B4B Schwaben

Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.

 / 
B4B Nachrichten  / 
Augsburg  / 
A³ Wirtschaftsidalog: Fachkräftesicherung bei ams Osram
Netzwerkevent

A³ Wirtschaftsidalog: Fachkräftesicherung bei ams Osram

Ingo Hild, Werks- und Betriebsleiter bei asm Osram in Schwabmünchen. Foto: B4B/ Lisa Graf
Ingo Hild, Werks- und Betriebsleiter bei asm Osram in Schwabmünchen. Foto: B4B/ Lisa Graf

Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden in Transformationsprozessen mitnehmen und ihre Fachkräfte halten? Darum ging es beim A³ Wirtschaftsidalog bei ams Osram in Schwabmünchen.

Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist für die Unternehmen in der Region derzeit nicht das drängendste Problem. Das zeigt etwa der IHK-Konjunkturindex: Bewerteten vor zwei Jahren noch knapp 50 Prozent der Unternehmen in Bayerisch-Schwaben den Arbeits- und Fachkräftemangel als Risiko, sind es aktuell 34 Prozent. Doch immer wieder warnen Experten davor, den Arbeits- und Fachkräftemangel zu unterschätzen. Das Thema trete im Vergleich zu Risiken wie Energiepreise und Bürokratie zwar in den Hintergrund, sei aber nicht gelöst. Vor allem mit Blick auf die sogenannte Boomer-Generation, die mehr und mehr in Rente geht.

Beim A³ Wirtschaftsdialog der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH wurde diesmal gezeigt, was asm Osram in Schwabmünchen unternommen hat, um seine Fachkräfte zu sichern.

Ende des Glühbirnen-Geschäfts

„Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, die muss man sich erarbeiten und Talente selbst ausbilden“, sagt Ingo Hild, Werks- und Betriebsleiter bei ams Osram in Schwabmünchen. Vor allem in Zeiten, in denen sich vieles und schnell ändert und Unternehmen Fachkräfte benötigen, die sich anpassen können.

Und die waren bei Osram in den vergangenen Jahren grundlegend. Hundert Jahre lang hat Osram mittels Massenfertigung Glühbirnen produziert. Der Vertrieb war auf den direkten Endkundenverkauf über Baumärkte beschränkt. Doch dieses Geschäft ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr weggebrochen. „Heute haben wir kurzlebige Projekte. Der Kunde will etwas und wir passen uns an. Das ist ein neues Mindset: weg von der Massenfertigung hin zum Projektgeschäft“, erklärt Hild. Fast monatlich haben sich am Standort einen neuen Leuchtstoff entwickelt. Hinzu kam, dass mehr als 25 Prozent der Belegschaft auf den Ruhestand zu gingen und deren Wissen für das Unternehmen verloren geht.

Lesen Sie auch: „Wir sind eine Person“: So reagieren Unternehmen auf Fachkräftemangel

Tandems aus Jung und Alt

Für Hild ist es essentiell, Mitarbeitende in diesen Transformationsprozessen mitzunehmen und dem Einzelnen eine Brücke zu bauen. Dafür hat Hild auf Future Skills gesetzt: eine positive Fehlerkultur, Wertschätzung, weniger 100-prozentige Lösungen sowie Weiterbildung und lebenslanges Lernen. „Mitarbeitende sind auch bis zum letzten Tag vor der Rente wertvoll“, sagt Hild.

So hat er bei Osram Tandems aus älteren Mitarbeitenden und Auszubildenden, die sich gegenseitig unterstützen: Die Älteren geben ihre Erfahrungen weiter, die Jüngeren ihre digitalen Fähigkeiten. Für die langfristige Entwicklung setzte Hild zudem auf Mentoring und Coaching.

Inzwischen sind die Mitarbeitenden in der Fertigung laut Hild höchst flexibel einsetzbar. Mehr als 12 Prozent der Mitarbeitenden wurden von Maschinenbedienern zu Fachkräften weiterentwickelt.

Im Metallbereich bei asm Osram werden Stäbe aus Wolfram und Molybdän in fast zweitausend Grad heißem Feuer gehärtet. Aus den Stäben entstehen am Ende die hauchdünnen Drähte, die in Leuchtmaterial zum Einsatz kommen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Im Metallbereich bei asm Osram werden Stäbe aus Wolfram und Molybdän in fast zweitausend Grad heißem Feuer gehärtet. Aus den Stäben entstehen am Ende die hauchdünnen Drähte, die in Leuchtmaterial zum Einsatz kommen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

KI in der Produktion

Damit alle Mitarbeitenden informiert und in die Prozesse eingebunden sind, wurde in den einzelnen Bereichen das Shopfloor-Prinzip eingeführt. Täglich treffen sich die Mitarbeitenden und ihr Manager zu Schichtbeginn an einer Tafel. Dort wird über die Themen Sicherheit, Qualität, Kosten, Termine und Personal gesprochen und der aktuelle Stand in eine Tafel eingetragen. „So ist jeder gefragt und jeder kann sich einbringen“, sagt Hild.

Auch wurde bei Osram KI in der Produktion eingeführt. Dokumente zu Prozessen und Produkten wurden digitalisiert und den Mitarbeitenden über einen KI‑Chatbot zugänglich gemacht. Zudem wurde in der Infrastruktur ein digitaler Zwilling erstellt, über den Osram alle Produkte rückverfolgen kann. Dadurch kann laut Hild zum einen die Produktqualität verbessert werden und das Unternehmen kann schneller auf Veränderungen am Markt und die Bedürfnisse der Kunden reagieren.

Fachkräfteentwicklung rettet Osram-Werk

Hild sieht in diesen Schritten auch den Grund, warum Teile des Osram-Werks in Schwabmünchen nun doch eine Zukunft haben: Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass die österreichische ams-Osram AG ihr Werk in Schwabmünchen bis 31. Dezember 2027 schließt. Doch vor wenigen Wochen kam dann die überraschende Nachricht, dass für den Metallbereich des Unternehmens nun doch ein Käufer gefunden wurde: der US-Konzern Elmet. Dadurch soll voraussichtlich eine dreistellige Anzahl der rund 250 Arbeitsplätze in Schwabmünchen erhalten bleiben. „Die Amerikaner haben den Bereich wegen der Menschen gekauft, die mit Begeisterung an ihren Produkten arbeiten“, sagte Hild.

Die LED-Leuchtstoff-Produktion wird jedoch nach wie vor bis Ende nächsten Jahres in das Werk in Regensburg verlagert. Rund 60 der Mitarbeitenden sollen ein Angebot für eine Stelle in Regensburg erhalten.

„Ein Investor ist kein Garant für immer und ewig“, sagt Hild. „Aber wir haben eine enorme Hürde genommen.“

Artikel zum gleichen Thema