B4B SCHWABEN-Interview mit Sina Trinkwalder

Interview mit manomama: „keine Ausreden mehr“

Ende April wurde der Manomama-Laden am Moritzplatz eröffnet. Foto: B4B SCHWABEN

Kürzlich hat der erste Laden von manomama am Moritzplatz eröffnet. B4B SCHWABEN sprach mit Gründerin und Geschäftsführerin Sina Trinkwalder über die Bedeutung von manomama im Herzen der Augsburger Innenstadt.

Die Mitarbeiter von manomama haben alle eines gemeinsam: In den Jobcentern gelten sie als schwer vermittelbar. Weil sie zu alt, gehandicapt, alleinerziehend, ohne Schulabschluss oder straffällig geworden sind. Bei manomama sind sie nach Arbeitszeiten beschäftigt, die mit der Familie vereinbar sind. Gleichzeitig ist die Bezahlung fair: Unter zehn Euro Stundenlohn arbeitet hier niemand. Zusätzlich dazu achtet manomama-Gründerin und Geschäftsführerin Sina Trinkwalder darauf, die regionale Wertschöpfungskette voll zu nutzen. B4B SCHWABEN sprach jetzt mit Sina Trinkwalder über den neuen manomama-Laden am Moritzplatz.

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

B4B SCHWABEN: Die erste Ladeneröffnung am Moritzplatz ist ein wichtiger Schritt für manomama. Was bedeutet dieser Laden für Sie, für Ihre Mitarbeiter, für das Unternehmen?

Sina Trinkwalder: Dieser Offline-Schritt bedeutet für uns ein klares Bekenntnis zu dieser Stadt, in der wir auch verwurzelt sind. Außerdem zeigen wir: Der stationäre Handel hat hier Zukunft. Gleichzeitig hat jetzt jeder Mensch die Möglichkeit, unser Produkt zu beziehen. Denn nicht jeder kann und will online einkaufen. Vielen ist außerdem das haptische Erlebnis wichtig.

B4B SCHWABEN: Viele Unternehmer gehen raus aus der Innenstadt – Sie hingegen eröffnen einen Laden Mitten im Herzen von Augsburg. Warum?

Sina Trinkwalder: Wir Unternehmer müssen was tun für unsere Innenstadt. Wir müssen mehr bieten als Läden, in denen man Backwaren und Handys kaufen kann. Aber auch die Kunden müssen etwas tun für ein lebendiges Augsburg. Es ist nicht richtig, dass sie sich in den Läden beraten lassen und dann das gewünschte Produkt online billiger einkaufen. Wir zeigen mit unserem neuen Laden, was alles machbar ist.

B4B SCHWABEN: Ihr Laden ist eigentlich immer voll. Die Kunden scheinen Ihre Produkte wirklich zu mögen.

Sina Trinkwalder: Es ist tatsächlich immer die Hölle los in unserem Laden. Und das zeigt vor allem eins: Die Leute haben Bock auf das, was wir tun. Und in dieser 1-a-Lage nimmt jeder Notiz von uns. Keiner kann mehr sagen, dass er Billigware aus Asien kaufen muss, weil es keine Alternative gibt. Es gibt keine Ausreden mehr.

B4B SCHWABEN: Stellen Sie im Zuge der Ladeneröffnung mehr Mitarbeiter ein?

Sina Trinkwalder: Ja, alleine für den Laden am Moritzplatz werden demnächst wieder zwei neue Mitarbeiter eingestellt. Außerdem planen wir, uns in weiteren deutschen Städten niederzulassen. Das schafft natürlich noch mehr Arbeitsplätze.

B4B SCHWABEN: Gibt es schon genaue Pläne, wo sie weitere Standorte eröffnen?

Sina Trinkwalder (lacht): Ja, die gibt es, aber das verrate ich Ihnen noch nicht! Ab Juni wird eine große Aktion hierzu starten. So viel sage ich schon: Wir werden auch diesmal alles anders machen als alle anderen.

B4B SCHWABEN: Wir haben bereits 2013 ein Interview mit Ihnen geführt. Damals sprachen Sie sich klar für einen flächendeckenden, branchenunabhängigen Mindestlohn aus. Jetzt ist er da – und das Geschrei ist groß. Was sagen Sie zum Mindestlohn?

Sina Trinkwalder: Super, dass er da ist! Leider ist er viel zu niedrig. Und die Unternehmer sollten endlich aufhören, zu schreien. Jeder, der schreit, sollte sich in Grund und Boden schämen.

