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Baufritz eröffnet „The Lab“: So soll Bauen schneller und nachhaltiger werden
Reallabor The Lab

Baufritz eröffnet „The Lab“: So soll Bauen schneller und nachhaltiger werden

Die experimentelle Microsiedlung The Lab in Erkheim im Überblick.
Die experimentelle Microsiedlung The Lab in Erkheim im Überblick. Foto: Baufritz

Baufritz hat in Erkheim im Unterallgäu das Reallabor The Lab eröffnet. In einer experimentellen Microsiedlung erprobt das Unternehmen drei neue Haustypen, alternative Baustoffe und gemeinsame Energiekonzepte. Wie das Vorhaben die Baubranche der Zukunft beeinflussen soll.

Wie kann Bauen schneller, nachhaltiger und ressourcenschonender werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Baufritz aus Erkheim im Unterallgäu. Anlässlich seines 130-jährigen Firmenjubiläums hat das Unternehmen das Reallabor mit dem Namen The Lab eröffnet. Dort sollen neue Lösungen für das Bauen und Wohnen unter realen Bedingungen erprobt werden.

Hinter The Lab steckt eine Microsiedlung, die einen Rahmen für das Experiment setzen soll. Sie verbindet drei neu errichtete Holzhäuser mit einem Bestandsgebäude aus dem Jahr 1927. Hinzu kommen ein gemeinsames Energiekonzept, gemeinschaftlich genutzte Infrastruktur und ein neues Mietmodell. Messungen und laufende Analysen innerhalb der Siedlung sollen zeigen, wie sich die verschiedenen Ansätze im Alltag außerhalb bewähren würden.

Bauvorschriften brauchen Maßnahmen

Baufritz-Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer sieht dabei auch Handlungsbedarf bei den geltenden Bauvorschriften. „Wir wollen schneller und effektiver bauen“, erklärt Fritz-Kramer. Zugleich kritisiert sie die bestehenden Rahmenbedingungen. „Unsere Bauvorschriften entsprechen nicht mehr der Zeit.“

Das Projekt geht auf den Baufritz-Klimagipfel im Jahr 2024 zurück. Fritz-Kramer hatte die Veranstaltung initiiert. Ein Grundstück in der Nähe des Firmensitzes stellte Professor Andreas Heinzmann von der Technischen Hochschule Rosenheim zur Verfügung.

Drei Häuser testen unterschiedliche Baukonzepte

Baufritz hat innerhalb eines Jahres drei neue Häuser entwickelt und errichtet. Sie wurden in der unternehmenseigenen Manufaktur geplant und produziert. Jedes Gebäude verfolgt einen eigenen Ansatz, um Materialien effizienter zu nutzen und Baukosten zu beeinflussen. Zum Projekt gehören das Super-Ressourcenschonende Haus (SRSH), das Haus Superfritz und ein Ausbauhaus. Gemeinsam sollen sie zeigen, welche Möglichkeiten sich durch andere Materialien, einen hohen Vorfertigungsgrad und neue Wohnkonzepte ergeben. „Wir wollen nicht nur über die Zukunft des Bauens sprechen, sondern Lösungen unter realen Bedingungen ausprobieren“, so Fritz-Kramer weiter. Die Ergebnisse sollen ausgewertet und für weitere Bauprojekte genutzt werden. Dazu werden die Häuser umfassend vermessen und während ihrer Nutzung analysiert.

SRSH mit wenig Material und einfacher Technik

Das Super-Ressourcenschonende Haus soll möglichst wenig Ressourcen benötigen. Es ist auf Kreislauffähigkeit und Bezahlbarkeit ausgelegt. Gleichzeitig soll es einen geringen CO₂-Fußabdruck erreichen, ohne den Wohnkomfort einzuschränken. Die Fassade besteht aus regionalem Kiefernholz. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe übernimmt das Heizen und Kühlen. Für weitere Bauteile erprobt das Unternehmen den Einsatz von Laubhölzern. Pappel kommt bei den Außenwandständern zum Einsatz. Birke wird unter anderem für Decken, Türen, Installationskanäle und Möbel verwendet.

