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Treibt das KHSG das Klinikum Augsburg in den wirtschaftlichen Ruin?
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Klinikum Augsburg

Treibt das KHSG das Klinikum Augsburg in den wirtschaftlichen Ruin?

 Dr. Markus Wehler, Siegfried Hasenbein, Alexander Schmidtke, Stefan Graf, Dr. Tobias Hermann. Foto: B4B SCHWABEN

Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) ist dafür gedacht, die deutschen Krankenhäuser qualitativ besser und gleichzeitig finanziell tragbarer zu machen. Doch schafft es das wirklich? Die Vertreter der regionalen Krankenhäuser sind skeptisch. Auch am Klinikum Augsburg sieht man dem KHSG mit Argwohn entgegen.

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) will die Bundesregierung eine Qualitätsoffensive starten: Künftig sollen die deutschen Krankenhäuser besser und gleichzeitig wirtschaftlicher werden. Für die Krankenhäuer beinhaltet der bisherige Entwurf allerdings fatale Folgen. Beim 2. Mediendialog des Klinikums Augsburg fordern die Teilnehmer einstimmig Nachbesserungen. „Was uns wütend macht ist, dass das KHSG mit vielen populistischen Schlagwörtern arbeitet, aber dass das Verhängnisvolle, das sich hinter dem Gesetz verbirg, vertuscht wird“, so Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

Warum kommt das KHSG?

„Die Politik ist nicht länger bereit, immer mehr Geld in marode Krankenhausstrukturen zu schütten“, erklärte Hasenbein, „dies ist eine Haltung, die aus unserer Sicht grundsätzlich zu unterstützen ist. Aber nicht auf diese Art und Weise. Nicht, in dem allen Krankenhäusern ihre finanzielle Grundlage entzogen wird.“ Auch das Klinikum Augsburg will mithilfe eines 10-Jahresplans wirtschaftlicher werden. Alexander Schmidtke, Vorstandsvorsitzender und Vorstand Finanzen & Strategie des Klinikums Augsburg, plant allerdings eine Optimierung von Prozessabläufen, um Kosten zu sparen. „Strukturqualität ist messbar, Ergebnisqualität ist es nicht“, so Dr. Tobias Hermann, Geschäftsführer Ärztlicher Vorstand des Klinikums Augsburg, „wir müssen uns überlegen, was Qualität für uns und unsere Patienten bedeutet.“

Welche Veränderungen bringt das KHSG für das Klinikum Augsburg?

Ein großes Problem des KHSG ist, dass die Personalkostensteigerung nicht mitfinanziert wird. Dabei ist allgemein bekannt, dass diese den Löwenanteil des Krankenhausbudgets beanspruchen. Im Klinikum Augsburg beträgt die Personalkostensteigerung jährlich rund 2,7 Prozent. Finanziert werden durch das KHSG aber nur 1,55 Prozent. Für das Klinikum Augsburg bedeutet dies einen finanziellen Verlust von rund 4 Millionen Euro. Dabei ist dies nur ein Punkt im 137 Seiten langen Entwurf zum KHSG, der sich auf die finanzielle Situation des Klinikums Augsburg negativ auswirkt. „Die Zitronen können nicht weiter ausgepresst werden. Wir haben nach dem KHSG gar keine andere Wahl, als stärker auf Konsolidierungskurs zu gehen oder hohe Verluste zu machen“, fasste Schmidtke die Problematik zusammen.

Was bedeutet das KHSG für die Finanzierung der Pflege?

Um noch konkreter zu werden: Das Pflegestellenförderprogramm im KHSG beinhaltet eine Summe von 660 Millionen Euro für drei Jahre, die den Krankenhäusern insgesamt zugutekommen sollen. Das klingt zunächst einmal nach viel Geld. Umgerechnet bedeutet es aber, dass pro Krankenhaus im Durchschnitt zwei bis drei neue Pflegestellen geschaffen werden sollen, wovon nur 90 Prozent finanziert werden. „Das KHSG wird uns so in keinster Weiser helfen“, so Stefan Graf, stellvertretender Vorstand Pflege des Klinikums Augsburg. Dieser Einschätzung schloss sich auch Dr. Markus Wehler, stellvertretender Ärztlicher Vorstand des Klinikums Augsburg, an.

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Wie kommen Mehrleistungen zustande?

Ein unterschwelliger Vorwurf, der den Krankenhäusern gemacht wird: Es werden immer wieder Operationen durchgeführt, die aus medizinischer Sicht unnötig waren, den Krankenhäusern aber Geld bringen. Dem widerspricht Schmidtke vehement: „Sicherlich gibt es schwarze Schafe in Deutschlands Kliniklandschaft, aber an unserem Krankenhaus operiert niemand aus wirtschaftlichen Gründen.“ Dr. Tobias Hermann ergänzte: „Die Patienten sind da. Wir suchen sie nicht, sie kommen. Der Bedarf ist da.“ Wie lässt sich dann erklären, dass immer mehr Operationen durchgeführt werden, obwohl die Bevölkerungsdichte nicht in diesem Rahmen wächst? „Durch den medizinisch-technischen Fortschritt“, so Hermann, „eine immer älter werdende Bevölkerung erwartet eine immer höhere Lebensqualität. Und das ist eine gute Sache.“

Rund 400 Krankenhäuser in Deutschland zu viel

Auch den Wertachkliniken, die sich zuletzt über ein positives wirtschaftliches Ergebnis freuen konnten, bringt das KHSG viele Probleme. „Mit je 130 Betten pro Haus sind wir ein kleines Krankenhaus. Wenn das KHSG so verabschiedet wird, werden wir in Zukunft verschiedene Leistungen wohl einfach nicht mehr anbieten können“, so Martin Gösele, Vorstand Wertachkliniken Bobingen und Schwabmünchen. Es macht vor diesem Hintergrund wenig Sinn, die Krankenhäuser für Mehrleistungen mit Abschlägen zu bestrafen. „Ein hoher Zulauf spricht für die Qualität eines Krankenhauses“, erklärt Hermann, „die Einrichtungen auf dem Land sollen schließen, gleichzeitig soll zu hoher Patientenzulauf in große Kliniken nicht bezahlt werden. Das ist für uns eine Katastrophe.“ Uli-Gerd Prillinger, Geschäftsführer der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen gGmbH, stellte abschließend fest: „Wenn das KHSG so durchgeht, dann bedeutet das, das wir bereit sind, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt in den Müll zu kippen. Qualität hat nun einmal ihren Preis. Und mit weniger Geld, als wir jetzt zur Verfügung haben, ist dieses Ziel nicht machbar.“

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