Ratgeber-Revival?

Prof. Dr. Michael Jünger: „Vertrauen zu regionalen Beratern ist größer“

Seit 1. April ist der B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN BERATERPOOL online. Darin teilen Experten aus der Region ihr Wissen mit Unternehmern, die sich mit ihren Fragen an die Redaktion gewandt haben. Prof. Dr. Michael Jünger, Senior Partner der Blue Advisory GmbH, war an der Idee für diese neue Plattform beteiligt. Im Interview erläutert er den Wert von Ratgebern, die sich durch Nähe und überprüfbare Kompetenz auszeichnen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Gefragte und ungefragte Tipps und Empfehlungen, die über uns hereinfluten, fake news ohne Ende und jeden Tag neue, überraschende Herausforderungen: Erleben Ratgeber gerade ein Revival?

Prof. Dr. Michael Jünger: Es ist weniger ein Revival als eine Neuorientierung. Schon bisher war es ja so, dass „Rat geben“ genauso aktives Handeln war wie „Rat annehmen“. Das ist der eigentliche Vorteil für Ratsuchende: Das sie immer noch selbst entscheiden können, ob sie einen Rat auch akzeptieren wollen. In Zeiten, in denen Entscheider von Ratschlägen und Tipps überflutet werden, muss man sich allerdings verstärkt fragen, wie man diese filtert und in welchem Umfang man sie annehmen möchte. Da ist Vertrauen in glaubwürdige Ratgeber in der Tat ein wichtiges Kriterium.

Welche Kriterien lassen sich da im Allgemeinen anlegen, um eine erste Orientierung zu gewinnen?

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Hier sehe ich gerade regionale Plattformen, die beim Wissenstransfer und als Ideengeber an Bedeutung gewinnen. Je näher sich die Person, die Rat oder Tipps gibt, an meinem persönlichen Umfeld befindet, desto eher kann ich auch beurteilen, ob es sich um einen echten Experten handelt. Das fängt schon bei den Referenzen an: Da ist die Wahrscheinlichkeit einfach viel größer, dass man direkten Zugang hat und mal nachfragen kann, wie gut und zuverlässig die Zusammenarbeit mit dieser Person oder einem Unternehmen ist.

Ein klares Plädoyer für Regionalität also?

Regionalität ist ein besonderes Gut. Jede Region ist genau so stark wie das Miteinander der Unternehmen, Organisationen, Politik und Gesellschaft dort. Je geschlossener sich diese Einheit fühlt und agiert, desto wirksamer die wechselseitige Unterstützung. Da sucht man sich Ratgeber nicht in der Ferne, wenn die Kompetenz zum Greifen nah ist.

Welche Art von Ratschlägen ist dabei willkommen: die Flugrichtung in der Meta-Ebene oder die Handlungsanweisung am Boden?

Das hängt zweifellos stark von der Fragestellung an. Wenn ein Unternehmer einen sehr konkreten Informationsbedarf hat, dann helfen ihm Zurufe aus großer Höhe wenig. Andererseits geht bei einem Übermaß an Details das allgemeine Verständnis oft unter. In der Regel besteht der wertvollste Rat schon darin, dass ich die Aktualität und das Umfeld meines Beratungsbedarfs einschätzen kann. Deswegen finde ich den Beraterpool auf B4BSCHWABEN.de eine hervorragende Ergänzung zum bisherigen Nachrichtenangebot dort. Er gewährt mit seinen Fachbeiträgen und Antworten einen guten Überblick, was mein wirtschaftliches Umfeld gerade bewegt. Und es liefert mir unter Umständen einen Hinweis auf ein Thema, das ich sonst übersehen hätte – einschließlich eines Ansprechpartners, mit dem ich es dann vertiefen kann.

Eine Art unternehmerische Lebenshilfe also?

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Den Begriff sehe ich kritisch. Schließlich gehört es zum Selbstverständnis eines Unternehmers, Verantwortung zu übernehmen und Geschäfte zu führen. Da ist eine Grundhaltung präsent, die keine „Lebenshilfe“ braucht. Darum wäre es verfehlt, sich von einem Berater abhängig zu machen oder dessen Beiträge zu überhöhen. Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens auch entsteht ein gutes Ergebnis dann, wenn man partnerschaftlich und aufrichtig miteinander umgeht. Dann verbreitert der nützliche Rat die Entscheidungsbasis.

