Interview

Click & Collect startet in Bayerisch-Schwaben: Lichtblick für Handel?

Click & Collect ist seit 11. Januar in Bayerisch-Schwaben erlaubt. Dabei handelt es sich um die Idee, dass Kunden per Telefon oder online Ware bestellen und diese dann im Laden abholen. Andreas Gärtner, Geschäftsführer Bezirk Schwaben vom Handelsverband und Elke Hehl von der IHK Schwaben erklären im Interview, wie sie diese Möglichkeit beurteilen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Ist „Click & Collect“ eine tatsächliche Hilfe für den Einzelhandel oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Andreas Gärtner: Mit der Freigabe dieser Idee wurde eine unserer zentralen Forderungen erfüllt. Click & Collect ist sicherlich nicht die Rettung für den Einzelhandel, aber es gibt vielen Betrieben Hoffnung. Und das vor allem in einer Zeit, in der wirklich jeder getätigte Umsatz entscheidend für das Überleben sein kann. Wichtig ist auch, dass der Kundenkontakt erhalten bleibt und die Händler eine Möglichkeit haben, sich aktiv zu beschäftigen.

Elke Hehl: Die wirtschaftliche Not des Einzelhandels wächst mit jedem Tag, den der Lockdown andauert. Click & Collect ist ein kleiner Lichtblick und eine überfällige Maßnahme, da viele Geschäfte durch die Corona-Krise bereits stark gebeutelt sind. Allein ausreichen wird diese Maßnahme allerdings nicht.

Kann damit der verlorene Umsatz wiedergutgemacht werden?

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Andreas Gärtner: Der seit dem Lockdown, im für viele Branchen so wichtigen Weihnachtsgeschäft, verlorene Umsatz wird auch zukünftig weiter verloren bleiben. Wir sehen hier, auch bei einem Ende des Lockdowns zum 31. Januar 2021, keine Möglichkeit diesen wieder aufzuholen. 

Elke Hehl: Nein. Das Beispiel der Gastronomie zeigt, dass nur ein geringer Teil des Geschäfts über einen Außer-Haus-Service abgebildet werden kann. Wie groß dieser Teil ist, hängt von vielen Kriterien ab. Dazu zählen die Präsenz des lokalen Einzelhändlers im Internet, dessen Sortiments- und Beratungsangebot oder seiner Erreichbarkeit.

Wie lange kann sich der Einzelhandel mit solchen Möglichkeiten noch über Wasser halten?

Andreas Gärtner: Große Teile des am stärksten betroffenen Handels versuchen sich über Online -, Telefon-, oder Social Media-Beratung und -Verkauf, bis Ende Januar über Wasser zu halten. Ein Ersatz für den Ausfall im stationären Geschäft ist dies jedoch keinesfalls. Bei einer weiteren Verlängerung des Lockdowns wird das große Ladensterben nicht ausbleiben, sollte bei den Beihilfen nicht nachgebessert werden.

Elke Hehl: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Auffällig an der Corona-Krise ist, dass sich innerhalb der verschiedenen Branchen völlig unterschiedliche Auswirkungen zeigen. Das gilt auch für den Einzelhandel. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind beispielsweise stark vom jeweiligen Produktsortiment abhängig. So macht es einen Riesenunterschied, ob der Einzelhändler Kleidung oder Fahrräder verkauft. Während es also Einzelhändler gibt, die bislang gut durch die Krise gekommen sind, gibt es auch viele Geschäfte, die kurz vor der Insolvenz stehen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Hilfen des Staates jetzt schnell und unbürokratisch fließen. Und was genauso wichtig ist: Der Einzelhandel braucht, wie die gesamte Wirtschaft, eine echte Perspektive für den Re-Start.

Im Online-Handel ist es normalerweise gängig, dass die Produkte nach Hause geliefert werden. Gehen Sie davon aus, dass Kunden den Abholservice hier vorziehen und erwarten Sie Warteschlangen vor den Geschäften? 

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Andreas Gärtner: Die Abholung im Geschäft ist eine schnelle und kostengünstige Alternative zum Versand. Manche Kunden werden die Abholung nutzen, um auch mal an die frische Luft zu kommen. Insbesondere im Bereich des Buchhandels, des Elektronikhandels der Baumärkte und des Einrichtungshandels erwarten wir eine etwas höhere Frequentierung. Warteschlangen oder dichtes Gedränge an den Ausgabestellen sind aus unserer Sicht nicht zu erwarten. Der Handel hat bisher immer gezeigt, dass über die entsprechenden Hygienekonzepte sicheres Einkaufen möglich ist, das wird auch bei der Abholung funktionieren.

