Existenznot

Corona-Lockdown: Augsburger Unternehmer protestieren

„Wem geht die Puste aus? Uns!“ Mit Transparenten auf denen Sätze wie dieser aufgedruckt war, präsentierten sich auf dem Augsburger Rathausplatz gut 50 mittelständische Unternehmer, meist der Branchen, die von Corona besonders getroffen sind. Welche Vorschläge die Unternehmen jetzt retten soll.

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Einzelhändler, Kosmetiker, Gastronomen, Fitness-Studio Betreiber. Branchen wie diese haben eines gemeinsam: Sie leiden besonders unter der Corona-Krise. Denn durch den andauernden Lockdown haben ihre Geschäfte weiterhin geschlossen. Und das seit November. Auf Einladung des Augsburger Unternehmerkreises Zukunft in Not trafen sich nun zahlreiche Selbstständige auf dem Augsburger Rathausplatz und berichteten über ihre Situation. Das Stimmungsbild war über alle vertretenen Branchen hinweg dasselbe: Frustration, Existenznot, oft Perspektivlosigkeit.

Augsburger Unternehmerkreis „zeigt Gesicht“

„Wir brauchen eine Perspektive“

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Eine Forderung, die beinahe jeder anwesende Unternehmer an die Politik hatte war: Gebt uns eine Perspektive. Viele wünschen sich einen klaren Zeitpunkt, zu dem sie wieder öffnen dürfen. Oder zumindest ausreichende staatliche Unterstützung. Denn die käme bei vielen nicht an oder nur unzureichend an. Christine Bemm hat ein Fitness Studio in Augsburg Göggingen. Gegründet im Herbst 2019. Für Überbrückungshilfen ist dies aber schwierig, da das Vergleichseinkommen aus 2019 folglich nicht angegeben werden kann. Auch das Vergleichseinkommen von Daniela Engelhardt und Julia Tiecher – gemeinsam betreiben sie eine Musikagentur – aus 2019 hilft ihnen nicht beim Überbrücken: denn beide waren in Elternteilzeit und konnten deshalb nicht voll arbeiten und somit nicht voll verdienen. Dennoch ist erst vergangene Woche die Überbrückungshilfe III in Bayerisch-Schwaben gestartet. Doch auch hier gibt es Probleme. „Um diese zu beantragen, bräuchte ich einen Steuerberater“, erklärt Sarah Nikolai, Inhaberin des Kosmetikstudios Beauty4Life aus Stadtbergen, „den kann ich mir aber nicht leisten.“ Auch die Rücklagen vieler Anwesenden gehen allmählich zu neige – manche müssen bereits an ihre Rentenrücklagen gehen. Ein Satz, mehr ein Aufruf, der deshalb bei vielen Transparenten zu hören ist: „Gebt uns unsere Kunden wieder.“

Hygienekonzepte müssen sich lohnen

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Besonders im Gastronomie-, Fitness und Kosmetikbereich machte sich unterdessen im Gespräch mit unserer Redaktion nicht nur die oben genannte Frustration bemerkbar, sondern regelrechtes Unverständnis mancher Corona-Maßnahmen. „Wir haben so gute Hygienekonzepte ausgearbeitet! Unsere Geschäfte sind hygienischer als Büros, hygienischer als Straßenbahnen und wahrscheinlich auch hygienischer als so manche Arztpraxen – denn wir haben keine Wartezimmer“, erläuterte Kosmetikerin Sarah Nikolai, fügte aber an: „Trotz all dem müssen wir geschlossen bleiben.“ Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in der Gastronomiebranche. Obwohl im Sommer geöffnet war, konnte der Umsatz nicht den jetzigen Lockdown abfedern. Eine Cafébetreiberin sagt, dass sie in den warmen Monaten mit niedriger Inzidenz nur halb bestuhlen konnte. Corona-Hilfen würden zwar ankommen – aber nur um laufende Betriebskosten zu decken. Resigniert stellte sie fest: „Damit gehe ich zwar ungefähr auf null hinaus. Aber wie soll ich meine Krankenversicherung zahlen? Und von was soll ich leben?“

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