B4B SCHWABEN: Von Anfang an haben Sie sich der regionalen Wertschöpfung verschrieben. Was tut sich in diesem Bereich? Haben Sie das Gefühl, dass viele Menschen Ihrem Beispiel folgen?

Sina Trinkwalder: Nein.

B4B SCHWABEN: Wie kann das sein? Der Erfolg von manomama müsste doch vielen Unternehmern ein Beispiel sein.

Sina Trinkwalder: Die Unternehmer folgen dem trotzdem nicht. Es gibt zwei Bereiche, in denen man richtig schnell reich werden kann: Den Finanzbereich und den Textilbereich. Im Finanzbereich zockt man mit anderer Leute Geld. Im Textilbereich kann billig Massenware hergestellt werden, weil die Menschen dort gnadenlos ausgebeutet werden.

B4B SCHWABEN: Sie verdienen selber nicht mehr als Ihre Mitarbeiter. Lockt Sie das Geld nicht doch manchmal?

Sina Trinkwalder: Warum? Es geht mir gut, ich verhungere nicht, kann in Urlaub fahren. Das reicht doch. Mein Ziel ist es, das jeder ordentlich leben kann.

B4B SCHWABEN: 2013 sagten Sie uns im Interview, dass Sie sich mehr Nachahmer wünschen würden. Was tut sich Ihrer Meinung nach im textilen Social Business?

Sina Trinkwalder: Leider nicht viel. Es passiert viel Greenwashing, viel Social Washing. Das nützt aber gar nichts gegen Arbeitslosigkeit und tut herzlich wenig für die regionale Wertschöpfungskette. Wir brauchen keine Hippies oder Hipsters, die auf den Zug aufspringen und dabei trotzdem reich werden wollen, sondern Menschen, die die Themen, die uns am Herzen liegen, ernst nehmen.

B4B SCHWABEN: Der Erfolg von manomama scheint seit der Gründung 2010 ungebrochen. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Sina Trinkwalder: Dort, wo der Platz für dieses Unternehmen ist: In der Mitte der Gesellschaft.

B4B SCHWABEN: Herzlichen Dank für das Gespräch!

B4B SCHWABEN-Interview mit Sina Trinkwalder

Interview mit manomama: „keine Ausreden mehr“

Ende April wurde der Manomama-Laden am Moritzplatz eröffnet. Foto: B4B SCHWABEN

Kürzlich hat der erste Laden von manomama am Moritzplatz eröffnet. B4B SCHWABEN sprach mit Gründerin und Geschäftsführerin Sina Trinkwalder über die Bedeutung von manomama im Herzen der Augsburger Innenstadt.

Die Mitarbeiter von manomama haben alle eines gemeinsam: In den Jobcentern gelten sie als schwer vermittelbar. Weil sie zu alt, gehandicapt, alleinerziehend, ohne Schulabschluss oder straffällig geworden sind. Bei manomama sind sie nach Arbeitszeiten beschäftigt, die mit der Familie vereinbar sind. Gleichzeitig ist die Bezahlung fair: Unter zehn Euro Stundenlohn arbeitet hier niemand. Zusätzlich dazu achtet manomama-Gründerin und Geschäftsführerin Sina Trinkwalder darauf, die regionale Wertschöpfungskette voll zu nutzen. B4B SCHWABEN sprach jetzt mit Sina Trinkwalder über den neuen manomama-Laden am Moritzplatz.

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

B4B SCHWABEN: Die erste Ladeneröffnung am Moritzplatz ist ein wichtiger Schritt für manomama. Was bedeutet dieser Laden für Sie, für Ihre Mitarbeiter, für das Unternehmen?

Sina Trinkwalder: Dieser Offline-Schritt bedeutet für uns ein klares Bekenntnis zu dieser Stadt, in der wir auch verwurzelt sind. Außerdem zeigen wir: Der stationäre Handel hat hier Zukunft. Gleichzeitig hat jetzt jeder Mensch die Möglichkeit, unser Produkt zu beziehen. Denn nicht jeder kann und will online einkaufen. Vielen ist außerdem das haptische Erlebnis wichtig.

B4B SCHWABEN: Viele Unternehmer gehen raus aus der Innenstadt – Sie hingegen eröffnen einen Laden Mitten im Herzen von Augsburg. Warum?