Elke Hehl: Entscheidend ist hier die Frage, ob das gewünschte Produkt üblicherweise im stationären Einzelhandel oder im Internet gekauft wird. Je größer der Beratungs- und Serviceaufwand ist, je eher wird der Kunde bereit sein, das von ihm bestellte Produkt auch selbst abzuholen. Hinzu kommt die persönliche Bindung des Kunden zu seinem lokalen Einzelhändler. Hat sich beispielsweise über Jahre hinweg eine enge und vertrauensvolle Kunden-Händler-Beziehung entwickelt, dann wird der Abhol- gegen den Bringservice gewinnen.Der Einzelhandel selbst hat bereits im Frühjahr alles getan, um mit eigenen Hygienekonzepten seine Kunden und Mitarbeiter zu schützen. Das wird er diesmal wieder tun. Daher lautet der Appell der IHK Schwaben: Bleiben Sie dem lokalen Einzelhandel auch weiterhin treu.

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Elke Hehl: Die wirtschaftliche Not des Einzelhandels wächst mit jedem Tag, den der Lockdown andauert. Click & Collect ist ein kleiner Lichtblick und eine überfällige Maßnahme, da viele Geschäfte durch die Corona-Krise bereits stark gebeutelt sind. Allein ausreichen wird diese Maßnahme allerdings nicht.

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Elke Hehl: Nein. Das Beispiel der Gastronomie zeigt, dass nur ein geringer Teil des Geschäfts über einen Außer-Haus-Service abgebildet werden kann. Wie groß dieser Teil ist, hängt von vielen Kriterien ab. Dazu zählen die Präsenz des lokalen Einzelhändlers im Internet, dessen Sortiments- und Beratungsangebot oder seiner Erreichbarkeit.

Wie lange kann sich der Einzelhandel mit solchen Möglichkeiten noch über Wasser halten?

Andreas Gärtner: Große Teile des am stärksten betroffenen Handels versuchen sich über Online -, Telefon-, oder Social Media-Beratung und -Verkauf, bis Ende Januar über Wasser zu halten. Ein Ersatz für den Ausfall im stationären Geschäft ist dies jedoch keinesfalls. Bei einer weiteren Verlängerung des Lockdowns wird das große Ladensterben nicht ausbleiben, sollte bei den Beihilfen nicht nachgebessert werden.

Elke Hehl: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Auffällig an der Corona-Krise ist, dass sich innerhalb der verschiedenen Branchen völlig unterschiedliche Auswirkungen zeigen. Das gilt auch für den Einzelhandel. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind beispielsweise stark vom jeweiligen Produktsortiment abhängig. So macht es einen Riesenunterschied, ob der Einzelhändler Kleidung oder Fahrräder verkauft. Während es also Einzelhändler gibt, die bislang gut durch die Krise gekommen sind, gibt es auch viele Geschäfte, die kurz vor der Insolvenz stehen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Hilfen des Staates jetzt schnell und unbürokratisch fließen. Und was genauso wichtig ist: Der Einzelhandel braucht, wie die gesamte Wirtschaft, eine echte Perspektive für den Re-Start.

Im Online-Handel ist es normalerweise gängig, dass die Produkte nach Hause geliefert werden. Gehen Sie davon aus, dass Kunden den Abholservice hier vorziehen und erwarten Sie Warteschlangen vor den Geschäften? 

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Elke Hehl: Entscheidend ist hier die Frage, ob das gewünschte Produkt üblicherweise im stationären Einzelhandel oder im Internet gekauft wird. Je größer der Beratungs- und Serviceaufwand ist, je eher wird der Kunde bereit sein, das von ihm bestellte Produkt auch selbst abzuholen. Hinzu kommt die persönliche Bindung des Kunden zu seinem lokalen Einzelhändler. Hat sich beispielsweise über Jahre hinweg eine enge und vertrauensvolle Kunden-Händler-Beziehung entwickelt, dann wird der Abhol- gegen den Bringservice gewinnen.Der Einzelhandel selbst hat bereits im Frühjahr alles getan, um mit eigenen Hygienekonzepten seine Kunden und Mitarbeiter zu schützen. Das wird er diesmal wieder tun. Daher lautet der Appell der IHK Schwaben: Bleiben Sie dem lokalen Einzelhandel auch weiterhin treu.

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