Dr. Michaela Simon, Dr. Simon & Partner

„Wie psychische Belastungen der Mitarbeiter ansprechen?“

B4B-Leser fragen, unsere Branchenexperten aus der Region antworten: „Wir wollen psychische Belastungen unserer Mitarbeiter gern aktiv ansprechen, sind uns aber unsicher über den richtigen Weg. Wie geht man vor, ohne der entsprechenden Person zu nahe zu treten?“ Die Antwort kennt unsere Expertin für gesunde Personal- und Organisationsentwicklung, Dr. Michaela Simon.

Psychische Belastungen und Erkrankungen sind leider nach wie vor noch viel zu oft ein Tabuthema in unserer Gesellschaft und damit auch in unseren Unternehmen.

Vieles hängt damit zusammen, dass die meisten Menschen einfach zu wenig über die eigene Psyche oder Seele wissen. Dabei ist es bei der Psyche genauso wie bei unserem Körper, sie kann krank werden.

Wenn die Seele erkrankt sieht man es leider nicht

Im Gegensatz zu zahlreichen körperlichen Krankheiten sind Erkrankungen der Psyche meist nicht sichtbar. Der zweite große Unterschied ist, dass sie in aller Regel länger dauern. Zusätzlich sind sie noch immer nicht angekommen im Bewusstsein der meisten Menschen. Und last but not least: Sie sind sehr schwer zu verstehen für Menschen, die noch nie etwas derartiges erlebt haben.

All diese Unterschiede machen es uns sehr schwer mit diesem Thema der psychischen Erkrankung umzugehen.

Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu

Umso wichtiger ist es, das Thema anzugehen und einen pragmatischen Umgang zu finden.

Fakt ist, dass immer mehr Menschen, aus privaten und/oder beruflichen Gründen, psychisch erkranken. Die Zahlen sind in den letzten Jahren durchaus dramatisch gestiegen (um 137 % von 2001 bis 2020) und im ersten Halbjahr 2020 um rund 80 % im Vergleich zum Vorjahr.

Körper und Seele sind oft überfordert

Die Gründe hierfür liegen in der besseren Diagnostik und in unserer Art zu leben und zu arbeiten begründet. Wir leben und arbeiten immer schneller, immer intensiver und unsere Wahlmöglichkeiten (Konsumartikel, Lebenspläne, Freizeitmöglichkeiten) sind nahezu unbegrenzt. Das und individuelle Komponenten, wie etwa mangelnde Abgrenzung/nicht Nein sagen, können über kurz oder lang zur Überforderung führen. Corona-bedingt kommt hinzu, dass aufgrund von Existenzängsten durch Jobverlust und Kurzarbeit oder auch der Furcht vor dem neuen Virus und den damit einhergehenden Lebensveränderungen Menschen psychisch erkranken.

Viele behandeln ihren Körper schlechter als ihr Auto

Generell wollen wir funktionieren – im Arbeitskontext und auch im privaten Umfeld. Krank sein wird immer noch zu oft als Schwäche ausgelegt. Davon sollten wir endgültig Abschied nehmen und einen Paradigmenwechsel vollziehen.

Vergleichen wir unseren Körper mit einem Auto: Nehmen wir an, die Öllampe blinkt und Sie erhalten die Nachricht so schnell wie möglich eine Werkstatt aufzusuchen. Was tun Sie dann? Sie fahren in die Werkstatt.

Wenn die Öllampe in unserem Körper blinkt, Sie z.B. schon seit Wochen nicht mehr richtig schlafen, nicht mehr abschalten können und gereizt auf Ihre Mitmenschen reagieren, was tun Sie dann? Viele tun nichts und denken, das geht schon wieder vorbei, das müssen wir doch schaffen…

Wir kleben also die Öllampe zu und hoffen das sie aufhört zu blinken und das fehlende Öl sich von selbst wieder auffüllt.