Sina Trinkwalder: Wir Unternehmer müssen was tun für unsere Innenstadt. Wir müssen mehr bieten als Läden, in denen man Backwaren und Handys kaufen kann. Aber auch die Kunden müssen etwas tun für ein lebendiges Augsburg. Es ist nicht richtig, dass sie sich in den Läden beraten lassen und dann das gewünschte Produkt online billiger einkaufen. Wir zeigen mit unserem neuen Laden, was alles machbar ist.

B4B SCHWABEN: Ihr Laden ist eigentlich immer voll. Die Kunden scheinen Ihre Produkte wirklich zu mögen.

Sina Trinkwalder: Es ist tatsächlich immer die Hölle los in unserem Laden. Und das zeigt vor allem eins: Die Leute haben Bock auf das, was wir tun. Und in dieser 1-a-Lage nimmt jeder Notiz von uns. Keiner kann mehr sagen, dass er Billigware aus Asien kaufen muss, weil es keine Alternative gibt. Es gibt keine Ausreden mehr.

B4B SCHWABEN: Stellen Sie im Zuge der Ladeneröffnung mehr Mitarbeiter ein?

Sina Trinkwalder: Ja, alleine für den Laden am Moritzplatz werden demnächst wieder zwei neue Mitarbeiter eingestellt. Außerdem planen wir, uns in weiteren deutschen Städten niederzulassen. Das schafft natürlich noch mehr Arbeitsplätze.

B4B SCHWABEN: Gibt es schon genaue Pläne, wo sie weitere Standorte eröffnen?

Sina Trinkwalder (lacht): Ja, die gibt es, aber das verrate ich Ihnen noch nicht! Ab Juni wird eine große Aktion hierzu starten. So viel sage ich schon: Wir werden auch diesmal alles anders machen als alle anderen.

B4B SCHWABEN: Wir haben bereits 2013 ein Interview mit Ihnen geführt. Damals sprachen Sie sich klar für einen flächendeckenden, branchenunabhängigen Mindestlohn aus. Jetzt ist er da – und das Geschrei ist groß. Was sagen Sie zum Mindestlohn?

Sina Trinkwalder: Super, dass er da ist! Leider ist er viel zu niedrig. Und die Unternehmer sollten endlich aufhören, zu schreien. Jeder, der schreit, sollte sich in Grund und Boden schämen.

B4B SCHWABEN: Von Anfang an haben Sie sich der regionalen Wertschöpfung verschrieben. Was tut sich in diesem Bereich? Haben Sie das Gefühl, dass viele Menschen Ihrem Beispiel folgen?

Sina Trinkwalder: Nein.

B4B SCHWABEN: Wie kann das sein? Der Erfolg von manomama müsste doch vielen Unternehmern ein Beispiel sein.

Sina Trinkwalder: Die Unternehmer folgen dem trotzdem nicht. Es gibt zwei Bereiche, in denen man richtig schnell reich werden kann: Den Finanzbereich und den Textilbereich. Im Finanzbereich zockt man mit anderer Leute Geld. Im Textilbereich kann billig Massenware hergestellt werden, weil die Menschen dort gnadenlos ausgebeutet werden.

B4B SCHWABEN: Sie verdienen selber nicht mehr als Ihre Mitarbeiter. Lockt Sie das Geld nicht doch manchmal?

Sina Trinkwalder: Warum? Es geht mir gut, ich verhungere nicht, kann in Urlaub fahren. Das reicht doch. Mein Ziel ist es, das jeder ordentlich leben kann.

B4B SCHWABEN: 2013 sagten Sie uns im Interview, dass Sie sich mehr Nachahmer wünschen würden. Was tut sich Ihrer Meinung nach im textilen Social Business?

Sina Trinkwalder: Leider nicht viel. Es passiert viel Greenwashing, viel Social Washing. Das nützt aber gar nichts gegen Arbeitslosigkeit und tut herzlich wenig für die regionale Wertschöpfungskette. Wir brauchen keine Hippies oder Hipsters, die auf den Zug aufspringen und dabei trotzdem reich werden wollen, sondern Menschen, die die Themen, die uns am Herzen liegen, ernst nehmen.

B4B SCHWABEN: Der Erfolg von manomama scheint seit der Gründung 2010 ungebrochen. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Sina Trinkwalder: Dort, wo der Platz für dieses Unternehmen ist: In der Mitte der Gesellschaft.

B4B SCHWABEN: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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