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Die Unternehmensnachfolge wird für den Mittelstand immer dringlicher. Viele Inhaberinnen und Inhaber der geburtenstarken Jahrgänge ziehen sich in den kommenden Jahren aus der Geschäftsführung zurück. Gleichzeitig wird der Kreis geeigneter Nachfolgerinnen und Nachfolger kleiner.
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn rechnet bundesweit im Zeitraum von 2026 bis 2030 mit rund 186.000 Unternehmensübergaben. Für Bayern prognostiziert das Institut rund 34.500 Übergaben. Eine belastbare amtliche Zahl speziell für Bayerisch-Schwaben gibt es nicht. Klar ist aber: Auch in der Region stehen zahlreiche Betriebe vor einer entscheidenden Weichenstellung.
Dabei sind die Rahmenbedingungen anspruchsvoller geworden. Höhere Zinsen verteuern Finanzierungen, Fachkräfte und erfahrene Führungspersönlichkeiten sind knapp, und Käufer prüfen Unternehmen heute genauer als noch vor einigen Jahren. Wer seine Nachfolge frühzeitig vorbereitet, hat deshalb deutlich mehr Möglichkeiten.
Die Übergabe an ein Familienmitglied bleibt der Wunschweg vieler Mittelständler. Laut KfW-Nachfolge-Monitoring 2022 bevorzugte mehr als die Hälfte der Befragten mit konkreten Nachfolgeplänen eine familieninterne Lösung. Damit dieser Weg funktioniert, braucht es neben der fachlichen Eignung vor allem klare Regelungen zu Eigentum, Stimmrechten und Rollen innerhalb der Familie.
Beispiel aus der Region: Die GROB-WERKE GmbH & Co. KG in Mindelheim stehen für die langfristige Prägung eines international tätigen Unternehmens durch die Eigentümerfamilie. Das 1926 gegründete Unternehmen ist bis heute familiengeführt und beschäftigt weltweit mehrere Tausend Mitarbeitende.
Bei einem Management-Buy-out, kurz MBO, übernimmt das bestehende Führungsteam ganz oder teilweise die Unternehmensanteile. Der Vorteil: Die Nachfolger kennen Kunden, Mitarbeitende, Prozesse und Markt bereits genau. Der Übergang ist für die Belegschaft häufig leichter nachzuvollziehen als ein Verkauf an externe Käufer. Finanziert werden MBOs oft über einen Mix aus Eigenkapital, Bankdarlehen, Fördermitteln und Verkäuferdarlehen.
Nicht jede interne Nachfolge ist ein MBO im engeren Sinn. Häufig wechseln Anteile innerhalb des bestehenden Gesellschafterkreises oder langjährige Führungskräfte übernehmen schrittweise operative Verantwortung.
Beispiel aus der Region: Bei der GEDA GmbH in Asbach-Bäumenheim übernahm Johann Sailer im Jahr 2017 die Geschäftsanteile von Gerhard und Harald Dechentreiter, den Enkeln des Unternehmensgründers Georg Dechentreiter. Damit wurde die Eigentümernachfolge geregelt und die Kontinuität des Unternehmens gesichert.
Beim Management-Buy-in, kurz MBI, übernimmt eine externe Führungskraft ein Unternehmen. Dieses Modell ist besonders dann interessant, wenn es weder in der Familie noch im eigenen Management eine passende Nachfolge gibt.
Neue Eigentümer können frische Branchenerfahrung, Kontakte und Ideen einbringen. Gleichzeitig entscheidet die persönliche Passung: Wer ein mittelständisches Unternehmen übernimmt, muss nicht nur die Zahlen verstehen, sondern auch Kunden, Mitarbeitende und Unternehmenskultur für sich gewinnen.
Strategische Investoren übernehmen Unternehmen häufig, um ihr eigenes Geschäft auszubauen – etwa durch neue Technologien, Kunden, Produkte oder Standorte. Für den Verkäufer kann das Zugang zu Kapital und neuen Märkten schaffen.
Wichtig ist, die Perspektive nach der Übernahme frühzeitig zu klären: Bleiben Standort, Marke und Arbeitsplätze erhalten? Welche Aufgaben übernimmt die bisherige Geschäftsführung während der Übergangszeit?
Beispiel aus Bayern: Die TBS Brandschutzanlagen GmbH aus Altomünster wurde 2021 an die Fire Holding verkauft. Mit dem Verkauf sollte die Nachfolge des Familienunternehmens gesichert werden. Heute gehört TBS zur Brandschutzgruppe Firian.
