Jubiläums-Interview

TUXEDO Computers: Ein Blog wird zum Online-Shop

2004 fing alles mit dem „Linux-Onlineshop.de“ an, heute führt Herbert Feiler ein 30-köpfiges Team in Augsburg unter dem Namen TUXEDO Computers GmbH. Wie sich das Unternehmen entwickelt hat, wie es dem Fachkräftemangel begegnet und wie es mit dem Digitalen Zentrum Schwaben zusammenhängt, verriet der Geschäftsführer im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie haben vor 15 Jahren TUXEDO gegründet – wie kam es dazu?

Herbert Feiler: 2001 kam Windows XP heraus, also stand ein Umstieg von meinem Windows 95 an. Wenn ich mich nun also ohnehin an eine andere Benutzeroberfläche gewöhnen muss, wieso dann nicht auch gleich richtig umsteigen und sich an ein Linux gewöhnen? Gesagt, getan. 2002 habe ich dann angefangen, auf Linux umzusteigen. Das war damals ein SuSE Linux 7.3. Direkt nach den ersten Hürden wuchs in mir die Idee, eine Website – heute würde man es Blog nennen – zu verfassen, die meinen Umstieg begleitet, auf welcher ich meine Erfahrungen teilen und von meinen Schwierigkeiten berichten kann, um so anderen Umsteigern einige Probleme zu ersparen. Dieser Website/diesem Blog folgte dann nach kurzer Zeit ein Forum, um auf Fragen besser eingehen zu können und generell Diskussionen unter den Lesern anzuregen. Häufig wurde gefragt, wo man denn Linux beziehen kann. Warum Kunden wegschicken und nicht selbst dann auch das Gewünschte anbieten? So wurde dann 2004 der „Linux-Onlineshop.de“ geboren.

Dort haben Sie dann individuelle PCs vertrieben?

Den Anfang machten Software-Boxen, ein paar Bücher und viele Fanartikel. Von Plüschtieren über Tassen, Mousepads, Baseballcaps bis hin zu kleinen Stickern. Mit der Zeit blieben natürlich auch Fragen nach Hardware nicht aus. Lange Zeit habe ich extern weiterverwiesen, aber zunehmend tauchten dann andere Probleme von Kunden auf. Letztendlich hatte ich die Idee, den Interessierten Geräte selbst zur Verfügung stellen zu können.

Begonnen habe ich damals mit PCs, denn diese sind vergleichsweise einfach. 2006 kamen Notebooks hinzu – hier war die Zusammensetzung schon schwieriger. Notebooks sind aufgrund der sehr begrenzten Abmessungen nicht so modular und flexibel wie Desktop PCs. Um selbst direkt in Fernost fertigen zu lassen, war meine Firma noch zu klein. Aber mit den richtigen Partnern und mit der Zeit ist das ganze Konzept ausgereift und so konnten die ersten Notebooks angeboten werden.

Mittlerweile ist das kleine Pflänzchen, das – auch das klingt wieder nach einem Klischee – im Keller begonnen hat, zu einem mittelständischen Unternehmen herangewachsen und heißt TUXEDO Computers. Heute haben wir rund 30 Mitarbeiter – jetzt in Augsburg: Support, Entwicklung, Marketing usw. Die Fertigung in Leipzig hat noch weitere 80 Mitarbeiter.

Sie sind Partner des Digitalen Zentrums Schwaben. Wie arbeiten Sie hier zusammen?

Wir möchten regionale Kräfte bündeln und Potenzial nutzen. Wichtig für uns ist darüber hinaus eine Unterstützung für alternative Arbeitsweisen und -räume, vor allem aber auch eine gegenseitige Unterstützung und ein Austausch regionaler Angebote.

Ihr Unternehmen hat auf der Hackerkiste 2019 in Augsburg ausgestellt. Wie wichtig sind solche Events und Messen für TUXEDO?

Wir waren bereits bei der ersten Hackerkiste dabei, die vom DZ.S veranstaltet wird. Wir unterstützen gerne lokale Events und nutzen sie, um für Fragen der Kunden zu unseren Notebooks zur Verfügung stehen zu können und Ihnen die Gelegenheit zu bieten, die Geräte ausprobieren zu können, da wir ein reiner Online-Shop sind und keine Ausstellungsräume haben.

Warum bieten Sie „nur“ einen Onlineshop an?

Die Fertigung ist nicht vor Ort, sondern in Leipzig bei unserem Schwesterunternehmen. Dass das so ist, hat reine logistische Gründe und Synergieeffekte. Der Support, das Marketing und die Entwicklung befinden aber hier in Augsburg im BCM. Kunden können aber uns Bescheid geben, dass Sie ein bestimmtes Modell vorher sehen oder ausprobieren wollen und wir bestellen es nach Augsburg und vereinbaren mit den Kunden einen Termin. Auch wenn sie kein Ladengeschäft vorfinden, haben Kunden große Vorteil durch das Onlinegeschäft: hier haben diese automatisch ein 14-tägiges Rückgaberecht für ihr Gerät.

