B4B Schwaben

Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.

B4B Schwaben
 / 
Themen  / 
Zwischen Rezession und Risiko: Warum Prüfer immer öfter das Testat verweigern
Martin Stetskamp, drei6null Zirch & Partner mbB

Zwischen Rezession und Risiko: Warum Prüfer immer öfter das Testat verweigern

Martin Stetskamp, Wirtschaftsprüfer / Steuerberater bei drei6null. Foto: drei6null
Martin Stetskamp, Wirtschaftsprüfer / Steuerberater bei drei6null. Foto: drei6null

Viele Mittelständler stellen sich aktuell die Frage, was ein verweigertes Testat im Jahresabschluss bedeutet – gerade vor dem Hintergrund stagnierender Konjunktur und hoher wirtschaftlicher Unsicherheit. B4B-Experte Martin Stetskamp klärt auf.

Ein „versagtes Testat“ ist definitionsgemäß ein negatives Prüfungsurteil: Der Wirtschaftsprüfer hat so gravierende Mängel in der Ordnungsmäßigkeit von Buchführung oder Abschluss gefunden, dass er keine positive Gesamtbewertung abgeben kann.

Wichtig ist: Dieses Urteil bezieht sich nur auf die formelle Richtigkeit des Abschlusses, nicht auf die wirtschaftliche Substanz. Eine Testatversagung sagt demnach nichts über die Zukunftsfähigkeit oder Rentabilität eines Unternehmens aus. Selbst ein uneingeschränktes Testat bietet dafür keine Garantie: Es gibt höchstens ein Indiz dafür, dass die Zahlen nach den gesetzlichen Vorschriften erstellt wurden. Kurz gesagt: Ein bestandskräftiger Testatvermerk ist Vertrauensbeweis für die Rechnungslegung, aber kein Qualitätssiegel für Geschäftsmodell oder Wachstumspotenzial.

Wirtschaftliche Lage und Fortführungsprognose im Fokus

Die aktuelle Konjunkturabschwächung stellt für Abschlussprüfer und Unternehmensleitungen eine besondere Herausforderung dar. Studien zufolge steckt der deutsche Mittelstand seit über zwei Jahren in einer Rezession; echte Wachstumsimpulse sind nicht in Sicht. Das spiegelt sich auch in den Insolvenzzahlen wider: Nach Angaben des IfM sind die Unternehmensinsolvenzanträge im ersten Halbjahr 2025 um rund 12,5 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Hinzu kommt, dass viele Mittelständler ihre Eigenkapitalquote abgebaut haben – der Anteil aller Betriebe mit weniger als 10 % Eigenkapital ist mit 30,8 % auf den höchsten Stand seit neun Jahren gestiegen. Diese Faktoren erhöhen das Risiko, dass Unternehmen ihren Fortführungsgrundsatz stets kritisch beurteilen müssen. In der Praxis heißt das: Liegen ernsthafte Hinweise auf eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vor, kann eine Fortführungsprognose ins Wanken geraten. Beides bedeutet für den Prüfer: Wenn die Geschäftsführung trotzdem noch von der Unternehmensfortführung ausgeht, muss er das kritisch hinterfragen.

Gründe für ein versagtes Testat

Ein Versagungsvermerk fällt nicht vom Himmel, sondern erfordert wesentliche Prüfungsbeanstandungen. Typische Ursachen sind beispielsweise:

  • Lückenhafte Buchführung: Wenn systematisch Transaktionen oder wesentliche Aufwendungen/Kosten fehlen (etwa unvollständige Belegerfassung), kann dies ein Versagungsgrund sein.
  • Fehlerhafte Bewertungsansätze: Stark falsche Bewertungen von Vermögenswerten oder das Verschweigen von Schulden verfälschen das Ergebnis massiv. Liegen solche Ungenauigkeiten in erheblichem Umfang vor, ist ebenfalls kein positives Prüfungsurteil möglich.
  • Unrealistische Fortführungsannahme: Eine häufige Fallkonstellation ist, dass der Abschluss noch nach den Fortführungsgrundsätzen erstellt wird, obwohl die finanzielle Situation des Unternehmens dies objektiv nicht mehr zulässt. Wenn also z. B. längst Sanierungsbedarf besteht oder ein Insolvenzantrag droht, prüft der Wirtschaftsprüfer besonders kritisch.

In all diesen Fällen muss der Prüfer die Gründe im Versagungsvermerk ausführlich begründen.

Folgen und Handlungsempfehlungen für den Mittelstand

Das Testatversagen führt in der Regel zu Vertrauensverlust bei Banken, Lieferanten und anderen Adressaten. Oft kündigt sich ein solcher Vertrauensbruch schon durch Restrukturierungsbedarf an. In der Konsequenz drohen im schlimmsten Fall auch straf- und insolvenzrechtliche Folgen für die Geschäftsführer. Mittelständische Unternehmen sollten deshalb umso stärker auf Transparenz und frühzeitiges Handeln setzen. Entscheidend ist, mögliche Prüfungsfragen schon vor der Prüfung zu antizipieren und anzugehen. Praktische Maßnahmen können etwa sein:

  • Frühzeitige Analyse: Sorgen Sie dafür, dass alle wesentlichen Zahlen und Verträge vollständig und aktuell vorliegen. Eine lückenlose Dokumentation hilft, Beanstandungen zu vermeiden.
  • Starkes Kontrollumfeld: Stärken Sie Ihr internes Kontrollsystem und Risikomanagement. Klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige interne Checks reduzieren Überraschungen bei der Prüfung.
  • Offene Kommunikation: Führen Sie kritische Gespräche frühzeitig mit Ihrem Wirtschaftsprüfer. Wenn Sie dem Prüfer frühzeitig schwierige Sachverhalte darlegen (z. B. Folgen einer Umsatzflaute), können sich Missverständnisse oft ausräumen, bevor es zum Prüfungsbericht kommt.
  • Fundierte Fortführungsprognose: Erarbeiten Sie realistische Szenarien für künftige Cashflows und planen Sie Gegenmaßnahmen (etwa Kostensenkungen oder Kapitalmaßnahmen) nach. Eine dokumentierte Sanierungsplanung zeigt dem Prüfer, dass Sie ernsthafte Fortbestehensbemühungen unternommen haben.

Diese Schritte helfen, die Ursachen für ein verweigertes Testat frühzeitig anzugehen oder im Fall eines negativen Prüfungsurteils die Situation zu stabilisieren. Schließlich gilt: In der aktuellen Wirtschaftslage ist ein versagtes Testat zwar ein ernst zu nehmendes Alarmsignal, aber kein endgültiges Urteil über die Zukunft eines Unternehmens. Mit umfassender Vorbereitung, Transparenz und konsequenter Risikoüberwachung lassen sich auch „schwierige“ Prüfungen meistern.


Sie haben Rückfragen an Martin Stetskamp, unseren Experten für das Thema Wirtschaftsprüfung, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

Artikel zum gleichen Thema