Family Offices verwalten das Vermögen vermögender Unternehmerfamilien und investieren teilweise langfristig in mittelständische Unternehmen. Sie unterscheiden sich von klassischen Finanzinvestoren häufig durch einen längeren Planungshorizont. Für Unternehmer können sie interessant sein, wenn neben Kapital auch eine langfristig orientierte Eigentümerstruktur gesucht wird. Als öffentlich sichtbare Nachfolgelösung sind solche Fälle in Bayerisch-Schwaben bislang allerdings selten.
Private-Equity-Gesellschaften beteiligen sich an Unternehmen, um Wachstum, Internationalisierung oder Professionalisierung zu finanzieren. Häufig bleibt die bisherige Eigentümerin oder der bisherige Eigentümer zunächst mit einem kleineren Anteil beteiligt und begleitet den Übergang. Entscheidend sind klare Vereinbarungen: Welche Rolle spielt der bisherige Inhaber künftig? Welche Wachstumsziele gibt es? Und wie bleiben Unternehmenskultur sowie Entscheidungsfähigkeit erhalten?
In der Realität verbinden viele Nachfolgen mehrere Elemente. Ein langjähriger Mitarbeiter übernimmt die Geschäftsführung, ein Finanzpartner beteiligt sich, und der bisherige Eigentümer bleibt übergangsweise als Gesellschafter oder Berater eingebunden.
Beispiel aus der Region: Bei Dittrich + Co. in Schwabmünchen wurde die Nachfolge über Jahre vorbereitet. VR Equitypartner stieg 2020 als Minderheitsgesellschafter ein. Der langjährige Mitarbeiter Manfred März beteiligte sich ebenfalls und übernahm nach dem Rückzug von Armin Dittrich aus der Geschäftsführung im Jahr 2024 die operative Leitung. Das Beispiel verbindet interne Führungsnachfolge und Beteiligungskapital.
Bei einer Mitarbeiterbeteiligung werden nicht nur einzelne Führungskräfte, sondern größere Teile der Belegschaft am Unternehmen beteiligt. Das kann Bindung und Identifikation stärken und eine Nachfolge ergänzend absichern. Als vollständige Nachfolgelösung ist das Modell in Deutschland bislang selten. Häufig wird es mit einer familieninternen Übergabe, einem MBO oder einem Verkauf an externe Käufer kombiniert.
Bei einer Stiftungslösung wird ein Unternehmen ganz oder teilweise in eine Stiftung eingebracht. Ziel ist, Unabhängigkeit und langfristigen Fortbestand zu sichern. Im Gegenzug verzichten die bisherigen Eigentümer meist auf einen klassischen Verkaufserlös. Die Lösung ist rechtlich und steuerlich anspruchsvoll und eignet sich vor allem für Unternehmerfamilien, die den dauerhaften Erhalt des Unternehmens in den Mittelpunkt stellen. Ein öffentlich belegtes Beispiel für eine Unternehmensstiftung als Nachfolgelösung aus Bayerisch-Schwaben liegt derzeit nicht vor.
Die Alternative zur Übergabe ist mitunter die Stilllegung. Im KfW-Nachfolge-Monitoring 2022 planten elf Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer mit Rückzugsplänen bereits die Aufgabe ihres Betriebs; für weitere acht Prozent war dies eine ernsthafte Option. Fehlendes Interesse innerhalb der Familie, eine erfolglose Nachfolgersuche und Bürokratie wurden dabei häufig als Gründe genannt.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg für die Unternehmensnachfolge. Ob Familie, Management, externer Käufer, Beteiligungspartner oder Stiftung: Entscheidend sind eine realistische Planung, eine tragfähige Finanzierung und ausreichend Zeit.
Unternehmer sollten sich idealerweise fünf bis sieben Jahre vor dem geplanten Rückzug mit möglichen Modellen beschäftigen. Denn wer früh beginnt, kann sein Unternehmen gezielt nachfolgefähig machen und erhöht die Chance, das eigene Lebenswerk in gute Hände zu übergeben.
Sie haben Rückfragen an Dr. Heiko Frank oder wünschen eine weitergehende Beratung? Dann nehmen Sie direkt Kontakt auf.
Quellen und Hinweise
Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030, Daten und Fakten Nr. 37, 2025.
KfW Research: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2022.
Unternehmensangaben und öffentlich zugängliche Berichte zu GROB-WERKE, GEDA GmbH, Dittrich + Co., VR Equitypartner, TBS Brandschutzanlagen und Firian.
Die genannten Prozentangaben beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt, auf Deutschland insgesamt. Eine amtliche Aufschlüsselung der einzelnen Nachfolgeformen speziell für Bayerisch-Schwaben liegt nicht vor.