Handwerksammer Ulm

Sorge im Handwerk: Immer weniger Azubis

Es gibt immer weniger Handwerker. Bild: © Gina Sanders - Fotolia.com

Die rückläufigen Zahlen der Auszubildenden in Handwerksbetrieben geben Anlass zur Sorge. Durch den Rückgang von Fachkräften wird die Versorgung mit handwerklichen Leistungen gefährdet.

Im Bezirk der Handwerkskammer Ulm sind in 2012 bislang weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als in den Jahren zuvor.

Zum Anfang des neuen Schuljahres beläuft sich der Rückgang auf 8,8% und fällt mit 2.781 Ausbildungsverträgen auf den Stand des Jahres 2006 zurück. Parallel dazu sind weiterhin über 680 freie Stellen in allen Gewerken zu besetzen.

„Mit der demographischen Entwicklung sinken unsere Lehrlingszahlen“, analysiert Anton Gindele, Präsident der Handwerkskammer Ulm. „Der aktuelle Rückgang ist signifikant.“ Im Nahrungsmittelbereich beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr beispielsweise fast 30%. Anstatt 197 Ausbildungsverhältnisse sind hier im neuen Jahr insgesamt nur 138 neue Verträge abgeschlossen worden. Weiterhin sind 85 Stellen in diesem Gewerk zu besetzen.

Individuelle Karriereplanung für Interessierte

Den Grund für den Rückgang bei den Ausbildungszahlen sieht Gindele zum einen im gesellschaftlichen Druck und Drang zu sogenannten weiterführenden Schulen und zu höheren Schulabschlüssen. Zum anderen müsse sich aber auch das Handwerk weiter Gedanken machen, wie die guten Köpfe zu gewinnen und zu halten sind. Die Handwerkskammer werde sich verstärkt an Jugendliche mit Migrationshintergrund wenden und auch die passgenaue Vermittlung an die Handwerksbetriebe weiter vorantreiben. „Wir bieten jedem Interessierten eine individuelle Berufsberatung mit einem planbaren und realistischen Karriereweg im Handwerk und blendende Berufsaussichten“, betont Gindele. Je frühzeitiger Handwerksbetriebe zudem ihren Bedarf bei der Kammer melden, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Stellenbesetzung.

Mittelfristig sieht Gindele Gefahr, dass das regionale Handwerk die Daseinsvorsorge nicht mehr gewährleisten kann. „Heute haben wir keinen Azubi, morgen keinen Gesellen und übermorgen keinen Betriebsnachfolger. Die Versorgung der Region mit handwerklichen Leistungen kann alsbald gefährdet werden.“ Dies sei nicht nur ein Problem einzelner Gewerke oder des ländlichen Raumes, sondern könne auf alle Berufssparten und Raumschaften übergreifen. „Die Konsequenz sind steigende Preise und längere Warten auf Handwerker“, ist sich Gindele sicher. Wo Leistung knapp werde, wird sie teuer – und wo ein Bäcker schließt, werde der Weg zum nächsten länger. Für junge Handwerker bedeute dies im Umkehrschluss aber auch höhere Verdienst- und Entwicklungschancen, als es sie im überlaufenen akademischen Bereich gebe.  

Schulpolitik bleibt im Fokus des Handwerks

Von der aktuellen politischen Diskussion zeigt sich Gindele weiter enttäuscht: „Offensichtlich möchte unser Land den Fachkräftemangel selbst produzieren, steigende Preise in Kauf nehmen und länger auf die Leistungserbringung warten.“ Das Thema Fachkräftemangel werde sich aber im Zuge der aktuellen Schulpolitik noch verschärfen, wenn die Duale Ausbildung weiter ins Hintertreffen gerät. Anlass für diese Einschätzung geben der aktuelle Entwurf zum Staatshaushalt und die Ankündigung der Landesregierung im Schulbereich weitere Stellen zu streichen. „Wir unterstützen die Landesregierung in ihren Konsolidierungsaktivitäten“, betont Gindele. „Das Rasenmäher-Prinzip ist im Schulbereich aber nicht Teil einer objektiven Lösung.“

