Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Südwestmetall äußert Unmut über die Forderungen der IG Metall

Mario Trunzer, Vorsitzender der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm. Foto: Südwestmetall
Die Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie stehen an. Die geforderten Bedingungen der IG Metall sind laut Vertretern der Südwestmetall zu hoch.

Sechs Prozent mehr Entgelt und die Möglichkeit die Arbeitszeit auf bis zu 28 Wochenstunden für 24 Monate zu kürzen fordert die IG Metall. Dazu sollen Beschäftigte einen Zuschuss erhalten, sobald sie in Teilzeit gehen. Dieser greift aber nur, wenn diese Arbeitnehmer Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder in belastenden Arbeitszeit-Modellen arbeiten. Mitglieder der Südwestmetall sprechen sich dagegen aus.

Sechs-Prozent Erhöhung gefährdet deutschen Standort

Nicht alle Bereiche und Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie seien von dem soliden Wachstumskurs betroffen, so die Arbeitgeber. Wird das Entgelt um sechs Prozent erhöht, geraten Unternehmen an den Rand ihrer finanziellen Leistungs-Fähigkeit. Im Durchschnitt bleiben Betrieben 3,20 Euro als Gewinn pro 100 Euro Umsatz übrig. Detlef Walther, Geschäftsführer der Liebherr-Hausgeräte GmbH, ist der Meinung, dass sich die Entgelt-Steigerungen von sechs Prozent negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt: „Auf Basis der bereits sehr guten Arbeits- und Entgeltbedingungen in der Metallindustrie setzt die IG Metall mit ihrer Extremforderung jetzt das Grundbedürfnis vieler Beschäftigter nach einer langfristigen Lebensplanung bei einem guten, verlässlichen Einkommen aufs Spiel.“

Investitionen bleiben aus

Durch die Digitalisierung stehen Unternehmen vor großen Herausforderungen. Sie müssen neue Geschäftsmodelle, Arbeitsorganisationen und Wertschöpfungsketten entwickeln. All das kostet Geld. „Unser Unternehmen braucht jetzt das Geld, um in die Digitalisierung der Produktion und in den Ausbau unseres Industriekunden-Geschäfts zu investieren“, sagt Thorsten Kirchmayer, Geschäftsführer der Heidelberg Manufacturing Deutschland GmbH. Die Digitalisierung ist ein notwendiger Prozess um langfristig Standorte zu sichern. Die Entgelt-Steigerung sei dagegen ein wesentlicher Nachteil für den Standort Deutschland: „Wir haben begonnen, zukünftige Aufträge vermehrt in Osteuropa produzieren zu lassen. Abhängig vom Ausgang der Verhandlungen werden wir ein größeres Volumen außerhalb Deutschlands produzieren müssen“, findet Dr.-Ing. Frank Boshoff, Vorstandsvorsitzender der SHW AG.

Arbeitszeit-Verkürzung sorgt für Ungleichgewicht

Auch die Möglichkeit für eine Arbeitszeit-Verkürzung sei nicht gegeben. Sie gefährde den Standort, denn Arbeitgebern fehlen dann Einsatzstunden der Mitarbeiter. Diese können aufgrund des Fachkräfte-Mangels nur schwer durch mehr Personal ersetzt werden. Laut Unternehmer-Vorständen ist die 28-Stunden-Thematik auch nicht als gerecht zu bezeichnen. Ein Beispiel: Eine Frau mit Kindern arbeitet bereits in Teilzeit und erhält keinen Tarifausgleich. Ein Kollege wechselt nun von Vollzeit in Teilzeit und erhält damit den Tarifausgleich. Er arbeitet somit für die gleiche Zeit, bekommt aber insgesamt mehr Lohn. Dies sorgt für Ungleichgewicht.

Wechsel in 28-Stunden Teilzeit ist im Mittelstand kaum umsetzbar

Markus Seifert, Geschäftsführer der Spohn & Burkhardt GmbH & Co. KG in Blaubeuren, sagt, dass der Wechsel in Teilzeit im Mittelstand kaum umsetzbar ist. Es fehle die Planungs-Sicherheit. Auch Mario Trunzer, Vorsitzender der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm hat mit der Teilzeit Forderung Probleme. Vor allem andere Mitarbeiter, die nicht dieser Regelung unterliegen, müssten die Umsetzungs-Probleme tragen. „Letztlich leidet angesichts der Fachkräfte-Problematik die Wettbewerbsfähigkeit darunter. Gründe dafür sind die hohe Kostenbelastung und die hohen Planungs- und Umsetzungs-Anstrengungen. Das wird selbst bei allerbester Planung nie reibungslos laufen. Unsere Wettbewerber würden sich darüber freuen“, meint Trunzer.

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