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Ich muss es sagen, wie es ist: Mein Hirn hat während der Hitzewelle in der vergangenen Woche nicht so super funktioniert wie sonst. Meine Gedanken waren langsamer und noch immer bin ich nicht wieder ganz auf der Höhe: Weil ich zusätzlich zur Hitzebelastung wegen der Hitze mehrere Tage nur wenig und das nicht gut schlafen konnte, bin ich auch jetzt noch matschig in der Birne. Ich habe mein Bestes gegeben, doch das war weniger als an normalen Tagen. Und jetzt steht auch schon die nächste Hitzewelle vor der Türe.
Wie mir ging und geht es vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland. Wer draußen oder körperlich arbeitet, ist besonders belastet. Alle leiden individuell an der Hitze, doch das Problem geht über den Einzelnen hinaus: Es ist ein Problem von Gesellschaft und Wirtschaft. Und das dürfen wir nicht länger kleinreden oder sogar leugnen.
Unternehmen und Wirtschaftsvertreter fordern gebetsmühlenartig bessere Standortbedingungen für Deutschland. Genannt werden hier Steuersenkungen, Bürokratieabbau und niedrigere Kosten für Energie und Personal. Dabei sind die Folgen des Klimawandels ebenfalls ein Standortfaktor für die Wirtschaft. Zuletzt das Jahrhunderthochwasser vor zwei Jahren. Aktuell die Hitzewelle. Das muss mehr in das individuelle und öffentliche Bewusstsein vordringen.
Stillstehende Straßenbahnen in Nürnberg und Würzburg. Zugausfälle bei der Deutschen Bahn (mehr als sonst). Aufgeplatzte Autobahnen. Niedrigwasser auf Bundeswasserstraßen. Gedrosselte Industrien und Kraftwerke. Sinkende Produktivität der Mitarbeitenden. Schlechtere Ernten. Aus alldem resultierende Verzögerungen in den Lieferketten.
Allein ein Hitzetag (Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C) kostet die deutsche Wirtschaft laut einer Prognos-Studie 431 Millionen Euro. Demnach hat uns die Hitzewelle nur von Montag bis Freitag gerechnet 2,15 Milliarden Euro gekostet. Das sind 0,046 Prozent unseres BIP oder fast zehn Prozent des erwarteten Wirtschaftswachstum für dieses Jahr. Einer Studie der Allianz Trade zufolge drohen Deutschland bis 2030 Verluste in Höhe von 131 Milliarden US-Dollar, wenn sich Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen.
Wir müssen in Deutschland und auf europäischer Ebene Nachhaltigkeit und Klimaziele ernst nehmen. Viele müssen sie sogar endlich und erstmals ernst nehmen. Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario, das weit weg und nur vielleicht auf uns zukommt. Er ist schon da.
An ihn müssen wir unsere Art zu leben und zu arbeiten anpassen und verhindern, dass er voranschreitet. 40 Grad sind kein „hammer Freibadwetter“ und auch kein Wetter, bei dem man auf einer Baustelle arbeiten sollte. Unternehmen brauchen Notfallpläne für Hitzewellen und Katastrophen wie Hochwasser. Sie sollten die Arbeitsorte etwa durch flexible Arbeitszeiten oder Sonnenschutz im Freien an die heißer werdenden Sommer anpassen und ihr Geschäft so klimaneutral wie möglich aufstellen: den CO₂-Ausstoß reduzieren, den Ressourcenverbrauch optimieren und mehr auf Kreislaufwirtschaft setzen.
Die Politik, von der Kommunalebene bis zur EU, muss das Problem ernst nehmen. Die Energiewende beschleunigen und die Unternehmen auf ihrem Weg unterstützen und fördern (bitte nicht durch mehr Bürokratie). Wir brauchen grünere Städte und einen Ausbau des Nah- und Fernverkehres.
Das ist keine vollständige Liste, fühlen Sie sich frei, sie zu ergänzen.
Ja, Klimaziele müssen so gestaltet sein, dass die deutschen Unternehmen wettbewerbsfähig sein können. Aber es geht bei Wirtschaft und Klimaschutz nicht um ein „gegeneinander“ oder ein „entweder – oder“. Wenn wir nichts oder zu wenig tun, schwindet unsere Wettbewerbsfähigkeit ebenfalls. Ganz zu schweigen von unserer Lebensgrundlage.
Denn die Hitzetage und andere Extremwetterereignisse werden mehr werden. Die Belastungen für den Körper werden größer. Das Risiko für Missernten steigt. Ich verstehe nicht, wie man den Klimawandel und die Folgen, die wir schon spüren, nicht zum Problem mit höchster Priorität machen kann. Kein Tier ist so dumm, dass es sich seinen eigenen Lebensraum zerstört.