Zum Schluss noch ein Perspektivwechsel: Wie viel Mut oder Selbsterkenntnis braucht es, damit ein Unternehmer zugibt, einen Rat zu brauchen?

Lassen Sie mich die Frage umdrehen: Wie viel Selbstvertrauen bedarf es, um einen Ratschlag auszuschlagen? Ich bin davon überzeugt, dass man immer dazulernen kann. Indem man einen Gedanken aufgreift und prüft. Indem man seinen Wissenshorizont erweitert. Indem man die Erkenntnisse anderer reflektiert. Und indem man mit einer Frage zeigt, dass man Handlungsbedarf erkannt hat.

Wie geht man damit um, wenn der Ratschlag nicht seinen Erwartungen entspricht?

Das passiert immer dann, wenn die eigene Meinung schon vorgefertigt ist. Ein Rat ist eben nicht dazu da, die eigene Meinung zu bestätigen, sondern sie aus anderer Perspektive zu bewerten – und ihre Richtigkeit zu hinterfragen. Etwas anderes ist es, wenn eine Antwort am Thema vorbeigeht oder nicht ausreicht. Aber dann kann man ja jederzeit noch einmal konkret nachhaken.

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Ein klares Plädoyer für Regionalität also?

Regionalität ist ein besonderes Gut. Jede Region ist genau so stark wie das Miteinander der Unternehmen, Organisationen, Politik und Gesellschaft dort. Je geschlossener sich diese Einheit fühlt und agiert, desto wirksamer die wechselseitige Unterstützung. Da sucht man sich Ratgeber nicht in der Ferne, wenn die Kompetenz zum Greifen nah ist.

Welche Art von Ratschlägen ist dabei willkommen: die Flugrichtung in der Meta-Ebene oder die Handlungsanweisung am Boden?

Das hängt zweifellos stark von der Fragestellung an. Wenn ein Unternehmer einen sehr konkreten Informationsbedarf hat, dann helfen ihm Zurufe aus großer Höhe wenig. Andererseits geht bei einem Übermaß an Details das allgemeine Verständnis oft unter. In der Regel besteht der wertvollste Rat schon darin, dass ich die Aktualität und das Umfeld meines Beratungsbedarfs einschätzen kann. Deswegen finde ich den Beraterpool auf B4BSCHWABEN.de eine hervorragende Ergänzung zum bisherigen Nachrichtenangebot dort. Er gewährt mit seinen Fachbeiträgen und Antworten einen guten Überblick, was mein wirtschaftliches Umfeld gerade bewegt. Und es liefert mir unter Umständen einen Hinweis auf ein Thema, das ich sonst übersehen hätte – einschließlich eines Ansprechpartners, mit dem ich es dann vertiefen kann.

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Zum Schluss noch ein Perspektivwechsel: Wie viel Mut oder Selbsterkenntnis braucht es, damit ein Unternehmer zugibt, einen Rat zu brauchen?

Lassen Sie mich die Frage umdrehen: Wie viel Selbstvertrauen bedarf es, um einen Ratschlag auszuschlagen? Ich bin davon überzeugt, dass man immer dazulernen kann. Indem man einen Gedanken aufgreift und prüft. Indem man seinen Wissenshorizont erweitert. Indem man die Erkenntnisse anderer reflektiert. Und indem man mit einer Frage zeigt, dass man Handlungsbedarf erkannt hat.

Wie geht man damit um, wenn der Ratschlag nicht seinen Erwartungen entspricht?

Das passiert immer dann, wenn die eigene Meinung schon vorgefertigt ist. Ein Rat ist eben nicht dazu da, die eigene Meinung zu bestätigen, sondern sie aus anderer Perspektive zu bewerten – und ihre Richtigkeit zu hinterfragen. Etwas anderes ist es, wenn eine Antwort am Thema vorbeigeht oder nicht ausreicht. Aber dann kann man ja jederzeit noch einmal konkret nachhaken.

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