Dr. Heiko Frank, Kloepfel Finance

Die 8 Formen der Unternehmensnachfolge

Man muss sich nicht nur rechtzeitig mit dem Thema Unternehmensnachfolge, sondern vor allem auch mit den verschiedenen Arten auseinandersetzen. Dr. Heiko Frank, CEO von Kloepfel Finance, erläutert die Möglichkeiten für den Mittelstand in Bayerisch-Schwaben.

Hundertausende Unternehmen werden bundesweit im Jahr 2021 an einen Nachfolger übergeben. Heruntergebrochen auf Bayerisch-Schwaben sind das etwa 3.500 bis 4.500 Firmen. Doch welche Möglichkeiten hat ein Unternehmer, sein Lebenswerk an die nächste Generation zu übergeben? Dr. Heiko Frank, CEO von Kloepfel Finance, erklärt sie. sie.

1. Nachfolge innerhalb der Familie

Am schönsten ist es für den Senior, wenn das Unternehmen in der Familie bleibt. Doch die Realität sieht heute meist anders aus. Dass die Kinder in den elterlichen Betrieb einsteigen, ist eher die Ausnahme als die Regel: In etwa 30 Prozent der Fälle erfolgt die Nachfolge innerhalb der Familie. Und wenn Kinder da sind, dann stellt sich die Frage: Wer ist geeignet? Wer bekommt wie viel? Da ist Streit leider oft schon vorprogrammiert.

2. Management Buy-Out (MBO)

Etwa 15 Prozent der KMU nutzen den MBO. Sprich: Das bisherige Management – oder Teile davon – kaufen alle oder wesentliche Anteile vom Gesellschafter. Vorteil: Sie kennen den Betrieb bereits und in der Regel läuft dann, besonders für die Angestellten, alles weiter wie gewohnt. Jedoch lassen sich häufig nicht besonders hohe Verkaufspreise erzielen.

3. Management Buy-In (MBI)

Beim MBI kauft sich ein externes Management oder ein externer Manager in das Unternehmen ein. Für den Mittelstand ist diese Lösung eher wenig geeignet. Häufig sind die externen Manager branchenfremd oder haben ihre Erfahrungen in großen Konzernen erworben. Dennoch laufen etwa 10 Prozent der Nachfolgen über einen MBI. Denn lässt sich ein Branchenkenner, der obendrein noch zur Unternehmenskultur passt, finden, kann durchaus auch ein MBI eine gute Alternative sein. So geschehen beispielsweise bei der OSBRA – Formteile GmbH in Mindelheim. Hier wurde mit Dr. Thomas Freudenberg der ideale externe Nachfolger gefunden.

4. Strategischer Investor

Osram und Premium Aerotec sind klassische Beispiele aus der Region für die Übernahme durch einen strategischen Investor. Aber auch Mittelständler wie die TBS Brandschutzanlagen GmbH aus Altomünster suchten für die Nachfolge einen strategischen Investor. Hier steig die Multimon Gruppe ein. Natürlich gibt es im Zuge der Nachfolge häufig Rationalisierungen, da „doppelte“ Abteilungen, wie etwa Marketing, künftig nicht mehr nötig sind. Doch wenn man solche Schritte im Vorfeld mit dem strategischen Investor bespricht, bieten sich häufig sogar Wachstumschancen. 20 Prozent der Unternehmer gehen diesen Weg.

5. Family Offices

Wie der Name schon verrät, steckt hier eine vermögende Eigentümerfamilie dahinter, die zur Risikodiversifikation in unterschiedlichste Branchen investiert. Ihre Investitionsstrategie ist in der Regel auf Langfristigkeit angelegt. Deswegen legen sie das Geld der Familie auch häufig in Staatsanleihen, Immobilien, Kunst oder Unternehmen an. In der Region investiert ist beispielsweise die Lübecker Possehl Gruppe. Sie waren unter andere, Eigentümer von manroland Goss oder Böwe Systec. Etwa 5 Prozent der Unternehmen werden durch ein Family Office weitergeführt.

6. Private Equity

Private-Equity-Gesellschaften investieren Geldmittel anderer in Unternehmensbeteiligungen. Sie sammeln Geld mehrerer Anleger in der Regel in Fonds und investieren diese. Bei Private Equity zieht der Unternehmer sich in der Regel erst nach und nach zurück und bleibt Gesellschafter. So behalten sie eine starke Position im Unternehmen und können weiter bei wichtigen Entscheidungen mitreden. Denn PE-Gesellschaften bringen sich fachlich nur teilweise mit ein. Ihr Ziel ist, das Unternehmen möglichst erfolgreich zu machen, um langfristig wieder auszusteigen.

7. Liquidation

Auch die Schließung des Unternehmens ist in Krisenzeiten eine Option. Die klassische, geordnete Liquidation kann eine Alternative sein, wenn sich kein Nachfolger findet. Doch dieser Prozess ist teils sehr komplex und könne gut und gerne mal bis zu einem Jahr dauern.

8. Hybride Varianten

Aus diesen Optionen ergeben sich heute viele Mischformen. Solche Nachfolgeoptionen kommen in etwa 10 Prozent der Fälle zur Anwendung. Ein Beispiel dafür ist der Unternehmer, Armin Dittrich von Dittrich + Co. in Schwabmünchen. Er veräußerte einen Großteil seiner Firma, bleibt aber Geschäftsführer auf Zeit. Gleichzeitig kauft sich im Rahmen eines MBO der Prokurist mit Anteilen ein. Um das weitere Wachstum des Unternehmens sicherzustellen, ist die VR Private Equity an Bord, die einen größeren Anteil erworben hat.

