. Beispielsweise beim Einkommen oder der Arbeitszeit, wenn dadurch so viele Arbeitsplätze wie möglich und vor allem der Standort gesichert werden können.

Wer ist in Augsburg besonders gefragt?

Da ist besonders die jeweils zuständige Gewerkschaft involviert, die „ihre“ Betriebe genau kennt – bei den Hiobsbotschaften der letzten Zeit in Augsburg natürlich die örtliche IG Metall. Am wichtigsten ist hier, mit der Unternehmensleitung in Verhandlungen zu kommen, um vor allem betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und den Betriebsrat so beim Interessenausgleich und seinen Sozialplanverhandlungen so gut wie möglich zu unterstützen.

Welche Vorschläge haben Sie an die bayerisch-schwäbischen Großkonzerne?

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Da gibt es nicht eine Antwort für alle, weil die Voraussetzungen zu unterschiedlich sind. Generell sollte es immer darum gehen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Wenn möglich, Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen – vor allem, wenn nach der Corona-Krise wieder alle Fachkräfte gebraucht werden. Wenn Stellen reduziert werden müssen, dann über Altersteilzeit gehen – aber manchmal sind auch die Belegschaften zu jung dafür. Auch Vorschlägen nach einer 4-Tage-Woche sind interessant, um Industriejobs zu halten, statt sie aufzugeben. Stellen in der Industrie werden wir vermutlich nicht mehr in der Region zurückbekommen, wenn wir sie einmal verloren haben. Aber Produktion ist die Basis für viele weitere Branchen. Auch Dienstleistung wird ohne Industrie nicht funktionieren. 

Ist der massive Stellenabbau ein regionales Phänomen?

Wir sind im strukturellen Wandel, weil überall immer mehr Digitalisierung Einzug hält. Davon sind Tätigkeiten im Produktionssektor besonders betroffen. Und das Ende des Verbrennungsmotors setzt traditionelle Branchen wie den für Bayern wichtigen Automobilsektor und seine vielen Zulieferer auch aus anderen Branchen stark unter Druck. Corona hat manche strukturellen Probleme der Unternehmen noch beschleunigt. Allerdings haben wir immer noch verglichen mit anderen europäischen Ländern einen anteilsmäßig starken Produktionssektor, insbesondere im Allgäu. Nur ist dieser dort kleinteiliger als zum Beispiel in Augsburg mit den bekannten Großkonzernen. Und wir haben ein starkes Handwerk, das Fachkräfte sucht. Ich würde deshalb noch nicht von einem „massiven Stellenabbau“ insgesamt sprechen.

Wie können Gewerkschaften Entlassene unterstützen?

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Wir beraten unsere Gewerkschaftsmitglieder in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen und wir wissen in der Regel auch, in welchen tarifgebundenen Unternehmen derselben Branche gerade Arbeitskräfte gesucht werden. Wir arbeiten mit der Agentur für Arbeit zusammen, die auch bei Massenentlassungen zur Information in die Unternehmen kommt und auch extra Stellenbörsen organisiert. Außerdem setzen wir uns in den Verhandlungen mit den Unternehmen dafür ein, dass Abfindungen gezahlt werden oder Transfergesellschafen eingerichtet werden: Im Rahmen eines neuen, befristeten Arbeitsverhältnisses erfolgen dort Maßnahmen mit dem Ziel, den Arbeitnehmer in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu bringen. 

Kann der Arbeitsmarkt Entlasungen ausgleichen?

Bisher hat der Arbeitsmarkt etwa Entlassene von Ledvance gut aufgefangen. Mit dem angekündigten Stellenabbau in mehreren Großunternehmen wird es jetzt aber schwieriger, zeitnah und ortsnah, aber vor allem auch zu den guten Tariflöhnen in der Metall- und Elektroindustrie eine andere adäquate Beschäftigung zu finden.

Wie kann Entlassungswellen vorgebeugt werden?

Unternehmen müssen das sich wandelnde Geschäftsumfeld im Blick haben und ihre Unternehmensstrategie und Produkte so anpassen, dass sie auch zukünftig mit allen Mitarbeitern erfolgreich sein können. Sie müssen innovativ sein und ihre Beschäftigten durch ständige Weiterbildung auf neue Wege mitnehmen. Wenn wir Schwaben auch weiter auf hohem Niveau wirtschaftlich in der Welt mithalten wollen, dann geht dies nur mit viel Kreativität, Wissen und Knowhow unserer Fachkräfte in allen Bereichen. Deswegen sind besonders die Unternehmen der Region gefragt, für ihre Beschäftigten Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen sicherzustellen.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was können Sie als Gewerkschaft konkret unternehmen, um große Firmen davon abzuhalten, Stellen abzubauen?