Wie gehen Sie mit dem Problem „Fachkräftemangel“ um?

Wir profitieren durch unseren Ruf in einer kleinen Szene und von Mundpropaganda. Natürlich haben wir auch Stellenanzeigen geschaltet und bieten Schülern sowie Studenten Praktika an. Auch werden wir mittlerweile häufiger nach Abschlussarbeiten gefragt und stehen hier für Interviews und Fragen gerne zur Verfügung. Für die Hochschule Augsburg ist nächstes Jahr ein Vortrag als Teil der Vorlesung zu Betriebssystemen geplant. Des Weiteren erweitern wir über Messen und den sogenannten Linuxtagen unseren Bekanntheitsgrad und rücken immer mehr in den Fokus von (angehenden) Facharbeitern. Dieses Jahr haben wir auch unsere erste Auszubildende: Sie wird Fachinformatikerin für Systemintegration.

TUXEDO ist nach Augsburg umgezogen. Was erhoffen Sie sich vom neuen Standort?

Wir benötigten mehr Platz, da das Team stark gewachsen ist. Zudem ist der Großteil der Mitarbeiter aus Augsburg und mit einem Umzug in das BCM haben wir die Anbindung an den Arbeitsplatz verbessert und erleichtert – die Mitarbeiter haben mehrere Möglichkeiten hierher zu kommen. Außerdem haben wir weitere Möglichkeiten zur Erweiterung der Räumlichkeiten nach Bedarf. Auch die Aufteilung der Büroräume führt zu einer optimalen Arbeitsatmosphäre – Kollegen können sich schnell besprechen und Informationen austauschen sowie kreativ arbeiten. Wir profitieren weiter durch das Umfeld, da wir uns zwischen Technologiepark, Universität und dem Digitalen Zentrum befinden.

Welche Zukunftspläne haben Sie für TUXEDO?

Zukünftig möchten wir uns zu einer etablierten Alternative zu bekannten Betriebssystemen mit Vor-Ort-Service für die Stadt Augsburg und die Region entwickeln. Außerdem arbeiten wir derzeit an unserem eigenentwickelten Linuxsystem, das speziell auf unsere Geräte zugeschnitten ist. Des Weiteren soll weiterhin eine eigene Softwareentwicklung für unsere Laptops und PCs in Vordergrund stehen, besonders für fehlende Programme. Aber auch die Entwicklung eigener Software und Treiber, die die Hardware noch besser nutzen und das volle Potenzial der Geräte entfaltet, soll ausgebaut werden. Zusätzlich bieten wir einen Cloudspeicher nach höchsten Sicherheits- und Datenschutzstandards an, den wir stetig aktualisieren und erweitern.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie haben vor 15 Jahren TUXEDO gegründet – wie kam es dazu?

Herbert Feiler: 2001 kam Windows XP heraus, also stand ein Umstieg von meinem Windows 95 an. Wenn ich mich nun also ohnehin an eine andere Benutzeroberfläche gewöhnen muss, wieso dann nicht auch gleich richtig umsteigen und sich an ein Linux gewöhnen? Gesagt, getan. 2002 habe ich dann angefangen, auf Linux umzusteigen. Das war damals ein SuSE Linux 7.3. Direkt nach den ersten Hürden wuchs in mir die Idee, eine Website – heute würde man es Blog nennen – zu verfassen, die meinen Umstieg begleitet, auf welcher ich meine Erfahrungen teilen und von meinen Schwierigkeiten berichten kann, um so anderen Umsteigern einige Probleme zu ersparen. Dieser Website/diesem Blog folgte dann nach kurzer Zeit ein Forum, um auf Fragen besser eingehen zu können und generell Diskussionen unter den Lesern anzuregen. Häufig wurde gefragt, wo man denn Linux beziehen kann. Warum Kunden wegschicken und nicht selbst dann auch das Gewünschte anbieten? So wurde dann 2004 der „Linux-Onlineshop.de“ geboren.

Dort haben Sie dann individuelle PCs vertrieben?

Den Anfang machten Software-Boxen, ein paar Bücher und viele Fanartikel. Von Plüschtieren über Tassen, Mousepads, Baseballcaps bis hin zu kleinen Stickern. Mit der Zeit blieben natürlich auch Fragen nach Hardware nicht aus. Lange Zeit habe ich extern weiterverwiesen, aber zunehmend tauchten dann andere Probleme von Kunden auf. Letztendlich hatte ich die Idee, den Interessierten Geräte selbst zur Verfügung stellen zu können.

Begonnen habe ich damals mit PCs, denn diese sind vergleichsweise einfach. 2006 kamen Notebooks hinzu – hier war die Zusammensetzung schon schwieriger. Notebooks sind aufgrund der sehr begrenzten Abmessungen nicht so modular und flexibel wie Desktop PCs. Um selbst direkt in Fernost fertigen zu lassen, war meine Firma noch zu klein. Aber mit den richtigen Partnern und mit der Zeit ist das ganze Konzept ausgereift und so konnten die ersten Notebooks angeboten werden.