Photovoltaikelemente für Dach und Wand sowie das Technikraummodul wurden bereits im Werk hergestellt. Dadurch soll der Aufwand auf der Baustelle sinken. Zusätzliche Lösungen betreffen den Wasserverbrauch und die verwendeten Materialien. Duschwasser soll beispielsweise als Grauwasser für die WC-Spülung genutzt werden. Baufritz verwendet zudem Innentüren mit einem Kern aus Paludi. Dabei handelt es sich um einen Werkstoff aus Moorpflanzen. Er soll eine Alternative zu Holz bieten und die Wiedervernässung von Mooren unterstützen.

Superfritz nutzt gebrauchte Baumaterialien

Das zweite Haus entstand gemeinsam mit dem Architektur Think Tank Supertecture im Rahmen des Baufritz-Transformathons. Das Superfritz fokussiert sich auf die Wiederverwendung vorhandener Materialien. Die Fassade besteht aus aufbereiteten Bierzeltbänken. Für den Fußboden wurde Mahagoniholz aus einer Kirche in Füssen verwendet. Im Badezimmer kommen Restbestände blauer Fliesen aus dem Schwimmbad in Kaufbeuren zum Einsatz. Hinzu kommen gebrauchte Möbel.

Die Wiederverwendung von Bauteilen soll zeigen, wie sich vorhandene Materialien in neue Wohngebäude integrieren lassen. Das Superfritz soll laut Baufritz noch im Herbst 2026 bezugsfertig werden.

Ausbauhaus ermöglicht Eigenleistung

Das dritte neue Gebäude richtet sich an Bauherren, die einen Teil des Innenausbaus selbst übernehmen möchten. Es ist kompakt geplant und verfügt über eine offene Schlafgalerie unter dem Dach. Die Konstruktion ähnelt dem SRSH. Zum Einsatz kommen standardisierte Nadelhölzer. Zusätzlich erprobt Baufritz Esche als Laubholz. Das Material wird unter anderem in einer Esche-Fichte-Massivholzdecke und bei Türzargen verwendet. Die Gebäudehülle wird vollständig vorgefertigt. Nach Angaben des Unternehmens stand sie innerhalb von zwei Tagen. Dazu gehören die Fassade aus heimischer Fichte, Fenster, Haustür und Treppe. Die Module wurden in der Baufritz-Manufaktur hergestellt und anschließend vom Montageteam montiert. Danach können Bauherren den Innenausbau selbst übernehmen. Dadurch soll sich das Tempo und die Baukosten individuell bestimmen lassen.

Planung des eigenen Energiekonzepts

Für die energetische Weiterentwicklung des Bestands greift Baufritz auf die eigene Fachabteilung EnergieWerk zurück. Sie beschäftigt sich mit Sanierungen und der Frage, welche Maßnahmen tatsächlich energetische Vorteile bringen. Das Angebot soll Bestandsaufnahmen, Gebäudeanalysen, Sanierungsfahrpläne und Energiekonzepte beinhalten. Auch die Baubegleitung und Qualitätssicherung gehören dazu. Im Wohnhaus sind unter anderem eine vorgefertigte Fassadenlösung zur energetischen Sanierung, neue Fenster sowie eine Aufdachdämmung und eine Zwischensparrendämmung geplant.

Die Gebäude werden in ein übergeordnetes Energie- und Technikkonzept eingebunden. Dazu gehören Photovoltaik, Ladeinfrastruktur für Fahrzeuge sowie ein Eigenstrom- und Mieterstromkonzept. Auch die technischen Schnittstellen zwischen dem Bestandsgebäude und den Neubauten werden aufeinander abgestimmt. Ein zentraler Technikbereich soll die Versorgung der Microsiedlung koordinieren. Gleichzeitig wird der tatsächliche Energieverbrauch im laufenden Betrieb erfasst.

Pauschalmiete soll Wohnkosten planbarer machen

Neben den baulichen und technischen Konzepten möchte Baufritz ein neues Mietmodell testen. Es soll die monatlichen Wohnkosten übersichtlicher machen. Nach dem derzeit geplanten Modell umfasst die Pauschalmiete neben der Wohnraumnutzung Wärme, Warmwasser, Haushaltsstrom, Wasser und übliche Betriebskosten. Der Mietvertrag soll zunächst für rund drei Jahre abgeschlossen werden.

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