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So agiert ZF Friedrichshafen im schwierigen Marktumfeld
Ausblick

So agiert ZF Friedrichshafen im schwierigen Marktumfeld

ZF-Finanzvorstand Michael Frick. Foto: ZF
ZF-Finanzvorstand Michael Frick. Foto: ZF

Es sind anspruchsvolle Zeiten für die Unternehmen der Region. So auch für ZF Friedrichshafen. Jetzt bilanziert das Unternehmen das bisherige Jahr. Das ist das Ergebnis.

„Das wirtschaftliche Umfeld im ersten Halbjahr 2023 hat sich erneut als schwierig dargestellt und war von vielen Unwägbarkeiten geprägt“, sagte Finanzvorstand Michael Frick bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. „Zu den Herausforderungen, vor die sich ZF und die gesamte Automobilindustrie gestellt sah, gehörten die nach wie vor hohe Inflation und die Folgen des andauernden Krieges in der Ukraine. Zudem beeinflusst die Unsicherheit über die Entwicklung der Weltmärkte die gesamte Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, unsere strategisch wichtigen Zukunftsprodukte zu industrialisieren und ins operative Geschäft zu überführen, damit sie entsprechende Wertbeiträge für unser Ergebnis liefern können.“

Die Finanzkennzahlen bleiben stabil

Der Technologiekonzern hat von Januar bis einschließlich Juni 2023 einen Umsatz von 23,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Zuwachs von zehn Prozent (währungs- und M&A-bereinigt plus elf Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen verzeichnet dabei ein bereinigtes EBIT von 941 Millionen Euro. Dies ergibt eine bereinigte EBIT-Marge von 4,0 Prozent. Der bereinigte Free Cashflow beträgt minus 525 (2022: minus 630) Millionen Euro. Die im Vergleich zum Vorjahr höheren Investitionen in Sachanlagen sowie die Neuanläufe von Produkten waren dabei ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung des Cashflows. Zudem belastetet der Bestandsaufbau aufgrund des organischen Wachstums den Cashflow.

Das Marktumfeld von ZF bleibt herausfordernd

„In einem herausfordernden Marktumfeld haben wir uns mit Zahlen behauptet, die im Rahmen unserer Erwartungen liegen. Trotz hoher Inflation und höherer Ausgaben für Forschung und Entwicklung konnten wir unser angestrebtes Ergebnis erreichen“, sagt Finanzvorstand Michael Frick weiter. „Auch wenn wir mit dem Finanzergebnis noch nicht zufrieden sind und die kommenden sechs Monate nicht einfach werden, sind wir zuversichtlich, dass wir unsere im Frühjahr vorgestellten Jahresziele erreichen werden. Damit bestätigen wir unsere Jahresprognose und verfolgen weiter planvoll das im Frühjahr vorgestellte Maßnahmenprogramm. Unser Jahresziel erreichen wir dadurch, dass wir unsere Kosten weiter senken, Inflationseffekte durch partnerschaftliche Gespräche mit Kunden mildern und unsere Bestände optimieren. Insgesamt danke ich den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von ZF für ihren Einsatz in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.“

Die Nachfrage kühlt ab

Angesichts der bisherigen Entwicklungen und trotz sich abzeichnender Abkühlung der weltweiten Nachfrage nach Personenfahrzeugen hält ZF an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest. Das Unternehmen rechnet für 2023 unverändert mit einem moderaten Wachstum des Konzernumsatzes auf mehr als 45 Milliarden Euro. Dieses Umsatzwachstum soll zu einer bereinigten EBIT-Marge zwischen 4,7 und 5,2 Prozent führen. Der Free Cashflow wird voraussichtlich in einer Bandbreite von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro liegen.