Silke Klos-Pöllinger: Stellenabbau und die Schließung von Standorten sind am Ende immer eine unternehmerische Entscheidung – sei es aus Kostengründen, weil Aufträge ausbleiben, oder weil man woanders vermeintlich billiger produzieren kann. Wir Gewerkschaften versuchen im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Betriebsrat so früh wie möglich auf diese unternehmerische Entscheidung einzuwirken: Wo es Unternehmensmitbestimmung im Aufsichtsrat gibt, werden die Kräfte der Arbeitnehmerbank gebündelt, um Diskussionen in eine andere Richtung zu lenken. Darüber hinaus appellieren wir an die soziale Verantwortung der Unternehmen für ihre Mitarbeiter und die Region. Das kann zum Beispiel eine andere Verteilung der Arbeit im Unternehmen sein oder tragfähige Konzepte, um neue Aufträge zu generieren.

Wie kann auf betriebsinterne Veränderungen reagiert werden?

Wenn es darum geht, dass eine gewisse Durststrecke überwunden werden muss, weil zu wenig Arbeit da ist, plädieren wir für Kurzarbeit wie jetzt in Corona-Zeiten, um Entlassungen zu vermeiden. Wenn investiert oder umstrukturiert wird, um angeschlagene Unternehmen wieder auf Vordermann zu bringen, sind Gewerkschaften auch bereit, befristet tarifliche Veränderungen vorzunehmen. Beispielsweise beim Einkommen oder der Arbeitszeit, wenn dadurch so viele Arbeitsplätze wie möglich und vor allem der Standort gesichert werden können.

Wer ist in Augsburg besonders gefragt?

Da ist besonders die jeweils zuständige Gewerkschaft involviert, die „ihre“ Betriebe genau kennt – bei den Hiobsbotschaften der letzten Zeit in Augsburg natürlich die örtliche IG Metall. Am wichtigsten ist hier, mit der Unternehmensleitung in Verhandlungen zu kommen, um vor allem betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und den Betriebsrat so beim Interessenausgleich und seinen Sozialplanverhandlungen so gut wie möglich zu unterstützen.

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Ist der massive Stellenabbau ein regionales Phänomen?

Wir sind im strukturellen Wandel, weil überall immer mehr Digitalisierung Einzug hält. Davon sind Tätigkeiten im Produktionssektor besonders betroffen. Und das Ende des Verbrennungsmotors setzt traditionelle Branchen wie den für Bayern wichtigen Automobilsektor und seine vielen Zulieferer auch aus anderen Branchen stark unter Druck. Corona hat manche strukturellen Probleme der Unternehmen noch beschleunigt. Allerdings haben wir immer noch verglichen mit anderen europäischen Ländern einen anteilsmäßig starken Produktionssektor, insbesondere im Allgäu. Nur ist dieser dort kleinteiliger als zum Beispiel in Augsburg mit den bekannten Großkonzernen. Und wir haben ein starkes Handwerk, das Fachkräfte sucht. Ich würde deshalb noch nicht von einem „massiven Stellenabbau“ insgesamt sprechen.

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Kann der Arbeitsmarkt Entlasungen ausgleichen?

Bisher hat der Arbeitsmarkt etwa Entlassene von Ledvance gut aufgefangen. Mit dem angekündigten Stellenabbau in mehreren Großunternehmen wird es jetzt aber schwieriger, zeitnah und ortsnah, aber vor allem auch zu den guten Tariflöhnen in der Metall- und Elektroindustrie eine andere adäquate Beschäftigung zu finden.

Wie kann Entlassungswellen vorgebeugt werden?

Unternehmen müssen das sich wandelnde Geschäftsumfeld im Blick haben und ihre Unternehmensstrategie und Produkte so anpassen, dass sie auch zukünftig mit allen Mitarbeitern erfolgreich sein können. Sie müssen innovativ sein und ihre Beschäftigten durch ständige Weiterbildung auf neue Wege mitnehmen. Wenn wir Schwaben auch weiter auf hohem Niveau wirtschaftlich in der Welt mithalten wollen, dann geht dies nur mit viel Kreativität, Wissen und Knowhow unserer Fachkräfte in allen Bereichen. Deswegen sind besonders die Unternehmen der Region gefragt, für ihre Beschäftigten Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen sicherzustellen.

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