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Eröffnung TTZ in Aichach: So kann Bauen schneller und günstiger werden
Baubranche

Eröffnung TTZ in Aichach: So kann Bauen schneller und günstiger werden

Diese Roboter im TTZ Aichach fertigen Betonteile. Der rechte druckt Beton, der linke legt die Baustruktur. So entstehen etwa Treppen und Wände, die wenige Stunden später auf der Baustelle eingebaut werden können. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Diese Roboter im TTZ Aichach fertigen Betonteile. Der rechte druckt Beton, der linke legt die Baustruktur. So entstehen etwa Treppen und Wände, die wenige Stunden später auf der Baustelle eingebaut werden können. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Die Technische Hochschule Augsburg hat in Aichach ihr neues Technologietransferzentrum eröffnet. Gemeinsam mit Unternehmen wird dort geforscht, wie Bauen effizienter wird.

Wie kann Bauen günstiger, schneller und nachhaltiger werden? Daran forschen künftig im Aichacher Gewerbepark Studierende der Technischen Hochschule Augsburg (THA) und Unternehmen aus der Region. Denn dort hat die THA ein neues Technologietransferzentrum (TTZ) eröffnet, spezialisiert auf digitales Planen und Fertigen im Bauwesen. Bauunternehmen und Handwerksbetriebe können sich an das TTZ wenden, um innovative Lösungen und passgenaue Weiterbildungen für ihre Anforderungen zu bekommen.

„Die Hochschule und die Wirtschaft werden im TTZ gemeinsam an den Problemen arbeiten, die für die reale Welt Relevanz haben“, sagte Markus Blume, Bayerns Wissenschaftsminister, bei der Eröffnung. Das TTZ in Aichach diene als Think-Tank, wovon der Freistaat profitieren werde.

Carbon-Stränge versus Stahlträger

Denn das Potenzial in der Bauindustrie, Kosten und Ressourcen zu sparen ist groß. Blume sprach bei der Eröffnung gar von dem „am meisten unterschätzten Thema“. Diese These stützt auch Prof. Dr.-Ing. Sergej Rempel von der THA. Er ist am TTZ wissenschaftlicher Leiter für den Bereich Massivbau. „Die Bauindustrie ist der maßgebliche Faktor für Veränderungen. So wie bisher können wir nicht weiterbauen“, sagt Rempel. Denn die Bauindustrie verbraucht mehr als 50 Prozent der Rohstoffe und ist für 40 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes verantwortlich.

Irgendwann war der Druck zu groß: Der Carbon-Faserstrang ist gerissen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Irgendwann war der Druck zu groß: Der Carbon-Faserstrang ist gerissen. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

Am neuen TTZ wird deshalb zum Beispiel getestet, wie viel Druck Carbon-Stränge aushalten. Die Faserstränge werden eingespannt und zur Demonstration bei der Eröffnung mit 12 Kilonewton belastet. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Wirkung in Betonbauteilen ziehen. Denn die Carbon-Stränge können Stahlträger im Beton ersetzen. Das hat zwei Vorteile: Erstens rostet Carbon im Gegensatz zu Stahl nicht – ein Problem, weswegen viele Brücken in Deutschland sanierungsbedürftig sind. Zweitens wird weniger Beton gebraucht: Denn die Stränge benötigen weniger Platz als Stahlträger und Betonteile können flacher werden.

Ein Haus an einem Vormittag

Auch an Automatisierung und Digitalisierung im Holzbau forscht das TTZ. Zum Beispiel an einer Holzabbund-Anlage, gemeinsam mit der Hans Hundegger AG aus Memmingen. Über ein Förderband fährt das Rohholz in die Anlage. Roboter bearbeiten das Bauteil gleichzeitig von allen Seiten. Zudem fräst er auch gleich die Verbindungsstellen ein. Das spart später beim Aufbau Zeit und reduziert Fehler. „Dadurch können wir hochpräzise und schnell produzieren und am Ende auch schneller bauen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Christopher Nobeller, wissenschaftlicher Leiter am TTZ und Experte für Digitale Planung und Produktion. „Diese Maschine kann an einem Vormittag alle Bauteile für ein Haus fertigen.“

Die Parkarena in Furth im Wald. Foto: Projektteam Park Arena Furth
Die Parkarena in Furth im Wald. Foto: Projektteam Park Arena Furth

Für die Landesgartenschau 2025 in Furth im Wald hat die THA die Anlage bereits eingesetzt. Für die „Parkarena Furth“ hat die THA eine Software entwickelt, die tausende unterschiedliche Holzelemente vollautomatisch zu einer Open-Air-Arena zusammenfügt. Entstanden ist ein 40 auf 14 Meter großes Freilufttheater mit freitragendem Dach und komplett aus Holz. Innerhalb von drei Wochen stand das Theater, das Platz für 450 Personen bietet.

„Zukunft durch Zusammenarbeit“

Neben den technischen Fragen, an denen geforscht wird, stellt sich für Nobeller auch die Frage, wie die Mitarbeitenden in den Betrieben die Anlagen betreiben können. Es brauche eine Anpassung von den Ausbildungsberufen oder neue Berufe. Die bisherigen Karrieren seien oft zu steif. „Um das zu ändern, ist ein TTZ genau der Ort, um die Leute zusammenzubringen“, sagt Nobeller. „Wir freuen uns über jeden Handwerksbetrieb, der etwas Neues ausprobieren will oder eine Idee hat.“

Von links: Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann, Frank Danzinger (Vizepräsident Technologie und Forschung, THA), Wissenschaftsminister Markus Blume, Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko und Christopher Nobeller, wissenschaftlicher Leiter am TTZ. Das Holzstück hat die Holzabbund-Maschine gefertigt. Foto: B4B/ Katharina Seeburger
Von links: Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann, Frank Danzinger (Vizepräsident Technologie und Forschung, THA), Wissenschaftsminister Markus Blume, Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko und Christopher Nobeller, wissenschaftlicher Leiter am TTZ. Das Holzstück hat die Holzabbund-Maschine gefertigt. Foto: B4B/ Katharina Seeburger

„Im TTZ Aichach entsteht Zukunft durch Zusammenarbeit“, sagt Prof. Dr. Frank Danzinger, Vizepräsident für Technologie und Forschung der THA. „In enger Partnerschaft mit regionalen Unternehmen, Innungen, Kammern, Kommunen und Forschungseinrichtungen arbeiten wir an konkreten Lösungen für die aktuellen und zukünftigen Bedarfe der Branche.“

Gefördert wurde das TTZ vom Freistaat Bayern im Rahmen der Hightech Agenda Bayern. Die THA hat fünf TTZ an Außenstandorten: Aichach, Donauwörth, Gersthofen, Nördlingen und Landsberg am Lech.

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