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Wie können Lieferketten wieder stabilisiert werden?
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Caspar von Hoensbroech und Dr. Heiko Frank, WTS

Wie können Lieferketten wieder stabilisiert werden?

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Unsere M&A-Experten im B4B BERATERPOOL: Caspar von Hoensbroech, Analyst, und Dr. Heiko Frank, Partner bei WTS. Foto: Jochen Rolfes/KCF
Von Dr. Heiko Frank

Lieferkettenprobleme sind eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaft. Welche Möglichkeiten es gibt, Lieferketten zu stabilisieren, wissen unsere M&A-Experten Caspar von Hoensbroech, Analyst, und Dr. Heiko Frank, von WTS.

„Obwohl es in unserem Unternehmen bislang kaum krankheitsbedingte Ausfälle wegen Corona gibt, haben wir Schwierigkeiten mit unseren Lieferanten. Gibt es eine geschickte Möglichkeit, Lieferketten zu stabilisieren?“


Unsere M&A-Experten Caspar von Hoensbroech, Analyst, und Dr. Heiko Frank, von WTS antworten:

Grenzschließungen im Jahr 2020 zur Eindämmung von COVID-19 haben die bereits angespannte Lage im globalen Warenhandel weiter verschärft. Neben dem protektionistischen Kurs der USA und dem Handelskonflikt mit China wurden sowohl die Freizügigkeit von Arbeitnehmern als auch der freie Warenverkehr als Errungenschaften der Europäischen Union erheblich eingeschränkt. Infolgedessen verzeichneten Deutschlands Exporte (-9,3%) und Importe (-8,6%) im Jahr 2020 erhebliche Rückgänge, welche im Jahr 2021 (+7,5% bzw. +7,5%) nicht vollständig wieder aufgeholt werden können. Die Wirtschaftsleistung bricht im Jahr 2020 (-4,6%) zum ersten Mal seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 ein und kann im Folgejahr 2021 (+2,3) nur teilweise wieder anschließen. Um für ein ähnliches Szenario in Zukunft besser vorbereitet zu sein, stellen sich viele Unternehmen die Frage, wie sie ihre internationalen Liefer- und Wertschöpfungsketten schützen und stabilisieren können.


Übersee-Transportlogistik wird zum Problem

Probleme in der Transportlogistik zwischen den USA, China und Europa stellen die größte Gefahr für den globalisierten Warenhandel dar. Die Überlastung von Frachthäfen führt zu erheblichen Störungen im Warenverkehr auf See. Im August 2021 warteten 68 Containerschiffe aufgrund einer pandemiebedingten Schließung des Hafens Ningbo, dem zweitgrößten Frachthafens Chinas, auf ihre Abfertigung. Im Oktober 2021 stauten sich 99 Frachter aufgrund fehlenden Personals zur Entladung vor den Häfen Los Angeles und Long Beach, den wichtigsten Häfen der USA. Die Anspannung im globalen Warenverkehr führt zu einem explosionsartigen Anstieg der Containerfrachtpreise: Kostete ein Container auf der Strecke Shanghai-Rotterdam noch USD 2.000 im Januar 2020, so waren es bereits USD 8.800 im Januar 2021 und schließlich USD 14.000 im Dezember 2021. Es ist davon auszugehen, dass Lieferverzögerungen und Kapazitätsengpässe auch im Jahr 2022 anhalten werden. Containerfrachtpreise könnten die USD 20.000-Marke ins Visier nehmen.


Verkürzte Lieferketten bringen Stabilität

Die Verkürzung von Lieferketten (globale Regionalisierung) kann eine effektive Strategie zur Bekämpfung von Lieferverzögerungen und Kapazitätsengpässen darstellen. Globale Regionalisierung, auch bekannt als Glokalisierung, beschreibt die steigende Relevanz lokaler Beschaffungsmärkte in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft. Gewinnmaximierung wird nicht mehr allein durch Kostenoptimierung, sondern durch eine Abwägung der Risikobereitschaft erzielt. Durch eine Verlagerung der Beschaffung ins Inland wird die Resilienz von Wertschöpfungsketten gestärkt und das Risiko einer Verzögerung oder eines Engpasses minimiert. Die zusätzlichen Kosten der heimischen Beschaffung sollten hierbei nicht der Ersparnis einer Beschaffung im Ausland, sondern den potenziellen Kosten eines Ausfalls gegenübergestellt werden.

Die Rückintegration der Wertschöpfungskette (Erhöhung der Wertschöpfungstiefe) ist ebenfalls eine geeignete Strategie, um Kapazitätsengpässe durch die Integration vor- und nachgelagerter Produktionsschritte zu begegnen. Anstelle des Bezugs vormontierter Baugruppen oder Halbfertigteile von Lieferanten aus Übersee können diese Teile bedarfsgerecht in eigenen Produktionsstandorten hergestellt werden. Neben Verzögerungen und Engpässen können auch ESG-relevante Themen, wie den Emissionen oder dem Ressourcenverbrauch der Produktion, durch eine überwachte Wertschöpfungskette effektiver begegnet werden. Durch die Abdeckung einer höheren Wertschöpfungstiefe können zudem Kostensynergien in der Wertschöpfung gehoben werden.


Glokalisierung statt Globalisierung

Die Resilienz von Liefer- und Wertschöpfungsketten gegenüber der globalen Handelspolitik, Naturkatastrophen oder auch Pandemien kann durch verschiedene Maßnahmen gestärkt werden. M&A bietet diverse Möglichkeiten, die Glokalisierung der Produktion und Beschaffung sowie die Erhöhung der Wertschöpfungstiefe umzusetzen. So ist eine Übernahmewelle in der Automobilzuliefererindustrie seit dem Jahr 2021 zu beobachten. Der deutsche Automobilzulieferer Hella, einem Anbieter von Lichttechnik und elektronischen Systemen, wurde im Januar 2022 durch den französischen Wettbewerber Faurecia, einem Spezialisten für Kraftfahrzeugausstattung, übernommen. Die Übernahme erlaubt Faurecia das Cockpit der Zukunft aus einer Hand anbieten und somit Umsatz- und Kostensynergien heben zu können. Durch den Zusammenschluss mit Lieferanten und Systempartnern kann ein Unternehmen seine Marktposition gegenüber dem Wettbewerb stärken und sein Risikopotential in globalen Unwägbarkeiten minimieren.


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