Kommentar zum Sport-Sponsoring

Sind Augsburger Unternehmen knauserige Geldgeber für den FCA?

Alfred Finnbogason beim Spiel gegen den 1. FC Köln. Foto: FC Augsburg
„baramundi“ heißt so viel wie „Für die Welt“. Für den FC Augsburg heißt baramundi seit neuestem auch „Trikot-Ärmel-Sponsor“. Das Unternehmen gibt dafür einen mittleren sechsstelligen Betrag aus – zu wenig, wie manche regionale Medien finden. Denn im Bundesliga-Vergleich landet das Ärmel-Sponsoring auf dem letzten Platz. Ein voreiliges und fahrlässiges Urteil.

Der Fußball findet zunehmend seinen Weg von der Sportseite in den Finanzteil: Rekord-Transfersummen, große Sponsoring-Verträge, Werbe-Kooperationen mit Spielern. Der zunehmende Kommerz löst an vielen Stellen daher Aufschreie aus. Das gilt nicht nur für die Zahlungen in schwindelerregender Höhe, sondern auch beim Blick auf die unteren Tabellenränge. Plötzlich gelten sechsstellige Beträge als Peanuts und ein regional ansässiger Mittelständler wird als knauserig bezeichnet, weil er sich mit dem Sponsoring-Budget eines Groß-Konzerns vergleichen lassen muss.

Es stimmt, im Vergleich mit anderen Vereinen der Bundesliga erhält der FC Augsburg am wenigsten für den Sponsoren-Platz auf dem Trikot-Ärmel. Der Abstand zum Top-Verdiener FC Bayern München liegt sogar etwa beim 20-fachen, wenn man den kursierenden Zahlen Glauben schenken darf. Blickt man jedoch auf die Namen der Geldgeber, fällt auf, dass sich nicht nur die Summen, sondern auch die Wertevorstellungen der Sponsoren unterscheiden: Der FC Bayern wird von Katars Hamad International Airport (HIA) unterstützt. Ein Flughafen, den die Lufthansa aus dem Flugplan genommen hat und dessen Luftraum die Nachbarstaaten zeitweise gesperrt hatten. Grund waren die verhängten Sanktionen gegen das Land, ausgelöst durch politische Spannungen. Der FCA dagegen hat als Partner einen heimischen Mittelständler.

Schlagzeilen oder Vorwürfe wie „Menschenrechts-Verletzungen“, „Sklaven-Arbeit“ oder „Finanzierung des Terrors“ tauchen im Zusammenhang mit dem Software-Entwickler aus Augsburg nicht auf. Im Gegenteil: Mit baramundi kann sich der Verein bestens identifizieren, so wie es bei einem Sponsor auch sein sollte. Als Arbeitgeber von über 140 Mitarbeitern wächst der Mittelständler jährlich, ist weltweit erfolgreich und fördert auch kleine regionale Sport-Teams. Und nun eben auch den FC Augsburg mit einer Summe, für die ein Durchschnitts-Verdiener mit einem jährlichen Netto-Verdienst von 25.000 Euro rund 20 Jahre arbeiten müsste. Ein Investment, das es wahrlich nicht verdient hat, als Schlusslicht einer Tabelle abfällig abgetan zu werden.

Was soll uns diese Liste überhaupt schon sagen? Ein Spiegel des Marktwerts eines Vereins? Die Tiefe der Taschen einiger Sponsoren? Das Verhandlungsgeschick der Sport-Agenturen? Am Ende ist diese Statistik nur das: Ziffern auf Papier. Doch wer den Fußball kennt, der weiß – spielentscheidend ist nicht die Analyse toter Zahlen, sondern die Leidenschaft die das Team zeigt. Mit dem richtige Partner vor Ort holt man so drei Punkte gegen Köln, oder lässt eben drei in Hoffenheim liegen.

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