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SGL Carbon bleibt trotz eines rückläufigen Umsatzes auf Kurs. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz zwar um 13 Prozent auf 394,2 Millionen Euro, dennoch bestätigt der Spezialgraphit-Hersteller seine Prognose für das Gesamtjahr. Rückenwind liefern die Restrukturierung des Carbonfasergeschäfts und die strategische Neuausrichtung auf Zukunftsmärkte.
Der Umsatzrückgang kommt für SGL Carbon nicht überraschend. Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, sich aus defizitären Geschäftsaktivitäten im Carbonfasergeschäft zurückzuziehen. Dadurch fehlen im Vergleich zum Vorjahr Umsätze. Gleichzeitig belasteten eine schwächere Nachfrage im Geschäftsbereich Graphite Solutions sowie die zurückhaltende Investitionsbereitschaft in der Chemieindustrie die Geschäftsentwicklung.
Operativ entwickelte sich der Konzern dennoch stabil. Das bereinigte EBITDA ging im ersten Halbjahr lediglich um 3,7 Prozent auf 69,8 Millionen Euro zurück. Die EBITDA-Marge verbesserte sich gleichzeitig von 16,0 auf 17,7 Prozent. Unter dem Strich erzielte SGL Carbon wieder einen Gewinn von 11,8 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 31,4 Millionen Euro angefallen war.
„SGL Carbon ist trotz des weiterhin herausfordernden Marktumfelds auf einem guten Weg, die Ziele für 2026 zu erreichen“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Klein. Mit der Strategie „SGL Growth 2030“ richte das Unternehmen den Konzern konsequent auf wachstumsstarke Märkte wie Halbleiter, Energiegewinnung, Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt aus.
Besonders positiv entwickelte sich der neu aufgestellte Geschäftsbereich Fiber Composites. Nach der Restrukturierung des Carbonfasergeschäfts verbesserte sich das bereinigte EBITDA deutlich auf 18,9 Millionen Euro. Auch die EBITDA-Marge stieg von 6,9 auf 19,0 Prozent.
Im größten Geschäftsbereich Graphite Solutions legte der Umsatz zwar zu, allerdings vor allem aufgrund von Ausgleichszahlungen aus angepassten Lieferverträgen mit Halbleiterkunden. SGL Carbon hatte die Kunden beim Abbau ihrer Lagerbestände unterstützt und dafür Kompensationszahlungen erhalten.
Deutlich schwieriger verlief das erste Halbjahr im Geschäftsbereich Process Technology. Vor allem die schwache Investitionsbereitschaft der Chemieindustrie führte zu einem Umsatzrückgang von mehr als 28 Prozent. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten und regulatorische Unsicherheiten veranlassten viele Kunden dazu, Investitionen zu verschieben.
Trotz des schwierigen Marktumfelds hält SGL Carbon an seiner Prognose für das laufende Geschäftsjahr fest. Das Unternehmen erwartet weiterhin einen Konzernumsatz zwischen 720 und 770 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von 110 bis 130 Millionen Euro.
Die Halbjahreszahlen stützen damit den Kurs, den Vorstandschef Andreas Klein bereits im Interview mit B4BSCHWABEN.de skizziert hatte. Darin kündigte er an, den Konzern nach der Restrukturierung mit Zukunftsmärkten wie Halbleitern, Small Modular Reactors sowie der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie wieder auf Wachstumskurs bringen zu wollen.
Erst Anfang August untermauerte SGL Carbon diese Strategie mit dem Ausbau der Partnerschaft mit dem US-Unternehmen X-energy. Gemeinsam wollen beide Unternehmen die Produktionskapazitäten für Nukleargraphit bis 2030 verdoppeln und damit die Lieferkette für Small Modular Reactors ausbauen.