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Reparieren, wiederverwenden, aufbereiten oder recyceln: diese Frage stellt sich bei ausgedienten technischen Produkten und ihren Komponenten. Ob Hochvoltbatterien aus Fahrzeugen, Waschmaschinen oder Industrieroboter. Belastbare Antworten sucht das europäische Forschungsprojekt Resurrection. Die Europäische Union fördert das Vorhaben im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe für vier Jahre mit knapp sieben Millionen Euro.
Die Hochschule Kempten entwickelt dafür KI-Verfahren, die den Zustand gebrauchter Komponenten bewerten und vorhersagen, wie lange sie noch genutzt werden können. Den Kemptener Projektbeitrag leitet Prof. Peter Wurster am EPT, dem Institut für Effiziente Produktionstechnik. Dafür hat die Hochschule Kempten rund 581.000 Euro Fördergelder bekommen. Die Koordination des Verbunds mit 16 Partnern aus elf Nationen liegt bei der Technischen Universität Dortmund.
Selbst wenn technische Geräte ihren eigentlichen Zweck erfüllt haben, enthalten sie häufig noch brauchbare Einzelteile. Genau hier kommt das Remanufacturing ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft unverzichtbar ist. Im Rahmen dieser industriellen Aufbereitung werden Altgeräte systematisch auseinandergenommen, ihre Bestandteile überprüft, repariert und schließlich in einen neuwertigen Zustand versetzt.
Bisher bewerten Mitarbeiter manuell, welche Bauteile sich für eine weitere Nutzung eignen. Diese manuelle Prüfung ist jedoch angesichts der vielfältigen Nutzungsprofile der Altteile zeitintensiv. Zudem variieren die Beurteilungen zwischen verschiedenen Prüfern. An diesem Punkt knüpft Resurrection an. Das Forschungsvorhaben verknüpft Robotertechnik, maschinelle Lernverfahren und digitale Systeme miteinander. Der Ansatz ermöglicht eine automatisierte Analyse und Zerlegung gebrauchter Produkte. Das soll fundierte Entscheidungen über ihre weitere Verwendung ermöglichen.
Wichtige Basis des Vorhabens sind digitale Produktpässe. Sie sammeln zentrale Informationen. Dazu kommen digitale Zwillinge, die die Geräte und Abläufe in virtueller Form abbilden. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher ein Bauteil kommt. Auch der bisherige Weg durch verschiedene Stationen wird sichtbar.
Die Hochschule Kempten ist Teil der Datenfusion. Das bedeutet, dass Bilder von Kameras und Daten anderer Sensoren kombiniert werden. Das Team wertet diese Informationen aus. Darauf basierend erstellt das EPT-Team Modelle mit künstlicher Intelligenz. Diese Modelle schätzen den Zustand von Bauteilen ein. Sie sagen auch voraus, wie lange diese noch genutzt werden können.
Bei alten Industrierobotern muss zum Beispiel berechnet werden, wie lange Lager und Getriebe noch funktionieren. Die Methoden gelten aber nicht nur für Roboter, denn sie kommen in allen vier Einsatzgebieten zum Einsatz. Das reicht von Hochvoltbatterien bis zu Modems. Das Team erstellt zudem Referenzdatensätze und Werkzeuge. Diese sollen die KI-Ergebnisse für Nutzer verständlich machen.
Das EPT leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Gesamtprojekt. Darauf baut ein Entscheidungssystem auf. Es gibt Empfehlungen, wie mit einer Komponente weiter verfahren werden soll. „Die zentrale Herausforderung besteht darin, sehr unterschiedliche Daten aus verschiedenen Sensoren und Produkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenzuführen", so Projektleiter Wurster. Wenn dies gelingt, können Firmen in Zukunft sicher erkennen, ob ein Bauteil repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder recycelt werden sollte.
Die entwickelten Lösungen werden in vier Bereichen getestet. Das sind Hochvoltbatterien aus Elektroautos, Waschmaschinen, Industrieroboter und Telekommunikationsgeräte wie Modems. Ziel ist es, Remanufacturing in größerem Umfang möglich zu machen. Der Wert von Materialien und Teilen soll länger erhalten bleiben, wodurch übermäßiger Elektroschrott vermieden werden soll.
Zusätzlich gibt es Schulungsangebote. Sie bereiten Mitarbeiter auf die Arbeit mit KI- und Robotersystemen vor. Das Projekt heißt vollständig „Robotics and AI-assisted Decision Support for Efficient and Sustainable Remanufacturing and Refurbishment in Electronics towards Circular Transformation".
Am 22. und 23. September kamen mehr als 30 Experten aus ganz Europa für den Projektstart nach Kempten im Oberallgäu. Beim ersten Treffen lernten sich die Forscher und Industriepartner persönlich kennen. „Die Kreislaufwirtschaft kann eine wichtige Antwort auf viele der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit sein", erklärt Wurster zur Begrüßung. Wichtig sei, die technischen Lösungen mit den Menschen zu verbinden, die sie nutzen. Das Koordinationsteam der TU Dortmund stellte danach die Ziele und die Struktur von Resurrection vor. In kurzen Runden präsentierten dann die Partner ihre Aufgaben und Erwartungen an die Zusammenarbeit.