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Hundertausende Unternehmen werden bundesweit im Jahr 2021 an einen Nachfolger übergeben. Heruntergebrochen auf Bayerisch-Schwaben sind das etwa 3.500 bis 4.500 Firmen. Doch welche Möglichkeiten hat ein Unternehmer, sein Lebenswerk an die nächste Generation zu übergeben? Dr. Heiko Frank, CEO von Kloepfel Finance, erklärt sie. sie.

1. Nachfolge innerhalb der Familie

Am schönsten ist es für den Senior, wenn das Unternehmen in der Familie bleibt. Doch die Realität sieht heute meist anders aus. Dass die Kinder in den elterlichen Betrieb einsteigen, ist eher die Ausnahme als die Regel: In etwa 30 Prozent der Fälle erfolgt die Nachfolge innerhalb der Familie. Und wenn Kinder da sind, dann stellt sich die Frage: Wer ist geeignet? Wer bekommt wie viel? Da ist Streit leider oft schon vorprogrammiert.

2. Management Buy-Out (MBO)

Etwa 15 Prozent der KMU nutzen den MBO. Sprich: Das bisherige Management – oder Teile davon – kaufen alle oder wesentliche Anteile vom Gesellschafter. Vorteil: Sie kennen den Betrieb bereits und in der Regel läuft dann, besonders für die Angestellten, alles weiter wie gewohnt. Jedoch lassen sich häufig nicht besonders hohe Verkaufspreise erzielen.

3. Management Buy-In (MBI)

Beim MBI kauft sich ein externes Management oder ein externer Manager in das Unternehmen ein. Für den Mittelstand ist diese Lösung eher wenig geeignet. Häufig sind die externen Manager branchenfremd oder haben ihre Erfahrungen in großen Konzernen erworben. Dennoch laufen etwa 10 Prozent der Nachfolgen über einen MBI. Denn lässt sich ein Branchenkenner, der obendrein noch zur Unternehmenskultur passt, finden, kann durchaus auch ein MBI eine gute Alternative sein. So geschehen beispielsweise bei der OSBRA – Formteile GmbH in Mindelheim. Hier wurde mit Dr. Thomas Freudenberg der ideale externe Nachfolger gefunden.

4. Strategischer Investor

Osram und Premium Aerotec sind klassische Beispiele aus der Region für die Übernahme durch einen strategischen Investor. Aber auch Mittelständler wie die TBS Brandschutzanlagen GmbH aus Altomünster suchten für die Nachfolge einen strategischen Investor. Hier steig die Multimon Gruppe ein. Natürlich gibt es im Zuge der Nachfolge häufig Rationalisierungen, da „doppelte“ Abteilungen, wie etwa Marketing, künftig nicht mehr nötig sind. Doch wenn man solche Schritte im Vorfeld mit dem strategischen Investor bespricht, bieten sich häufig sogar Wachstumschancen. 20 Prozent der Unternehmer gehen diesen Weg.

5. Family Offices

Wie der Name schon verrät, steckt hier eine vermögende Eigentümerfamilie dahinter, die zur Risikodiversifikation in unterschiedlichste Branchen investiert. Ihre Investitionsstrategie ist in der Regel auf Langfristigkeit angelegt. Deswegen legen sie das Geld der Familie auch häufig in Staatsanleihen, Immobilien, Kunst oder Unternehmen an. In der Region investiert ist beispielsweise die Lübecker Possehl Gruppe. Sie waren unter andere, Eigentümer von manroland Goss oder Böwe Systec. Etwa 5 Prozent der Unternehmen werden durch ein Family Office weitergeführt.

6. Private Equity

Private-Equity-Gesellschaften investieren Geldmittel anderer in Unternehmensbeteiligungen. Sie sammeln Geld mehrerer Anleger in der Regel in Fonds und investieren diese. Bei Private Equity zieht der Unternehmer sich in der Regel erst nach und nach zurück und bleibt Gesellschafter. So behalten sie eine starke Position im Unternehmen und können weiter bei wichtigen Entscheidungen mitreden. Denn PE-Gesellschaften bringen sich fachlich nur teilweise mit ein. Ihr Ziel ist, das Unternehmen möglichst erfolgreich zu machen, um langfristig wieder auszusteigen.

7. Liquidation

Auch die Schließung des Unternehmens ist in Krisenzeiten eine Option. Die klassische, geordnete Liquidation kann eine Alternative sein, wenn sich kein Nachfolger findet. Doch dieser Prozess ist teils sehr komplex und könne gut und gerne mal bis zu einem Jahr dauern.

8. Hybride Varianten

Aus diesen Optionen ergeben sich heute viele Mischformen. Solche Nachfolgeoptionen kommen in etwa 10 Prozent der Fälle zur Anwendung. Ein Beispiel dafür ist der Unternehmer, Armin Dittrich von Dittrich + Co. in Schwabmünchen. Er veräußerte einen Großteil seiner Firma, bleibt aber Geschäftsführer auf Zeit. Gleichzeitig kauft sich im Rahmen eines MBO der Prokurist mit Anteilen ein. Um das weitere Wachstum des Unternehmens sicherzustellen, ist die VR Private Equity an Bord, die einen größeren Anteil erworben hat.

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