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Oettinger verlagert Auslandsgeschäft in die Schweiz – aus Steuergründen?
Bild-Recherche

Oettinger verlagert Auslandsgeschäft in die Schweiz – aus Steuergründen?

Was hat es mit der Oe International AG auf sich? Foto: Brauerei Oettinger
Was hat es mit der Oe International AG auf sich? Foto: Brauerei Oettinger

Laut Recherche der Bild-Zeitung will Oettinger mit einem Auslandsgeschäft in der Schweiz Steuern sparen. Die Oe International AG wurde dort 2024 gegründet. Die Brauerei Oettinger nimmt Stellung zu den Berichten – und zur Zukunft der deutschen Standorte.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 9. April 2024, ist im Schweizer Kanton Zug die Oe International AG gegründet worden. Das zeigt das Schweizerische Handelsblattamt SHAB. Recherchen der Bild-Zeitung zufolge, werde über die Oe International AG in der Schweiz der Großteil des Auslandsgeschäftes der Brauerei Oettinger abgewickelt. Hintergrund sollen laut der Bild-Zeitung unter anderem Steuerersparnisse sein. Diese hatte 133.000 interne Berichte der Brauerei Oettinger ausgewertet.

Auf Anfrage dementiert das Unternehmen, es flüchte in ein Steuerparadies.

Welche Rolle spielen Steuern?

„Der Steuersitz der Oettinger Brauerei GmbH ist und bleibt in Deutschland. Selbstverständlich erfüllt das Unternehmen alle steuerlichen Verpflichtungen in Deutschland vollumfänglich“, teilte das Unternehmen auf Anfrage der B4B-Redaktion mit. Die Brauerei Oettinger ging in ihrer Stellungnahme nicht genauer auf die Frage der Steuerersparnis ein.

Recherchen der Bild-Zeitung zufolge, werde über die Oe International AG in der Schweiz der Großteil des Auslandsgeschäftes abgewickelt. Die Bild-Zeitung zitiert auch aus einem Gutachten einer Kanzlei, wonach Oettinger mit einer Auslandsgesellschaft in der Schweiz nur 15 Prozent Steuern erwarte – in Deutschland jedoch durchschnittlich 30 Prozent. Die „Nutzung von Unterschieden in der Steuerquote durch Einbeziehung von Auslandsgesellschaften“, zitiert Bild aus den internen Dokumenten als Ziel für den Konzernumbau.

Was bedeutet die Oe International AG für Standorte in Deutschland?

Auf Nachfrage, was die Oe International AG für die Standorte und Beschäftigten in Deutschland bedeute, antwortet die Brauerei: „Der Unternehmenssitz bleibt in Deutschland. Mit der Organisation des Auslandsgeschäftes ist keine Verlagerung von Wertschöpfung oder Arbeitsplätzen aus Deutschland verbunden.“ Der Fokus liege zudem weiter auf dem deutschen Markt.

Doch dieser Markt macht den deutschen Brauereien Sorgen: Die Deutschen trinken immer weniger Bier. Laut dem Statistischen Bundesamt ist 2025 der Bierabsatz der deutschen Brauereien um 6,0 Prozent bzw. 497,1 Millionen Liter auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken.

„Gleichzeitig ist der Biermarkt in Deutschland seit Jahren rückläufig“, heißt es somit auch in der Stellungnahme der Brauerei Oettinger. Deshalb sei Oettinger bereits seit längerer Zeit international tätig und baue dieses Geschäft kontinuierlich aus.

Oettingers Auslandsgeschäft

„Die zusätzliche Ausrichtung auf Auslandsmärkte ist daher keine neue Entwicklung, sondern Teil einer langfristig angelegten Unternehmensstrategie“, so das Unternehmen in seinem Statement weiter. Die Organisation des Auslandsgeschäftes folge dabei operativen und marktorientierten Anforderungen. „In diesem Zusammenhang prüfen und nutzen die Gesellschafterinnen rechtlich zulässige Strukturen, um das Auslandsgeschäft entsprechend zu organisieren“, so Oettinger.

Im B4B-Jahresausblick für 2026 erklärte der damalige Oettinger-CEO Stefan Blaschak dass die Brauerei ihren Auslandsfokus stärken wolle.

Wie hängen Oettinger und die Oe International AG zusammen?

Laut dem Bericht der Bildzeitung hält Pia Kollmar mit ihren Töchtern über eine deutsche Holding die Anteile an der Oe International AG. Kollmar ist Inhaberin der Oettinger Brauerei GmbH und seit Februar dieses Jahres auch wieder Teil deren Geschäftsführung.

Die Oe International AG und die Oettinger Brauerei GmbH sind zwei rechtlich getrennte Firmen. Neben den geschäftlichen Verbindungen zwischen den Unternehmen gibt es aber auch personelle Verbindungen. Das zeigen Eintragungen im Schweizerischen Handelsblattamt. Demnach ist Dominika Steinberg Mitglied des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung der Oe International AG. Steinberg ist seit diesem Monat Teil der Geschäftsführung der Oettinger Brauerei GmbH.

CEO der Oe International AG ist seit neuem Heinz-Peter Oskar Böck. Dieser war laut North Data Geschäftsführer der Oettinger International GmbH, die es seit 2024 nicht mehr gibt.

Stefan Blaschak verlässt auch die Oe International AG

Interessant ist noch ein weiterer Aspekt: Der bisherige CEO der Oettinger Brauerei, Stefan Blaschak, war bisher auch der Vorstandsvorsitzende der Oe International AG. Seine Position als CEO der Oettinger Brauerei GmbH beendete er im März dieses Jahres vorzeitig, statt wie geplant erst im Sommer.

Im November noch hieß es von der Brauerei, dass Blaschak der Gruppe dennoch erhalten bleibe: Er werde weiterhin als Vorstandsvorsitzender der Oe International AG die Strategie der Gruppe und den Ausbau der Oe International AG vorantreiben. Dem Schweizerischen Handelsblattamt ist zu entnehmen, dass Blaschak auch diese Position seit vergangenem Monat nicht mehr hat. Oettinger äußert sich zu den Gründen, weshalb Blaschak nicht mehr Vorstandsvorsitzender der Oe International AG ist, nicht.

Die Oettinger Brauerei GmbH hat indes seit Anfang April einen neuen CEO: Thilo R. Pomykala. Er verantwortet die Bereiche Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung und Logistik. Damit ist nach eigenen Angaben die Geschäftsführung, bestehend aus Pomykala, Steinberg und Kollmar, komplett.

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