Stadt Augsburg

Augsburg erhöht Gewerbe- und Grundsteuer: Was erwartet Firmen und Mieter 2016?

Symbolbild. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Nachdem die Zweite Bürgermeisterin Eva Weber den Entwurf des Haushaltsplans für 2016 vorstellte, wurde klar: Die Stadt braucht Geld. Schweren Herzens, wie Weber erklärte, wird Augsburg daher nicht darum herumkommen, die Gewerbe- und Grundsteuern zu erhöhen. Womit haben Firmen und Mieter nun zu rechnen?

von Iris Zeilnhofer, Online-Redaktion

Steuern: Diese Wort hört kein Bürger und kein Unternehmen gern. Doch damit Stadt, Land und Staat wirtschaften können, braucht es gewisse Abgaben. Auch die Stadt Augsburg ist auf diese angewiesen. Der drittgrößten Stadt Bayerns fehlt das Geld, trotz Sparmaßnahmen und Einschränkungen. Eva Weber, sowohl Finanz- als auch Wirtschaftsreferentin der Stadt Augsburg, bestätigte daher, dass die Gewerbe- und Grundsteuern steigen werden.

Gewerbesteuer könnte 17 Millionen Euro mehr einbringen

„In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, erklärte Weber heute Vormittag. Zwar habe die Stadt alles versucht, doch „trotzdem kommen wir nicht um eine Steuererhöhung herum“. Nach den ersten Gesprächen und Kürzungen hat die Stadt immer noch ein Minus von 89 Millionen Euro zu beklagen. Hier kommt nun die Gewerbe- und Grundsteuer ins Spiel. Auch wenn ihr, als Finanzreferentin, eine erhöhe Gewerbesteuer nicht gefällt, gab Weber zu verstehen, sie habe die „Daseinsvorsorge für die ganze Stadt“ im Kopf. Wenn der Stadtrat zustimmt, kann Augsburg so schließlich rund 17 Millionen Euro mehr einnehmen.

Eva Weber setzt sich für 470 Punkte ein

Im Haushaltsentwurf stehen 475 Punkte, auf die die Gewerbesteuer steigen soll. Eva Weber kündigte jedoch an, den Stadtrat von 470 Punkten überzeugen zu wollen. Weiter runter sei jedoch nicht realistisch. Der Deutschlandweite Durchschnitt liegt bei 481 Punkten. Da wolle die Stadt jedoch nicht hin. Die angestrebte Punktzahl sei auch nicht das erste Mal so hoch: 2003 bis 2005 lag sie auf dem selben Niveau.

Augsburg fehlen die Dienstleister

„Wir haben als Stadt Augsburg ein Einnahme-Problem. Im Vergleich zu beispielsweise München gibt es in Augsburg nur sehr wenig Dienstleistung“, so Weber. Denn gerade Versicherungen und Banken brächten einer Stadt viel Geld über Gewerbesteuern ein. Augsburg hat sich dagegen auf das produzierende Gewerbe spezialisiert. Darüber ist Eva Weber aber nicht traurig: „Das produzierende Gewerbe ist ein Garant dafür, dass vieles funktioniert. Ich denke da an die Wirtschaftskrise vor ein paar Jahren. Wir konnten die Kündigungen relativ stabil auffangen.“ An Arbeitskraft mangelt es also nicht.

70 Prozent der Augsburger Firmen zahlen keine Gewerbesteuer

„In Augsburg gibt es rund 17.000 Firmen. Mehr als 70 Prozent davon zahlen keine Gewerbesteuer“, erklärte Eva Weber. Das läge beispielsweise an zu geringen Einnahmen oder Verträgen mit den Mutterkonzernen. Sie berichtete weiter, dass von den restlichen 30 Prozent mehr als 90 Prozent weniger als 10.000 Euro jährlich an Gewerbesteuer bezahlen. Übrig bleiben rund 500 Unternehmen, von denen die Stadt nennenswerte Beträge bezieht.

Eva Weber befürchtet keine Wegzug von Firmen

Streuerhöhungen steigern jedoch nicht gerade die Attraktivität eines Standortes. Gewerbesteuern sind ein Wettbewerbsfaktor. Eva Weber betonte jedoch deutlich: „Es gibt viele Faktoren, weshalb sich ein Unternehmen für einen Standort entscheidet. Ein großer Roboter-Bauer wird nicht umsonst seine Energien aus Gersthofen raus- und nach Augsburg reinziehen.“

Grundsteuer: Mieter müssen mit mehr Abgaben rechnen

Neben den Firmen müssen sich auch Mieter auf erhöhte Abgaben einstellen. Denn auch die Grundsteuer wird in Augsburg steigen. Die Zweite Bürgermeisterin gab dazu zwei Beispiele. Auf eine kleine 43 Quadratmeter Wohnung im Nordosten der Stadt kämen jährlich 13 Euro mehr zu. Eine größere Wohnung im Südwesten mit 113 Quadratmeter müsse mit einem jährlichen Plus von 69 Euro rechnen. Die angehobene Grundsteuer spiegele jedoch nur die Wertentwicklung wieder. Diese sei im Vergleich zu den Steuern in den letzten Jahren viel höher gestiegen.

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