Krankheit als Warnsignal erkennen

Krankheit, ob psychisch oder physisch, ist immer ein Zeichen der Seele/Psyche oder des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Von Unternehmensseite sollte klar signalisiert werden, dass Krankheit Krankheit ist und keine persönliche Schwäche. Und genau hier können Unternehmen sehr pragmatisch einsteigen:

Veränderungen und Sorge ansprechen

Wenn Sie erkennen, dass sich ein/e Mitarbeiter/in verändert, das heißt anders ist als Sie ihn/sie sonst kennen, und zwar über eine längere Zeit (2-3 Wochen), dann ist es notwendig aktiv zu werden: sprechen Sie ihn/sie an. Die Veränderungen können sehr unterschiedlich sein. Das hängt einfach davon ab, um was für einen „Typ Mensch“ es sich handelt.

Ansprechen heißt, der direkte Vorgesetzte sollte einen Gesprächstermin vereinbaren und darauf hinweisen, dass er Veränderungen wahrgenommen hat und gerne ein Gespräch führen möchte, weil er besorgt ist.

Gesprächsführung abgeben, wenn Sie der Kern sind

Wichtig ist dabei, dass Sie sich vorher folgende Punkte klarmachen:

  • Seien Sie sich auch bewusst, dass Sie selbst Teil des Problems sein könnten (unterschwellige Konflikte), dann sollten Sie das Gespräch von einer anderen Person führen lassen.
  • Sie haben bestimmte Dinge (Verhaltensänderungen) wahrgenommen und Sie vermuten, dass ihr Mitarbeiter ein psychisches Problem hat, aber Sie wissen es nicht.
  • Überlegen Sie, welches Ziel Sie mit dem Gespräch verfolgen: die Ursachen für die Verhaltensänderungen zu erfahren (Arbeitsumfeld oder privat) und wenn möglich, zu unterstützen.

Generell ist hier anzumerken, dass Gespräche zu Krankheit und insbesondere psychischen Erkrankungen für beide Seiten herausfordernd und belastend sein können. Deshalb kann es für Unternehmen, die noch keine entsprechenden Prozesse eingeführt haben, Sinn machen, sich zunächst von neutraler und professioneller Seite unterstützen zu lassen.

Sie haben Rückfragen an Dr. Michaela Simon, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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B4B-Leser fragen, unsere Branchenexperten aus der Region antworten: „Wir wollen psychische Belastungen unserer Mitarbeiter gern aktiv ansprechen, sind uns aber unsicher über den richtigen Weg. Wie geht man vor, ohne der entsprechenden Person zu nahe zu treten?“ Die Antwort kennt unsere Expertin für gesunde Personal- und Organisationsentwicklung, Dr. Michaela Simon.

Psychische Belastungen und Erkrankungen sind leider nach wie vor noch viel zu oft ein Tabuthema in unserer Gesellschaft und damit auch in unseren Unternehmen.

Vieles hängt damit zusammen, dass die meisten Menschen einfach zu wenig über die eigene Psyche oder Seele wissen. Dabei ist es bei der Psyche genauso wie bei unserem Körper, sie kann krank werden.

Wenn die Seele erkrankt sieht man es leider nicht

Im Gegensatz zu zahlreichen körperlichen Krankheiten sind Erkrankungen der Psyche meist nicht sichtbar. Der zweite große Unterschied ist, dass sie in aller Regel länger dauern. Zusätzlich sind sie noch immer nicht angekommen im Bewusstsein der meisten Menschen. Und last but not least: Sie sind sehr schwer zu verstehen für Menschen, die noch nie etwas derartiges erlebt haben.

All diese Unterschiede machen es uns sehr schwer mit diesem Thema der psychischen Erkrankung umzugehen.

Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu

Umso wichtiger ist es, das Thema anzugehen und einen pragmatischen Umgang zu finden.

Fakt ist, dass immer mehr Menschen, aus privaten und/oder beruflichen Gründen, psychisch erkranken. Die Zahlen sind in den letzten Jahren durchaus dramatisch gestiegen (um 137 % von 2001 bis 2020) und im ersten Halbjahr 2020 um rund 80 % im Vergleich zum Vorjahr.

