Kommentar

Kein IKEA für Memmingen – Nein zu Millionen-Steuern

Symbolbild. IKEA in Gersthofen. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
IKEA kündigte Ende 2015 an, 100 Millionen Euro in Memmingen zu investieren. Anfang 2019 heißt es, kein Konzepte sei wirtschaftlich tragfähig. Die Stadt selbst sei nicht schuld. Wirklich gefördert hat sie das Projekt aber wohl auch nicht.

Das schwedische Einrichtungshaus IKEA wollte sich in Memmingen ansiedeln. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger sprach von positiven Einflüssen auf die gesamte Memminger Wirtschaft und den Einzelhandel. Wäre alles nach Plan verlaufen, könnte IKEA Ende des Jahres eröffnen – doch es kam anders. Ganz anders.

IKEA suchte von Anfang an den Dialog mit Bürgern, Unternehmen und Händlern. Als diese Bedenken über das Konzept äußerten, wurde es mehrfach verändert. Umsonst. Gescheitert sei das Projekt zwar nicht an „subjektiv empfundenen langen Verfahrensabläufen“. Es sei auch nicht von der Stadt „verschleppt“ worden. Das habe IKEA dem amtierenden Oberbürgermeister Manfred Schilder seiner Aussage nach versichert. Unschuldig ist die Stadt deswegen aber nicht. Sie verpasst eine große Chance.

Durch die Absage seitens IKEA gehen Memmingen Steuereinnahmen im siebenstelligen Bereich verloren – jedes Jahr. Geld, das in die Region hätte investiert werden können. Mindestens 300 Arbeitsplätze wollte IKEA darüber hinaus schaffen. Profitieren sollten vom neuen Standort auch lokale Bau- und Handwerksbetriebe sowie Dienstleister. Weiter ist das Möbelhaus an seinen Standorten immer auch im sozialen Bereich engagiert. Das alles bleibt nun aus. Da kann die Stadt noch so sehr versichern, es sei nicht an ihr gescheitert. Wer sich diese Chance entgehen lässt, hat das mit dem gesamtwirtschaftlichen Denken wohl nicht verstanden.

Mit am lautesten geschrien haben die Einzelhändler. Mit IKEA sollte auch ein Fachmarktzentrum entstehen. Die Alarmglocken des Handels klingelten. Ein Großteil lehnte die Pläne ab, befürchtete Einbußen bei den eigenen Einnahmen. Zu viel Konkurrenz außerhalb der Innenstadt, so die Angst. Doch wer damit argumentiert, ihm geht es schlecht, weil es andere besser machen, sollte lieber genau hinsehen statt rumschreien. Selber Anreize schaffen ist natürlich aufwendiger. Mittel- und langfristig führt daran dennoch kein Weg vorbei. Egal ob ein IKEA mit Fachmarktzentrum kommt oder eben nicht. Ausbleibende Kunden gab und gibt es unabhängig davon. Bleibt zu hoffen, dass zumindest das bei den Einzelhändlern hängen geblieben ist.

Vor einem Jahr kündigte IKEA an, seine Ausrichtung zu ändern. Der Online-Handel werde ausgebaut, statt Standardhäuser zu errichten. „Wir denken vor allem an individuelle Konzepte, die sich perfekt in den innerstädtischen Raum einfügen, und an Standorte, die auch ohne Auto gut erreichbar sind“, erläutert der Expansionschef von IKEA Deutschland, Johannes Ferber. „Gut vorstellen können wir uns ebenfalls Modelle, bei denen wir gemeinsam mit Partnern weitere Nutzungsmöglichkeiten schaffen, etwa in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Freizeit oder Kultur.“ Das wäre eine gute Gelegenheit für Memmingen gewesen, unter den ersten zu sein und damit auch überregional an Wahrnehmung zu gewinnen. Fast ein Jahr dauerte die Überprüfung seitens IKEA. Am Ende gab es ein Nein für Memmingen. Wirtschaftlich nicht tragbar, so die Begründung. Vielleicht rechneten sich aber auch einfach weitere Diskussionen für das Unternehmen nicht mehr.

