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B4BSCHWABEN.de: Ende Oktober 2025 haben Sie den Augusta Wirtschaftspreis für Frauen erhalten, als Zukunftspionierin des Jahres. Was waren Ihre Gedanken in dem Moment?
Dr. Marietta Menner: Im ersten Moment war ich tatsächlich sehr überwältigt, weil ich nicht damit gerechnet hatte. Es hat mich auch gefreut, dass Oberbürgermeisterin Eva Weber die Laudatio über mich gehalten hat. Ihre lobenden Worte haben mir nochmal gezeigt, wie facettenreich und sinnstiftend meine Arbeit der letzten Jahre war. Oft reflektiert man zu selten, was man schon alles geschafft hat, sondern ist immer auf die nächsten Projekte fokussiert. Für mich persönlich ist der Preis eine Wertschätzung für all die Initiativen, die wir als Bildungsteam in den letzten Jahren auf den Weg gebracht haben.
Sie haben ursprünglich eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation gemacht. Dann Lehramt studiert und leiten seit 2017 den Geschäftsbereich MINT-Ausbildung am Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung der Uni Augsburg und sind nun auch Teil des Vorstands des Centre for Future Production. Wie kam es dazu, dass Sie keine Lehrerin an der Schule wurden?
Das war ein spannender Weg. Während meines Lehramtsstudiums an der Universität Augsburg arbeitete ich als studentische Hilfskraft im Büro des Anwenderzentrums Material- und Umweltforschung (AMU). Als nach meinem Examen in Bayern kaum Lehrkräfte für meine Fächer Deutsch und Geschichte gebraucht wurden, blieb ich an der Universität und betreute als Pädagogin das Projekt „MAI Bildung“ im Rahmen des MAI Carbon Spitzenclusters. Ich fand es sehr spannend, in dieser Zeit ein Schülerlabor zum Thema Faserverbund aufzubauen und hatte gleichzeitig mit Schülerinnen und Schülern zu tun. Ich habe dann schnell festgestellt, dass mir das Lernen mit Kindern ohne Notendruck gefällt und es mir Spaß macht, neue Ideen für den Forschungstransfer zu entwickeln. Im Zuge des Aufbaus des DLR School_Labs an der Universität wurde dann eine permanente Stelle in der Geschäftsstelle des AMU frei. 2021 erhielt ich die spannende Möglichkeit, das KI-Bildungsprogramm des KI-Produktionsnetzwerks an der Universität Augsburg zu gestalten. Im Sommer 2025 wurde ich dann in den Vorstand des Centre for Future Production gewählt.
Sie sind als Frau im MINT-Bereich durchgestartet. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft arbeiten deutschlandweit im MINT-Bereich nur 16,4 % Frauen. In Augsburg sind es sogar nur 12,6 %. Haben Sie Ideen, wie mehr Frauen in die MINT-Bereiche kommen können?
Das ist ein wichtiges Thema für mich. Ich persönlich bin der Meinung, dass man immer noch viel zu spät versucht, Kinder für die MINT-Fächer zu begeistern, und zwar geschlechterunabhängig. Man müsste eigentlich in den Kindergärten bereits anfangen. Kinder in dem Alter experimentieren noch unglaublich gerne, probieren Sachen aus. Ich denke, es geht in der frühkindlichen Bildung unheimlich viel MINT-Potenzial verloren. Denn es hängt davon ab, welches persönliche Umfeld die Kinder und vor allem Mädchen haben. Haben sie Eltern, die es ihnen zutrauen, in einem naturwissenschaftlichen Beruf zu arbeiten? Oder Lehrkräfte, die sie darin bestärken? Meine Lehrkräfte haben mir immer suggeriert, dass ich im MINT-Bereich nichts kann und deswegen habe ich mir da auch nie etwas zugetraut. Ich konnte mir zu meiner Schulzeit aber auch schlecht vorstellen, was „MINT“ tatsächlich ausmacht.
In ihrer Laudatio hieß es, dass sie die Brücke zwischen Theorie und Praxis schlagen, zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und zwischen Schule und Unternehmen. Wie schaffen Sie diesen Praxisbezug für Ihre Zielgruppen?
Uns ist wichtig, Naturwissenschaften so zu erklären, dass man Phänomene erkennt, die einem auch im Alltag begegnen. Beispielsweise haben wir im Schülerlabor einen Baustein, bei dem es darum geht, warum ein Flugzeug überhaupt fliegt. Fast alle Kinder, die zu uns kommen, sind schon mal geflogen, haben sich aber noch nie Gedanken darüber gemacht. An so einem Konzept kann man gut zeigen und erklären, warum es wichtig ist, dass man dazu forscht. Im Unternehmenskontext haben wir mit der IHK Schwaben und der HWK für Schwaben das KI-Zusatzzertifikat für Auszubildende entwickelt. Dort bereiten wir die aktuelle Forschung zu künstlicher Intelligenz so auf, dass die Unternehmen quasi just in time von der aktuellen Forschung profitieren können. Die Auszubildenden, aber auch die Ausbilderinnen und Ausbilder, lernen bei uns in verschiedenen Lernsettings die Chancen und Grenzen von KI für ihren eigenen Berufsalltag kennen.
KI wird bleiben und ist für uns alle neu, auch für Auszubildende und Fachkräfte in den Betrieben. Wie kann, über das Zertifikat hinaus, KI und der Nutzen in die Unternehmen gebracht und Auszubildenden wie Fachkräften beigebracht werden?
Damit beschäftigen wir uns aktuell stark. Auf der einen Seite haben wir ein unterschiedliches Wissensniveau bei KI. Es gibt bereits Fachkräfte, die KI zu nutzen wissen. Die können dann auch spezifisch geschult werden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Fachkräfte, die sich noch nicht mit KI auskennen oder Ängste damit verbinden. Man muss diese Gruppe also dazu motivieren, sich mit dem Thema vertraut machen zu wollen. Wir müssen, wie bei der Digitalisierung, dahin kommen, dass jeder für sich versteht: Ich muss mich mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen. Im Grunde müsste man sich ein übergeordnetes Bildungskonzept überlegen, mit dem man schon in den allgemeinbildenden Schulen anfängt, für das Thema zu sensibilisieren: Wie eine künstliche Intelligenz funktioniert, wie man gewisse Tools nutzt und wo auch (ethische) Grenzen sind und dass man KI-Antworten auch kritisch hinterfragen muss. Wenn solch ein Grundlagenwissen schon da wäre, würden sich auch die Unternehmen leichter tun.