Die Planung der Landesregierung sieht momentan vor, im Jahr 2013 insgesamt 1000 Lehrerstellen und im Jahr 2014 rund 1.500 Lehrerstellen zu streichen. Mittelfristig rechnet die Handwerkskammer Ulm mit einem Wegfall von über 11.000 Stellen bis zum Jahre 2020 in Baden-Württemberg. Es sei festzustellen, dass die Berufsschulen im Vergleich zu anderen Schularten finanziell und personell schlechter ausgestattet bleiben. „Nachdem die Schülerzahlen weitgehend mit denen der Allgemeinen Schulen plus Universitäten identisch sind, trifft eine weitere Kürzung die Berufsschulen im Mark“, so Gindele. Das Hick-Hack um die Wertigkeit im Bildungssystem müsse endlich ein Ende haben. Es vergraule potentielle Auszubildende und schrecke von einer Karriere im Handwerk ab. „Zum Schaden von uns allen“, so Gindele.

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Zum Anfang des neuen Schuljahres beläuft sich der Rückgang auf 8,8% und fällt mit 2.781 Ausbildungsverträgen auf den Stand des Jahres 2006 zurück. Parallel dazu sind weiterhin über 680 freie Stellen in allen Gewerken zu besetzen.

„Mit der demographischen Entwicklung sinken unsere Lehrlingszahlen“, analysiert Anton Gindele, Präsident der Handwerkskammer Ulm. „Der aktuelle Rückgang ist signifikant.“ Im Nahrungsmittelbereich beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr beispielsweise fast 30%. Anstatt 197 Ausbildungsverhältnisse sind hier im neuen Jahr insgesamt nur 138 neue Verträge abgeschlossen worden. Weiterhin sind 85 Stellen in diesem Gewerk zu besetzen.

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Mittelfristig sieht Gindele Gefahr, dass das regionale Handwerk die Daseinsvorsorge nicht mehr gewährleisten kann. „Heute haben wir keinen Azubi, morgen keinen Gesellen und übermorgen keinen Betriebsnachfolger. Die Versorgung der Region mit handwerklichen Leistungen kann alsbald gefährdet werden.“ Dies sei nicht nur ein Problem einzelner Gewerke oder des ländlichen Raumes, sondern könne auf alle Berufssparten und Raumschaften übergreifen. „Die Konsequenz sind steigende Preise und längere Warten auf Handwerker“, ist sich Gindele sicher. Wo Leistung knapp werde, wird sie teuer – und wo ein Bäcker schließt, werde der Weg zum nächsten länger. Für junge Handwerker bedeute dies im Umkehrschluss aber auch höhere Verdienst- und Entwicklungschancen, als es sie im überlaufenen akademischen Bereich gebe.  

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Von der aktuellen politischen Diskussion zeigt sich Gindele weiter enttäuscht: „Offensichtlich möchte unser Land den Fachkräftemangel selbst produzieren, steigende Preise in Kauf nehmen und länger auf die Leistungserbringung warten.“ Das Thema Fachkräftemangel werde sich aber im Zuge der aktuellen Schulpolitik noch verschärfen, wenn die Duale Ausbildung weiter ins Hintertreffen gerät. Anlass für diese Einschätzung geben der aktuelle Entwurf zum Staatshaushalt und die Ankündigung der Landesregierung im Schulbereich weitere Stellen zu streichen. „Wir unterstützen die Landesregierung in ihren Konsolidierungsaktivitäten“, betont Gindele. „Das Rasenmäher-Prinzip ist im Schulbereich aber nicht Teil einer objektiven Lösung.“

Die Planung der Landesregierung sieht momentan vor, im Jahr 2013 insgesamt 1000 Lehrerstellen und im Jahr 2014 rund 1.500 Lehrerstellen zu streichen. Mittelfristig rechnet die Handwerkskammer Ulm mit einem Wegfall von über 11.000 Stellen bis zum Jahre 2020 in Baden-Württemberg. Es sei festzustellen, dass die Berufsschulen im Vergleich zu anderen Schularten finanziell und personell schlechter ausgestattet bleiben. „Nachdem die Schülerzahlen weitgehend mit denen der Allgemeinen Schulen plus Universitäten identisch sind, trifft eine weitere Kürzung die Berufsschulen im Mark“, so Gindele. Das Hick-Hack um die Wertigkeit im Bildungssystem müsse endlich ein Ende haben. Es vergraule potentielle Auszubildende und schrecke von einer Karriere im Handwerk ab. „Zum Schaden von uns allen“, so Gindele.

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