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„Paulikocht“ kämpft ums Überleben – Hilfe Fehlanzeige
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Corona-Soforthilfe

„Paulikocht“ kämpft ums Überleben – Hilfe Fehlanzeige

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Anja Licht, Gründerin von paulikocht, verkauft zusammen mit ihrem Mann ihre Produkte in der Corona-Krise über ihr Ladenfenster. Foto: Jennifer Leidner Photography
Von Angelina Märkl

Anja Licht, Gründerin von „Paulikocht“, betreibt neben einem Onlineshop auch einen eigenen Laden in Augsburg. Wie viele junge Unternehmen im Einzelhandel hat sie derzeit Existenzängste wegen der Corona-Krise. Wieso sie schockiert darüber ist, dass ihr Antrag auf Corona-Soforthilfe abgelehnt wurde.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was ist Ihre persönliche Meinung zu den Corona-Soforthilfen?

Anja Licht: Als Gründerin bin ich es gewohnt, ständig Ablehnungen oder Absagen für Förderungen und ähnliches zu bekommen. Und dass die Corona-Soforthilfe leider auch keine Außnahme zu sein scheint, ist daher keine große Überraschung. Auch wenn ich diesmal nach all den Reden und Pressekonferenzen tatsächlich mit etwas anderem gerechnet hatte. An sich ist es natürlich eine gute und absolut notwendige Idee. Jetzt zeigt es sich aber sehr deutlich, dass kleinen und mittelständischen Unternehmen und vor allem Startups, die noch nicht viele Zahlen und Statistiken auf den Tisch legen können, das Beantragen von Hilfen schwer gemacht wird. 

Wie genau haben Sie den Antragsprozess erlebt? 

Angestellte von Behörden sind durch die Flut der Anträge überfordert und teilweise schlecht informiert. Banken sind bei Startup-üblichen Umsätzen weder gesprächsbereit noch in der Lage eine neue Finanzierungsidee umzusetzen. Ich kämpfe seit Jahren dafür, dass mein Startup, das ich bisher komplett aus eigener Kraft, ohne Kredite oder staatliche Hilfen hochgezogen habe, als „kreditwürdiges“, ernstzunehmendes Unternehmen anerkannt wird. Die Soforthilfe wurde aber abgelehnt. Und statt mir einen der gerade so angepriesenen und zu 100 Prozent abgesicherten KfW-Kredite zu bewilligen, ist mein Bankberater sehr bemüht, mir meinen hart erkämpften Kontokorrentkreditrahmen auf Null zu setzen. 

Ihr Antrag wurde abgelehnt. Aus welchem Grund?  

Kurz zusammengefasst: Unsere Einbußen sind nicht glaubhaft dargelegt und ein Liquiditätsengpass ist nicht ersichtlich.  

Welche Schwierigkeiten sind beim Beantragen aufgetreten? 

Es hätte keine Schwierigkeiten gegeben, wenn nicht jeder Steuerberater etwas anderes empfohlen hätte. Das hat zu einem absoluten Chaos geführt. Die Antragsstellung war total unübersichtlich – aber an sich war der Antrag schnell ausgefüllt. Wie sich herausgestellt hat – zu schnell. 

War die Antragsstellung wirklich einfach, unbürokratisch und unkompliziert wie von der Politik versprochen? 

Ich bin schockiert, wie der Antrag  von der Behörde schlussendlich gedeutet wurde. Er wurde dann auch ohne Rückfrage abgelehnt. Ich wurde weder zu Geschäftszahlen noch zu Umsatzeinbrüchen und ähnlichem befragt. Es wurde einfach davon ausgegangen, dass wir keinen Umsatzeinbruch haben. Und das in einem Laden, der keine Kunden reinlassen darf. 

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger betont immer wieder, die Hilfen kommen direkt da an, wo sie gebraucht werden. Haben Sie das Gefühl, dass das stimmt? 

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Leider nein. Wie ich das sehe, kommen die Hilfen leider oft nur bei denen an, die es sich leisten können oder Fachleute zur Antragsstellung zur Seite holen. Oder dort, wo eben sowieso schon viel Geld da ist. Adidas ist so ein Beispiel: Weil das Großunternehmen keine Mieten mehr zahlen wollte wegen den Umsatzausfällen, hat das einen Riesen-Shitstorm ausgelöst. Und dann: Hilfe von der Politik? Kein Problem! Da werden gleich ein paar Millionen locker gemacht. Solche Schlagzeilen hinterlässt bei Kleinstunternehmern wie mir dann doch einen bitteren Nachgeschmack. Ich zahle übrigens weiterhin meine Miete in voller Höhe. 

Was wünschen Sie sich von der Politik? Welche Hilfs-Maßnahmen brauchen vor allem kleinere Unternehmen? 

Es wäre schön gewesen, wenn das Unbürokratische auch wirklich unbürokratisch umgesetzt worden wäre. Kleinere Unternehmen müssten behandelt werden wie große. Sie sollten ernst genommen werden. Wir alle machen das nicht als Hobby. Wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt, wir versichern uns selbst und tragen das komplette Risiko. Wir schaffen Arbeitsplätze – wenn auch nicht für tausende von Menschen. Sind wir deshalb weniger wert?  

Trotz allem: War der Schritt zu einem eigenen Laden die richtige Wahl?

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Auf jeden Fall. Ich bin super dankbar, dass wir es geschafft haben uns in einem knappen Jahr so tolle Stammkunden vor Ort aufzubauen. Das und unser Onlineshop – für den wir übrigens das Geld investiert haben, das die Banken jetzt gerne als Rücklagen sehen würden –  retten uns momentan noch vor dem Aus. Und das ist nicht der Verdienst von irgendwelchen Hilfen, sondern das ist unsere tägliche harte Arbeit und die der letzten Jahre. Aber das interessiert weder die Politik noch die Banken. 

Not macht erfinderisch: Wie kommt Ihr Drive-In bei den Kunden an? 

Gott sei Dank gut. Trotzdem haben wir natürlich einen extremen Umsatzeinbruch im Laden, der darauf zurückzuführen ist, dass die Zusatzverkäufe von Kleinigkeiten wegfallen, die die Kunden nicht sehen können.  

Welche Maßnahmen haben Sie sonst noch ergriffen, um die Krise zu meistern? 

Wir haben die letzten Jahre auch schon wenig Geld gehabt, weil man als Unternehmer am Anfang einfach jeden Cent in seine Firma steckt. Das ist eigentlich normal, sieht aber keiner. Momentan haben wir alles wieder komplett zurückgefahren. Es muss reichen, dass wir unsere private Miete zahlen können, aber ansonsten ist nicht viel drin. Wir geben so gut wie gar kein privates Geld mehr aus, wir lösen Versicherungen auf, um zu überleben und arbeiten Tag und Nacht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was alle mit dieser „Corona-Langeweile" meinen.  Wir haben genug Arbeit. Denn wir kämpfen hier ums Überleben und darum, dass wir unsere Mieten und Mitarbeiter bezahlen können und am Ende dieser Krise noch für unsere Kunden da sein können.  

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