Die Eigenkapitalbasis ist weiterhin stabil: Die Bilanzsumme stieg wegen höherer Materialbestände und höherer Forderungen von 38,9 Ende 2022 auf 39,5 Milliarden Euro zum 30. Juni 2023. Die Eigenkapitalquote sank dadurch leicht von 22 auf 21 Prozent. In den vergangenen Monaten platzierte ZF drei grüne Bonds für nachhaltige Finanzierung in einem Gesamtvolumen von rund 1,7 Milliarden Euro – erstmals auch im US-amerikanischen Markt, was die starke Positionierung von ZF an den internationalen Finanzmärkten bestätigt.

„Um die beschleunigte Transformation in Krisenzeiten zu bewältigen, ist die wichtigste Aufgabe, uns strategisch zu fokussieren, um den Wandel zu forcieren“, erläutert Finanzvorstand Michael Frick. „Dazu ändern wir Strukturen, beschleunigen Prozesse, vereinfachen Entscheidungswege und halten strikte Kostendisziplin. Das ermöglicht uns, gezielt in ertragsstarke und zukunftsweisende Technologien zu investieren.“

ZF schließt strategische Partnerschaft mit Foxconn

Auf der Basis der Strategie „Next Generation Mobility“ will der Technologiekonzern seine Unternehmensstrukturen weiter entwickeln, um sie noch besser an Markterfordernisse anzupassen. Dazu hat ZF mit der Hon Hai Technology Group (Foxconn), dem weltweit größten Elektronikproduzenten, eine 50:50-Partnerschaft im Bereich Pkw-Fahrwerksysteme geschlossen. Ziel der strategischen Partnerschaft ist, dass in der ZF Chassis Modules GmbH gebündelte Geschäftsfeld der Montage von Pkw-Achssystemen weiterzuentwickeln und neue Kundenkreise zu erschließen.

Zur Optimierung der Unternehmensstruktur gehört auch die Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder. Nachdem ZF Ende 2022 die Luftfahrttechnik-Sparte abgegeben hat, hat sich ZF in den vergangenen sechs Monaten planmäßig von den Anteilen an ASAP, einem Anbieter von Ingenieursdienstleistungen, und von den Anteilen an dem Beratungsunternehmen Tsetinis getrennt. Auf Basis der Strategie „Next Generation Mobility“ legt ZF die beiden Divisionen für Pkw-Fahrwerktechnik und Aktive Sicherheitstechnik zu einer neuen und im Markt einzigartigen Division für Fahrwerk-, Lenkungs- und Bremsentechnologie zusammen. Die neue Division Chassis Solutions bietet die gesamte Hardware, Software und Elektronik an, um Vertikal-, Längs- und Querdynamik eines Fahrzeugs zu beherrschen, und wird mit mehr als 14 Milliarden Euro Umsatz ein starker Partner für die Kunden von ZF sein, heißt es aus dem Unternehmen. Die neue Division startet zum 1. Januar 2024 und wird künftig von Dr. Peter Holdmann geleitet.

Die Shuttle-Sparte von ZF wird ausgegliedert

ZF stellt zudem die Division Passive Sicherheitstechnik eigenständig auf, damit das Geschäftsfeld schneller wachsen und erfolgreicher am Markt agieren kann. „Wenn entsprechendes Interesse an diesem attraktiven Segment mit sehr guten Wachstumsaussichten besteht, werden wir mit den potenziellen Partnern über einen Einstieg als externe Kapitalgeber sprechen“, erläutert Michael Frick. „Wir halten uns dabei alle Optionen offen und streben bei einer möglichen Transaktion ein für den Kapitalmarkt günstiges Zeitfenster an.“

Planmäßig kommt ZF mit der im vergangenen Jahr angekündigten und jetzt laufenden Ausgliederung der Shuttle-Sparte voran. Dieses auf mehrere Einheiten verteilte Geschäft mit den autonomen Shuttles und der dazugehörigen Systemtechnologie ist besonders kapitalintensiv, weshalb ZF es in einer selbstständigen Einheit bündelt, um für externe Kapitalgeber attraktiv zu werden.

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