Mittlerweile ist das kleine Pflänzchen, das – auch das klingt wieder nach einem Klischee – im Keller begonnen hat, zu einem mittelständischen Unternehmen herangewachsen und heißt TUXEDO Computers. Heute haben wir rund 30 Mitarbeiter – jetzt in Augsburg: Support, Entwicklung, Marketing usw. Die Fertigung in Leipzig hat noch weitere 80 Mitarbeiter.

Sie sind Partner des Digitalen Zentrums Schwaben. Wie arbeiten Sie hier zusammen?

Wir möchten regionale Kräfte bündeln und Potenzial nutzen. Wichtig für uns ist darüber hinaus eine Unterstützung für alternative Arbeitsweisen und -räume, vor allem aber auch eine gegenseitige Unterstützung und ein Austausch regionaler Angebote.

Ihr Unternehmen hat auf der Hackerkiste 2019 in Augsburg ausgestellt. Wie wichtig sind solche Events und Messen für TUXEDO?

Wir waren bereits bei der ersten Hackerkiste dabei, die vom DZ.S veranstaltet wird. Wir unterstützen gerne lokale Events und nutzen sie, um für Fragen der Kunden zu unseren Notebooks zur Verfügung stehen zu können und Ihnen die Gelegenheit zu bieten, die Geräte ausprobieren zu können, da wir ein reiner Online-Shop sind und keine Ausstellungsräume haben.

Warum bieten Sie „nur“ einen Onlineshop an?

Die Fertigung ist nicht vor Ort, sondern in Leipzig bei unserem Schwesterunternehmen. Dass das so ist, hat reine logistische Gründe und Synergieeffekte. Der Support, das Marketing und die Entwicklung befinden aber hier in Augsburg im BCM. Kunden können aber uns Bescheid geben, dass Sie ein bestimmtes Modell vorher sehen oder ausprobieren wollen und wir bestellen es nach Augsburg und vereinbaren mit den Kunden einen Termin. Auch wenn sie kein Ladengeschäft vorfinden, haben Kunden große Vorteil durch das Onlinegeschäft: hier haben diese automatisch ein 14-tägiges Rückgaberecht für ihr Gerät.

Wie gehen Sie mit dem Problem „Fachkräftemangel“ um?

Wir profitieren durch unseren Ruf in einer kleinen Szene und von Mundpropaganda. Natürlich haben wir auch Stellenanzeigen geschaltet und bieten Schülern sowie Studenten Praktika an. Auch werden wir mittlerweile häufiger nach Abschlussarbeiten gefragt und stehen hier für Interviews und Fragen gerne zur Verfügung. Für die Hochschule Augsburg ist nächstes Jahr ein Vortrag als Teil der Vorlesung zu Betriebssystemen geplant. Des Weiteren erweitern wir über Messen und den sogenannten Linuxtagen unseren Bekanntheitsgrad und rücken immer mehr in den Fokus von (angehenden) Facharbeitern. Dieses Jahr haben wir auch unsere erste Auszubildende: Sie wird Fachinformatikerin für Systemintegration.

TUXEDO ist nach Augsburg umgezogen. Was erhoffen Sie sich vom neuen Standort?

Wir benötigten mehr Platz, da das Team stark gewachsen ist. Zudem ist der Großteil der Mitarbeiter aus Augsburg und mit einem Umzug in das BCM haben wir die Anbindung an den Arbeitsplatz verbessert und erleichtert – die Mitarbeiter haben mehrere Möglichkeiten hierher zu kommen. Außerdem haben wir weitere Möglichkeiten zur Erweiterung der Räumlichkeiten nach Bedarf. Auch die Aufteilung der Büroräume führt zu einer optimalen Arbeitsatmosphäre – Kollegen können sich schnell besprechen und Informationen austauschen sowie kreativ arbeiten. Wir profitieren weiter durch das Umfeld, da wir uns zwischen Technologiepark, Universität und dem Digitalen Zentrum befinden.

Welche Zukunftspläne haben Sie für TUXEDO?

Zukünftig möchten wir uns zu einer etablierten Alternative zu bekannten Betriebssystemen mit Vor-Ort-Service für die Stadt Augsburg und die Region entwickeln. Außerdem arbeiten wir derzeit an unserem eigenentwickelten Linuxsystem, das speziell auf unsere Geräte zugeschnitten ist. Des Weiteren soll weiterhin eine eigene Softwareentwicklung für unsere Laptops und PCs in Vordergrund stehen, besonders für fehlende Programme. Aber auch die Entwicklung eigener Software und Treiber, die die Hardware noch besser nutzen und das volle Potenzial der Geräte entfaltet, soll ausgebaut werden. Zusätzlich bieten wir einen Cloudspeicher nach höchsten Sicherheits- und Datenschutzstandards an, den wir stetig aktualisieren und erweitern.

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