Kommentar

afa 2018: Wo Gurken gehobelt werden, fehlen Besucher

Symbolbild. Auf der afa. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Eine Messe wird als wiederkehrende Marketing-Veranstaltung definiert. Eine Dauerwerbesendung zum Durchlaufen also. Mehr Nähe geht nicht. Wollen wir das nicht alle: Mehr erleben? Wirbt die Augsburger Publikumsmesse schlechthin nicht gerade mit: „Erlebe die Vielfalt“? Doch der Blick auf die Besucherzahlen lässt das Herz nicht höher schlagen.

Der Puls ist fast so schwach, dass alles was flattert, die Nerven sind. Besonders die des Veranstalters. Dort kaschiert man die Zahlen nicht mal, spricht von einer Überraschung. Das einzig Überraschende ist, dass es nicht schon früher zu einem solchen Einbruch kam. Zwischen 90.000 und 100.000 Gäste sollen es eigentlich sein. Doch die Frühjahrsausstellung kämpft seit Jahren mit rückläufigen und schwankenden Zahlen. 2018 dann das Tief: nochmal 13.000 Gäste weniger als im Vorjahr, fast 24.000 weniger als vor fünf Jahren. Warum?

Jede Messe braucht ein Thema. Sie kaufen kein Buch ohne Titel, sehen keinen Film ohne Handlung und hören kein Lied ohne Rhythmus. Es gab sie mal – die Länderthemen. Diese wurde eingetauscht durch Vielfalt. Das ist kein Motto. Statt „afa – alles für alle“ gab es „nfn – nichts für niemanden“. Es ist wie die Antwort „Mir egal“ auf „Was willst du essen?“: Kann nur schief gehen. Es fehlte der rote Faden, an dem man sich orientieren kann. Menschen mögen Muster, sie suchen danach, oft ganz unbewusst. Fachmessen liegen hier klar im Vorteil: Der Name ist Programm. Soll nicht heißen, nur noch Frühling auf der afa. Soll bedeuten: Bitte aus dem Winterschlaf erwachen. Ein Thema ist nämlich nur so gut wie seine Umsetzung.

Stichwort: Digitalisierung. Leicht mag es nicht von der Zunge gehen, aber sprechen Sie es trotzdem einmal laut aus. Sie werden sehen: Sie lächeln. Da kann es nur halb so schlimm sein. Bonuspunkt: Es folgt demselben Motto wie die afa, es ist vielfältig einsetzbar. Statt die Fortschritte nur auf der Interlift oder der GrindTec zu beobachten, wäre es an der Zeit, sie zu nutzen: Mehr Online-Präsenz, ein Digital-Magazin, eine App, ein virtueller Rundgang oder ein digitaler, interaktiver Lageplan am Eingang. Das betrifft auch die Themen. Was die Leute interessiert, ist nicht der neuste Gurkenhobel. Digitalsierung nutzen, Digitalisierung präsentieren, Digitalisierung leben – das spricht auch eine neue, jüngere und breitere Zielgruppe an.

Diese darf aber nicht vor verschlossenen Türen stehen. Wer bis 18 Uhr öffnet und ab 17 Uhr keinen mehr rein lässt, schließt fünf Tage lang die breite Masse aus. Wer nimmt sich denn extra frei oder wird vom Arbeitgeber geschickt, wie bei einer Fachveranstaltung? Ein zahlkräftiges Publikum fällt weg und isst zudem woanders zu Abend.

Die Augsburger Frühjahrsausstellung mag 2018 verdorrt sein. Das heißt nicht, dass 2019 es ihr gleichtut. Die Marke afa ist etabliert, hat Gewicht. Doch sie muss reifen und wachsen. Eine Traditionsmesse wie diese verdient es, neu gedacht zu werden. 74.400 Besucher sind eine gute Basis für einen Relaunch.

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afa 2018: Wo Gurken gehobelt werden, fehlen Besucher

Symbolbild. Auf der afa. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Eine Messe wird als wiederkehrende Marketing-Veranstaltung definiert. Eine Dauerwerbesendung zum Durchlaufen also. Mehr Nähe geht nicht. Wollen wir das nicht alle: Mehr erleben? Wirbt die Augsburger Publikumsmesse schlechthin nicht gerade mit: „Erlebe die Vielfalt“? Doch der Blick auf die Besucherzahlen lässt das Herz nicht höher schlagen.

Der Puls ist fast so schwach, dass alles was flattert, die Nerven sind. Besonders die des Veranstalters. Dort kaschiert man die Zahlen nicht mal, spricht von einer Überraschung. Das einzig Überraschende ist, dass es nicht schon früher zu einem solchen Einbruch kam. Zwischen 90.000 und 100.000 Gäste sollen es eigentlich sein. Doch die Frühjahrsausstellung kämpft seit Jahren mit rückläufigen und schwankenden Zahlen. 2018 dann das Tief: nochmal 13.000 Gäste weniger als im Vorjahr, fast 24.000 weniger als vor fünf Jahren. Warum?

Jede Messe braucht ein Thema. Sie kaufen kein Buch ohne Titel, sehen keinen Film ohne Handlung und hören kein Lied ohne Rhythmus. Es gab sie mal – die Länderthemen. Diese wurde eingetauscht durch Vielfalt. Das ist kein Motto. Statt „afa – alles für alle“ gab es „nfn – nichts für niemanden“. Es ist wie die Antwort „Mir egal“ auf „Was willst du essen?“: Kann nur schief gehen. Es fehlte der rote Faden, an dem man sich orientieren kann. Menschen mögen Muster, sie suchen danach, oft ganz unbewusst. Fachmessen liegen hier klar im Vorteil: Der Name ist Programm. Soll nicht heißen, nur noch Frühling auf der afa. Soll bedeuten: Bitte aus dem Winterschlaf erwachen. Ein Thema ist nämlich nur so gut wie seine Umsetzung.

Stichwort: Digitalisierung. Leicht mag es nicht von der Zunge gehen, aber sprechen Sie es trotzdem einmal laut aus. Sie werden sehen: Sie lächeln. Da kann es nur halb so schlimm sein. Bonuspunkt: Es folgt demselben Motto wie die afa, es ist vielfältig einsetzbar. Statt die Fortschritte nur auf der Interlift oder der GrindTec zu beobachten, wäre es an der Zeit, sie zu nutzen: Mehr Online-Präsenz, ein Digital-Magazin, eine App, ein virtueller Rundgang oder ein digitaler, interaktiver Lageplan am Eingang. Das betrifft auch die Themen. Was die Leute interessiert, ist nicht der neuste Gurkenhobel. Digitalsierung nutzen, Digitalisierung präsentieren, Digitalisierung leben – das spricht auch eine neue, jüngere und breitere Zielgruppe an.

Diese darf aber nicht vor verschlossenen Türen stehen. Wer bis 18 Uhr öffnet und ab 17 Uhr keinen mehr rein lässt, schließt fünf Tage lang die breite Masse aus. Wer nimmt sich denn extra frei oder wird vom Arbeitgeber geschickt, wie bei einer Fachveranstaltung? Ein zahlkräftiges Publikum fällt weg und isst zudem woanders zu Abend.

Die Augsburger Frühjahrsausstellung mag 2018 verdorrt sein. Das heißt nicht, dass 2019 es ihr gleichtut. Die Marke afa ist etabliert, hat Gewicht. Doch sie muss reifen und wachsen. Eine Traditionsmesse wie diese verdient es, neu gedacht zu werden. 74.400 Besucher sind eine gute Basis für einen Relaunch.

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