Körper und Seele sind oft überfordert

Die Gründe hierfür liegen in der besseren Diagnostik und in unserer Art zu leben und zu arbeiten begründet. Wir leben und arbeiten immer schneller, immer intensiver und unsere Wahlmöglichkeiten (Konsumartikel, Lebenspläne, Freizeitmöglichkeiten) sind nahezu unbegrenzt. Das und individuelle Komponenten, wie etwa mangelnde Abgrenzung/nicht Nein sagen, können über kurz oder lang zur Überforderung führen. Corona-bedingt kommt hinzu, dass aufgrund von Existenzängsten durch Jobverlust und Kurzarbeit oder auch der Furcht vor dem neuen Virus und den damit einhergehenden Lebensveränderungen Menschen psychisch erkranken.

Viele behandeln ihren Körper schlechter als ihr Auto

Generell wollen wir funktionieren – im Arbeitskontext und auch im privaten Umfeld. Krank sein wird immer noch zu oft als Schwäche ausgelegt. Davon sollten wir endgültig Abschied nehmen und einen Paradigmenwechsel vollziehen.

Vergleichen wir unseren Körper mit einem Auto: Nehmen wir an, die Öllampe blinkt und Sie erhalten die Nachricht so schnell wie möglich eine Werkstatt aufzusuchen. Was tun Sie dann? Sie fahren in die Werkstatt.

Wenn die Öllampe in unserem Körper blinkt, Sie z.B. schon seit Wochen nicht mehr richtig schlafen, nicht mehr abschalten können und gereizt auf Ihre Mitmenschen reagieren, was tun Sie dann? Viele tun nichts und denken, das geht schon wieder vorbei, das müssen wir doch schaffen…

Wir kleben also die Öllampe zu und hoffen das sie aufhört zu blinken und das fehlende Öl sich von selbst wieder auffüllt.

Krankheit als Warnsignal erkennen

Krankheit, ob psychisch oder physisch, ist immer ein Zeichen der Seele/Psyche oder des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Von Unternehmensseite sollte klar signalisiert werden, dass Krankheit Krankheit ist und keine persönliche Schwäche. Und genau hier können Unternehmen sehr pragmatisch einsteigen:

Veränderungen und Sorge ansprechen

Wenn Sie erkennen, dass sich ein/e Mitarbeiter/in verändert, das heißt anders ist als Sie ihn/sie sonst kennen, und zwar über eine längere Zeit (2-3 Wochen), dann ist es notwendig aktiv zu werden: sprechen Sie ihn/sie an. Die Veränderungen können sehr unterschiedlich sein. Das hängt einfach davon ab, um was für einen „Typ Mensch“ es sich handelt.

Ansprechen heißt, der direkte Vorgesetzte sollte einen Gesprächstermin vereinbaren und darauf hinweisen, dass er Veränderungen wahrgenommen hat und gerne ein Gespräch führen möchte, weil er besorgt ist.

Gesprächsführung abgeben, wenn Sie der Kern sind

Wichtig ist dabei, dass Sie sich vorher folgende Punkte klarmachen:

  • Seien Sie sich auch bewusst, dass Sie selbst Teil des Problems sein könnten (unterschwellige Konflikte), dann sollten Sie das Gespräch von einer anderen Person führen lassen.
  • Sie haben bestimmte Dinge (Verhaltensänderungen) wahrgenommen und Sie vermuten, dass ihr Mitarbeiter ein psychisches Problem hat, aber Sie wissen es nicht.
  • Überlegen Sie, welches Ziel Sie mit dem Gespräch verfolgen: die Ursachen für die Verhaltensänderungen zu erfahren (Arbeitsumfeld oder privat) und wenn möglich, zu unterstützen.

Generell ist hier anzumerken, dass Gespräche zu Krankheit und insbesondere psychischen Erkrankungen für beide Seiten herausfordernd und belastend sein können. Deshalb kann es für Unternehmen, die noch keine entsprechenden Prozesse eingeführt haben, Sinn machen, sich zunächst von neutraler und professioneller Seite unterstützen zu lassen.

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