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Was Mitarbeitende wirklich bewegt: Diese Augsburger KI liest zwischen den Zeilen
Interview

Was Mitarbeitende wirklich bewegt: Diese Augsburger KI liest zwischen den Zeilen

Das Team von Senze.Ai (von links): Jona Carmon, Felix Gnann, Marcel Rößner und Matthias Richter. Foto: senze.ai
Das Team von Senze.Ai (von links): Jona Carmon, Felix Gnann, Marcel Rößner und Matthias Richter. Foto: senze.ai

Nur noch „Dienst nach Vorschrift“ und keine Bindung zum Arbeitgeber: Das Augsburger Start-up Senze.Ai hält dagegen an. Der Gründer Jona Carmon verrät im Interview, wie seine KI-Plattform zwischen den Zeilen liest und Stimmungen erkennt.

B4BSCHWABEN.de: Wie ist die Idee hinter Senze.Ai entstanden und welches konkrete Problem wollen Sie damit lösen?

Jona Carmon: Wer heute verstehen will, was Mitarbeitende wirklich bewegt, hat im Wesentlichen zwei Optionen. Entweder standardisierte Multiple-Choice-Befragungen, die schnell ausgerollt sind, aber kaum in die Tiefe gehen. Oder klassische Interviews, die zwar echte Einblicke liefern, jedoch aufwendig sind und sich meist nur auf vereinzelte Mitarbeiter beschränken. 

Genau darüber bin ich mit meinem Mitgründer Felix Gnann ins Gespräch gekommen und wir waren uns schnell einig: Das, was Menschen wirklich bewegt, bleibt in klassischen Formaten oft unsichtbar. Ich habe den technischen Blick eingebracht, mit dem Wissen, dass moderne Sprachmodelle diese Lücke schließen könnten. Matthias Richter, ebenfalls Mitgründer, entwickelte darauf aufbauend einen ersten technischen Ansatz, die imu Augsburg steuerte Marktzugang und methodisches Know-how bei. So entstand Senze.Ai – nicht im Labor, sondern entlang echter Kundenprojekte.

Sie nutzen KI, um emotionale Dynamiken in Organisationen zu erkennen. Wie genau muss man sich das technisch vorstellen?

Senze.Ai analysiert Texte über eine spezialisierte Infrastruktur mit hunderten parallel laufenden Analysen und liefert in Minuten ein strukturiertes Bild: Welche Themen dominieren? Wo gibt es Spannungen? Welche Emotionen schwingen mit? Dabei gilt für uns ein klares Prinzip: Die KI macht strukturierte Vorschläge, der Mensch entscheidet, was davon relevant ist. Jedes Ergebnis ist auf paraphrasierte Originalzitate rückführbar. Kein Orakel, sondern ein transparentes Werkzeug, dem man vertrauen kann, weil jeder Schritt nachvollziehbar ist.

Wie stellt Senze.Ai sicher, dass die Texte so anonymisiert oder paraphrasiert werden, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht am Schreibstil erkannt werden?

Diese Frage haben wir von Anfang an sehr ernst genommen. Ohne echtes Vertrauen in die Anonymität bekommt man kein ehrliches Feedback, und das wäre das Ende des Produkts.

Technisch greifen mehrere Schutzebenen ineinander. Noch bevor die Analyse beginnt, entfernt ein erstes Modul alle Namen und personenidentifizierenden Elemente. Ein zweites Modul normalisiert anschließend den individuellen Schreibstil, während der inhaltliche Kern erhalten bleibt. Gleichzeitig sind Filterungen auf wenige Personen nicht möglich. So bleibt auch bei Kombinationen aus Abteilung, Standort oder Rolle jede einzelne Stimme geschützt.

Senze.Ai hat kürzlich den Businessplan Wettbewerb Schwaben 2026 gewonnen, herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Wir freuen uns sehr und sind wirklich dankbar dafür, gerade weil die Konkurrenz so stark war. Die Anerkennung durch eine Jury bedeutet uns viel. Besonders bedeutsam ist für uns jedoch auch der regionale Bezug: Viele unserer Kunden kommen aus Augsburg und der Umgebung. Der Wettbewerb selbst war dabei genauso wertvoll wie Sieg, vor allem durch das Feedback, den Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern und die kritischen Fragen der Jury.

Der Gallup-Index hat jüngst gezeigt: Die Bindung zum Unternehmen ist so niedrig wie seit über zehn Jahren nicht mehr, die Bereitschaft zu wechseln umso höher. Wie hilft Senze.Ai Führungskräften dabei, ihre Teams wieder besser zu verstehen?

Emotionale Distanz entsteht schleichend und bleibt oft lange unbemerkt, bevor sie sich in Kündigungen oder innerem Rückzug zeigt. Genau hier setzt senze.ai an: mit einer fundierten Datenbasis, die frühzeitig Transparenz schafft und Entwicklungen sichtbar macht, bevor sie kritisch werden. Dabei ist senze.ai weniger reaktive Feuerwehr als vielmehr präventive Gesundheitsvorsorge für Organisationen. Die Bewertung und Entscheidung bleiben beim Menschen, stehen aber auf einer deutlich besseren Grundlage.

Welchen ersten Schritt empfehlen Sie Unternehmerinnen und Unternehmern, um eine Arbeitskultur zu etablieren, die Mitarbeitende nicht nur hält, sondern wieder wirklich begeistert?

Zuhören – wirklich zuhören. Mit offenen Fragen, statt standardisierten Skalen. Schon das Gefühl, ernsthaft gehört zu werden, verändert viel. Sichtbarkeit ist ein oft unterschätzter Motivationshebel.

Was sind die nächsten großen Meilensteine für Senze.Ai?

Kurzfristig ist unser Ziel, die Marke von 100 Kunden zu erreichen und gleichzeitig unser Beraternetzwerk weiter auszubauen. Bereits heute sind zahlreiche Beraterinnen und Berater an unsere Plattform angebunden oder befinden sich im Onboarding-Prozess, mit steigender Tendenz. Mittelfristig streben wir an, uns als verlässliche Größe in der deutschsprachigen Organisationsentwicklung zu etablieren. Dafür sehen wir zwei zentrale Wege: zum einen über unser wachsendes Netzwerk, zum anderen zunehmend über Unternehmen, die Senze.Ai direkt einsetzen.

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