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Die Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz (ARGE) baut ein KI-gestütztes Echtzeit-Frühwarnsystem für die Region an Paar und Ilm auf. Bayerns Digitalminister Fabian Mehring übergab dafür in Dasing im Landkreis Aichach-Friedberg einen weiteren Förderbescheid über 1,58 Millionen Euro. Bereits im Januar hatte das Digitalministerium eine Förderung von rund 500.000 Euro bewilligt. Insgesamt fließen damit rund zwei Millionen Euro in das digitale Schutzsystem.
„Zu viel Wasser oder zu wenig Wasser – aufgrund des Klimawandels stellen beide Extreme die Kommunen in Bayern vor immer größere Herausforderungen“, so Mehring. Zwar zeigen sich aktuell die Auswirkungen von Trockenheit und fehlender Bodenfeuchtigkeit, jedoch kann die Witterung schnell umschlagen und lebensbedrohlich werden. „Umso wichtiger sind smarte Lösungen, die beide Extreme berücksichtigen, um die Menschen und ihr Hab und Gut bestmöglich zu schützen“, erklärt Mehring weiter. Er stellte digitale Lösungsansätze bereits in anderen Landkreisen in Bayerisch-Schwaben vor.
Im Zentrum des Projekts steht ein Frühwarn- und Prognosesystem. Es soll vor Hochwasser, Starkregen und Trockenheit warnen. Dafür werden an mehr als 150 Messstationen Niederschlag, Wasserstände und Bodenfeuchte in Echtzeit erfasst. Die Daten werden automatisch online übertragen. So soll das System nicht nur die Niederschlagsmenge erfassen. Auch die Aufnahmefähigkeit der Böden und der mögliche Abfluss in Bäche und Flüsse werden berücksichtigt.
Die Daten werden mit Künstlicher Intelligenz und einer digitalen Abbildung des Projektgebiets verglichen. Anschließend werden sie aufbereitet und verbildlicht. Kommunen, Feuerwehren und Katastrophenschutzbehörden sollen dadurch ein verständliches Lagebild erhalten.
Mit dem System sollen die Vorwarnzeiten bei Extremwetter deutlich verlängert werden. Das erklärt auch Prof. Dr. Tobias Liepert, Fachexperte im Kernteam der ARGE. „Durch das Zusammenspiel von mehr als 150 Online-Messstationen, KI-gestützten Prognosen und dem Digitalen Zwilling wollen wir bei Starkregen Vorwarnzeiten von bis zu einer Stunde und bei Hochwasser von bis zu 24 Stunden erreichen“, sagt Liepert.
Auch Trockenheitsrisiken sollen frühzeitig erkannt werden. Dafür werden die Bodenfeuchtedaten genutzt. Die Datenbasis soll von insgesamt 28 Kommunen gemeinsam genutzt werden.
Die zusätzliche Förderung ermöglicht den Ausbau des geplanten Sensornetzes. Zudem sollen das Prognosemodell und der digitale Zwilling weiterentwickelt werden. Dadurch sollen die Vorwarnzeiten steigen und Einsatzkräfte bei Entscheidungen im Krisenfall unterstützt werden.
Die gewonnenen Daten sollen außerdem interkommunal verfügbar sein. Sie werden für einen gebietsübergreifenden Hochwasserschutz genutzt und im Open Data Portal Bayern veröffentlicht. Mit dem Aufbau und Betrieb des Frühwarnsystems wurde eine Bietergemeinschaft aus Okeanos Smart Data Solutions aus Bochum, Seba Hydrometrie auf Kaufbeuren und Riwa aus Kempten beauftragt. Sie setzte sich in einer europaweiten Ausschreibung durch.
Die Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz entstand als Reaktion auf das Extremhochwasser im Juni 2024. Im Jahr 2025 wurde sie als Verein gegründet. Heute gehören 28 Kommunen aus vier Landkreisen zur ARGE. Die Kommunen arbeiten über Bezirksgrenzen hinweg zusammen. Im Mittelpunkt stehen Vorsorge und Schutz vor Hochwasser, Starkregen und Trockenheit.