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Baureferent Kercher: Wohnungsbau mit „lebenspragmatischer Herangehensweise“
Interviewreihe „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg“

Baureferent Kercher: Wohnungsbau mit „lebenspragmatischer Herangehensweise“

Steffen Kercher, Baureferent der Stadt Augsburg. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Steffen Kercher, Baureferent der Stadt Augsburg. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Zielkonflikte bremsen den Wohnungsbau. Für Augsburgs Baureferent Steffen Kercher liegt die Lösung in einer lebenspragmatischen Abwägung. Vom Bau-Turbo erwartet er schnelleren Wohnungsbau.

B4BSCHWABEN.de: Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für den Wohnungsbau in Augsburg?

Steffen Kercher: Das, was Interessentinnen und Interessenten aktuell bereit sind, für Neubauwohnungen zu zahlen, passt nicht mit dem zusammen, was an Grundstücks-, Bau- und Entwicklungskosten notwendig ist, um Gebäude zu bauen.

Wie kann das überwunden werden?

Die Stadt selbst kann durch einfachere, schnellere und schlankere Genehmigungsverfahren dazu beitragen und auch, indem stadteigene Anforderungen kritisch hinterfragt werden. Darüber hinaus müssen die Baukosten sinken, genauso wie der immer noch zu hohe Erwartungswert bei den Grundstückserlösen.

Genehmigungsverfahren sollen mit dem Bau-Turbo schneller werden. Auf welchem Stand ist Augsburg?

Viele Verfahren haben bisher ein Bebauungsplanverfahren benötigt. Das bedeutet rein formal eine Verfahrenszeit zwischen ein und drei Jahren mit großer Bürgerbeteiligung und mehrmaligen Stadtratsentscheidungen. Das kann durch den Bau-Turbo im Regelfall für Vorhaben unter 100 Wohnungen vermieden werden. Der Augsburger Stadtrat hat Ende Januar einen Grundsatzbeschluss dazu gefasst, wie der Bau-Turbo in Augsburg angewendet wird und wie die Stadt ihre Zustimmung für solche Verfahren erteilt.

Beim Wohnungsbau gibt es auch Zielkonflikte, etwa mit dem Klimaschutz und dem Denkmalschutz. Wie gehen Sie damit um?

Alle Beteiligten müssen mit einer lebenspragmatischen Herangehensweise vorangehen. Meistens gibt es bei den letzten fünf oder zehn Prozent des Baurechts viele Herausforderungen. Die ersten 90 bis 95 Prozent sind dagegen unkritisch. Wenn wir schnell und kostengünstig bauen wollen, sollten sich alle Seiten auf diese 90 bis 95 Prozent fokussieren.

Welche Rolle spielen digitale Planungsprozesse und Genehmigungsverfahren für die Beschleunigung des Wohnungsbaus und wie weit ist Augsburg?

Wir sind in den Genehmigungsbereichen der Bauordnung sehr weit mit der Digitalisierung. Wir können und wollen eigentlich nur noch digitale Bauanträge erhalten.

Welche Perspektive sehen Sie für die Entwicklung des Wohnungsbaus in der Stadt Augsburg, aber auch für den Wirtschaftsraum Augsburg?

Wir haben genügend Potenzialflächen, um Wohnungsbau in Augsburg zu verwirklichen. Das sind sowohl Flächen mit bestehendem Baurecht als auch Konversionsflächen oder Umnutzungsflächen. Wir haben außerdem rund 4.000 Wohnungen, die über Bebauungsplanverfahren gerade auf Baurecht warten. Der Bau-Turbo wird hier sicherlich noch weitere Spielräume eröffnen und auch die Region hat viel Potenzial für den Wohnungsbau.

Wo sehen Sie in der Stadt Augsburg dieses Potenzial für Neubauten, aber auch bei Bestandsbauten?

Im Textilviertel besteht ein sehr großes Potenzial. Dort laufen entlang der Berliner Allee und im sogenannten ehemaligen Obi-Areal Bebauungsplanverfahren für über 2.000 Wohnungen. Mittel- und langfristig haben wir natürlich auch vor allem in Haunstetten große Potenzialflächen.

Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang das Projekt Haunstetten Süd-West und wie schätzen Sie die derzeit so wahrgenommene ruhende Entwicklung dieses Gebiets ein?

Haunstetten Süd-West wird natürlich weiter geplant. Aktuell sind die Planungen verwaltungsintern in Arbeit. Deswegen hört man auch nach außen nichts. Im Jahresverlauf wollen wir dann damit in den Stadtrat und in die Öffentlichkeit gehen. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass Haunstetten Süd-West ein Projekt für die mittel- und langfristige Entwicklung ist. Wir haben gerade innenstadtnah auch auf Konversionsflächen, ehemaligen Industrieflächen oder auch in der Nachverdichtung von Bestandsquartieren so viel Potenzial, dass wir Haunstetten Süd-West nicht kurzfristig aktivieren müssen.

Wie priorisiert das Baureferat Flächen für Wohnen im Vergleich zu Gewerbeinfrastruktur und Grünflächen in der Stadt?

Wir brauchen alle drei Aspekte, wobei jeder Ort seine eigene Begabung hat. Wenn Wohnbauprojekte entstehen, braucht es das entsprechend begrünte Umfeld und eine gute soziale Infrastruktur. Gewerbetreibende wiederum brauchen gut erschlossene und flexible Gewerbeflächen. Beides muss in einer Stadt zusammengehen. Deswegen arbeiten wir auch auf gesamtstädtischer Ebene über Stadtentwicklungskonzepte oder den Flächennutzungsplan, um am jeweiligen Ort das Richtige anzusiedeln.

Dieses Interview ist Teil einer Gesprächsreihe von B4BSCHWABEN.de zu der Veranstaltung „Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern – Impulse, Herausforderungen und Lösungswege“ am 30. Januar 2026, zu der die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A³ Aktivkreis Immobilien einlud. Gemeinsam mit Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung und Stadtentwicklung beleuchten wir, wie Kooperationen, professionelle Prozesssteuerung, kluge Regelwerke und neue Formen der Quartiersentwicklung dazu beitragen können, Wohnbauprojekte schneller, effizienter und zukunftsfähiger umzusetzen.

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