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Vor kurzem hatte eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz für Aufsehen gesorgt: Demnach werde eine 80-Prozent-Zielmarke für die Rückkehr von in Deutschland lebenden Syrern angestrebt. Nur einen Tag später relativierte der Kanzler seine Worte. „Die Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren hat der syrische Präsident [Ahmed al-Scharaa] genannt. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst“, teilte Merz mit.
Die Debatte wirft eine zentrale Frage auf: Welche Folgen hätten solche Rückführungspläne für den Arbeitsmarkt – auch in der Region Augsburg?
Im Gebiet der Agentur für Arbeit Augsburg waren zuletzt 1.560 syrische Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Stand: September 2025). Fünf Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 1.157. Das entspricht einem Anstieg um 403 Personen oder 34,8 Prozent.
Trotz dieser Entwicklung bleibt ihr Anteil am gesamten Arbeitsmarkt überschaubar. Von insgesamt 278.367 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten machen syrische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer rund 0,6 Prozent aus.
Syrische Beschäftigte arbeiten in Augsburg vor allem in Bereichen, in denen Unternehmen häufig Personal suchen. Besonders stark vertreten sind sie im Handel, im verarbeitenden Gewerbe sowie in Verkehr und Lagerei. Auch im Gesundheitswesen sind sie tätig. Ein großer Teil arbeitet als Helfer, gleichzeitig ist aber auch eine erhebliche Zahl als Fachkräfte beschäftigt.
Eine besondere Abhängigkeit einzelner Branchen von syrischen Arbeitskräften sieht die Agentur für Arbeit nicht. Dennoch ordnet sie deren Bedeutung grundsätzlich ein: Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei „jede Arbeitskraft, egal woher sie stammt, gleich wichtig“, sagt Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg.
Dass die Beschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, wertet die Arbeitsagentur als Zeichen dafür, dass Integration in den Arbeitsmarkt funktioniert. Entscheidend seien dabei vor allem Sprachkenntnisse und ein möglichst schnelle Integration in den Arbeitsmarkt. Gerade am Arbeitsplatz verbesserten sich die Sprachkenntnisse oft schneller als im reinen Unterricht. Gleichzeitig bleiben strukturelle Probleme bestehen. So kann sich die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen als langwierig erweisen, auch weil mehrere Stellen daran beteiligt sind.
Während die Arbeitsagentur die Lage vor Ort eher nüchtern beschreibt, fällt die Bewertung aus arbeitsmarktökonomischer Sicht deutlich klarer aus. Der Arbeitsmarktforscher Dr. Gerd Zika vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält entsprechende Rückführungspläne für problematisch. Solche Maßnahmen wären „sehr negativ für den Arbeitsmarkt“, sagt er – vor allem dann, wenn die betroffenen Personen bereits in Deutschland ausgebildet und integriert seien.
Auch grundsätzlich sieht Zika solche politischen Signale kritisch. Mit Blick auf die demografische Entwicklung sei diese Politik „nicht hilfreich“ und insgesamt „kontraproduktiv“.
Der Hintergrund dieser Einschätzung liegt in der langfristigen Entwicklung des Arbeitsmarktes. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich sinken. „Die Wanderung ist entscheidend“, betont Zika.
Nach Berechnungen des IAB gehen bis 2029 rund 5,26 Millionen Menschen in den Ruhestand, während nur etwa 4,37 Millionen nachrücken. Selbst wenn gleichzeitig Stellen wegfallen, bleibt eine Lücke von rund 440.000 Arbeits- und Fachkräften. Zusätzlich schrumpft die Bevölkerung im Erwerbsalter jedes Jahr um etwa 400.000 Menschen.
Neben den direkten Effekten auf den Arbeitsmarkt sieht Zika auch Folgen für die internationale Wahrnehmung Deutschlands. Aussagen über groß angelegte Rückführungen seien „kontraproduktiv“ und könnten es erschweren, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Deutschland vermittle damit ein negatives Signal und müsse mehr Aufwand betreiben, um qualifizierte Arbeitskräfte von einem Zuzug zu überzeugen.
Für den Arbeitsmarkt in Augsburg allein würde ein Rückgang syrischer Beschäftigter kurzfristig wohl keine grundlegende Krise auslösen. Dafür ist ihr Anteil zu gering.
Langfristig jedoch zeigt sich auch hier dasselbe Muster wie im gesamten Bundesgebiet: Die Bedeutung von Zuwanderung nimmt zu. Gerade angesichts des demografischen Wandels wird der Arbeitsmarkt darauf angewiesen sein, dass ausreichend Menschen nachkommen.