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Symbolbild. IKEA in Gersthofen. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
IKEA kündigte Ende 2015 an, 100 Millionen Euro in Memmingen zu investieren. Anfang 2019 heißt es, kein Konzepte sei wirtschaftlich tragfähig. Die Stadt selbst sei nicht schuld. Wirklich gefördert hat sie das Projekt aber wohl auch nicht.

Das schwedische Einrichtungshaus IKEA wollte sich in Memmingen ansiedeln. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger sprach von positiven Einflüssen auf die gesamte Memminger Wirtschaft und den Einzelhandel. Wäre alles nach Plan verlaufen, könnte IKEA Ende des Jahres eröffnen – doch es kam anders. Ganz anders.

IKEA suchte von Anfang an den Dialog mit Bürgern, Unternehmen und Händlern. Als diese Bedenken über das Konzept äußerten, wurde es mehrfach verändert. Umsonst. Gescheitert sei das Projekt zwar nicht an „subjektiv empfundenen langen Verfahrensabläufen“. Es sei auch nicht von der Stadt „verschleppt“ worden. Das habe IKEA dem amtierenden Oberbürgermeister Manfred Schilder seiner Aussage nach versichert. Unschuldig ist die Stadt deswegen aber nicht. Sie verpasst eine große Chance.

Durch die Absage seitens IKEA gehen Memmingen Steuereinnahmen im siebenstelligen Bereich verloren – jedes Jahr. Geld, das in die Region hätte investiert werden können. Mindestens 300 Arbeitsplätze wollte IKEA darüber hinaus schaffen. Profitieren sollten vom neuen Standort auch lokale Bau- und Handwerksbetriebe sowie Dienstleister. Weiter ist das Möbelhaus an seinen Standorten immer auch im sozialen Bereich engagiert. Das alles bleibt nun aus. Da kann die Stadt noch so sehr versichern, es sei nicht an ihr gescheitert. Wer sich diese Chance entgehen lässt, hat das mit dem gesamtwirtschaftlichen Denken wohl nicht verstanden.

Mit am lautesten geschrien haben die Einzelhändler. Mit IKEA sollte auch ein Fachmarktzentrum entstehen. Die Alarmglocken des Handels klingelten. Ein Großteil lehnte die Pläne ab, befürchtete Einbußen bei den eigenen Einnahmen. Zu viel Konkurrenz außerhalb der Innenstadt, so die Angst. Doch wer damit argumentiert, ihm geht es schlecht, weil es andere besser machen, sollte lieber genau hinsehen statt rumschreien. Selber Anreize schaffen ist natürlich aufwendiger. Mittel- und langfristig führt daran dennoch kein Weg vorbei. Egal ob ein IKEA mit Fachmarktzentrum kommt oder eben nicht. Ausbleibende Kunden gab und gibt es unabhängig davon. Bleibt zu hoffen, dass zumindest das bei den Einzelhändlern hängen geblieben ist.

Vor einem Jahr kündigte IKEA an, seine Ausrichtung zu ändern. Der Online-Handel werde ausgebaut, statt Standardhäuser zu errichten. „Wir denken vor allem an individuelle Konzepte, die sich perfekt in den innerstädtischen Raum einfügen, und an Standorte, die auch ohne Auto gut erreichbar sind“, erläutert der Expansionschef von IKEA Deutschland, Johannes Ferber. „Gut vorstellen können wir uns ebenfalls Modelle, bei denen wir gemeinsam mit Partnern weitere Nutzungsmöglichkeiten schaffen, etwa in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Freizeit oder Kultur.“ Das wäre eine gute Gelegenheit für Memmingen gewesen, unter den ersten zu sein und damit auch überregional an Wahrnehmung zu gewinnen. Fast ein Jahr dauerte die Überprüfung seitens IKEA. Am Ende gab es ein Nein für Memmingen. Wirtschaftlich nicht tragbar, so die Begründung. Vielleicht rechneten sich aber auch einfach weitere Diskussionen für das Unternehmen nicht mehr.

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