Dr. Stefan Söhn im Interview

Osram-Deal: Lässt sich der Investor auf eine Minderheits-Beteiligung ein?

Dr. Stefan Söhn. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Im zweiten Teil unseres Double Features erklärt Dr. Stefan Söhn, Geschäftsführer der MBL Consulting GmbH, was das oft geforderte „Verhandeln auf Augenhöhe“ für Unternehmen bedeutet. Zudem verrät er, warum ein chinesischer Investor häufig mehr Vorteile für die Firmen bringt als ein anglo-amerikanischer.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sowohl die Bundesregierung als auch die Bayerische Staatsregierung hatten zuletzt gesagt, dass man künftig mit den Chinesen mehr auf einer Augenhöhe verhandeln wolle. Dabei will man es chinesischen Investoren weniger leicht machen als bisher. Aber bedeutet ein Investor nicht auch eine große Chance für ein Unternehmen?

Dr. Stefan Söhn: Das ist in der Tat das Komische bei dieser Situation: Die Politik versucht, Unternehmen zu helfen, die ihrerseits gar nicht um diese Hilfe gebeten haben. Es ist ja eben nicht so, dass man deutsche Unternehmen vor Übernahmen schützen müsste. In allen bisherigen Transaktionen wurde die Übernahme vom Management und den Inhabern ausdrücklich gutgeheißen.  

Was sind die nächsten Schritte?

Bis Ende Januar will die Bundesregierung neue gesetzliche Regeln auf den Weg bringen, am liebsten wohl auf europäischer Ebene. Diese erweiterten Restriktionen sollen ins Außenwirtschafts-Gesetz eingefügt werden. So könnte man zukünftig beispielsweise auch den Technologie-Abfluss unterbinden.

Was halten Sie von diesem Ansatz?

Ich halte ihn für problematisch. Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg. Anstatt selbst zu wettbewerbsbeschränkenden Maßnahmen zu greifen, sollte die Bundesregierung beharrlich in China Gleichbehandlung einfordern. Von einem Land, das für sich den Marktwirtschafts-Status beansprucht, sollte das nicht zu viel verlangt sein.

Den Status erhält China bereits am 16. Dezember. Was bedeutet das genau?

Formal kann die Europäische Union ab dem 16. Dezember keine Anti-Dumping-Zölle mehr auf chinesische Produkte erheben. Es soll jedoch weiterhin die Möglichkeit geben, zu intervenieren, wenn Dumping nachweisbar ist; allerdings ist man sich über die Modalitäten noch nicht einig.  Ansonsten hätten manche Branchen – wie die Solar- und die Stahl-Industrie – sicherlich ein Problem.

Wenn man der öffentlichen Wahrnehmung Glauben schenken darf, könnte man meinen, chinesische Investoren seien auf Einkaufstour in Schwaben. Täuscht das?

Grundsätzlich ist es sicherlich so, dass in diesem Jahr ein neuer Rekord von chinesischen Investitionen in Deutschland erreicht werden wird. Dass gleich mehrere Firmenaus der Region davon betroffen sind, liegt daran, dass in Süddeutschland viele starke, innovative Unternehmen angesiedelt sind. Die Zahl der Übernahmen ist also der Qualität des Standorts geschuldet.  Im Übrigen: der Osram-Deal scheint ja nun nicht stattzufinden, jedenfalls nicht so wie ursprünglich geplant; vielleicht geben sich die Investoren ja nun mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden.

Was denken Sie: Ist die Angst vor einem chinesischen Investor größer als die vor einem europäischen oder anglo-amerikanischen?

Vielleicht, doch im Kern ist das eine falsche Befürchtung. Das gilt vor allem, wenn man die Unternehmen betrachtet, die zuletzt eine solche Entwicklung hinter sich hatten. In fast allen Fällen gab es Standort-Zusagen. Sowohl das Management als auch die Börsen-Zulassung blieben erhalten. Die Mitarbeiter haben zum Teil sehr langfristige Arbeitsplatzgarantien bekommen. Chinesische Investoren gehen hier sehr behutsam vor: Das Unternehmen bleibt in der Regel in seinem Bestand unberührt. Zusätzlich wird ihm der Zugang zum chinesischen Markt geöffnet.

Anglo-amerikanische Investoren hingegen stellen die Profitabilität eines Unternehmens klar in den Vordergrund. Diese Investoren können in der Regel auch keinen neuen Markt bieten. Auch die Finanzierung übernehmen sie häufig nicht, chinesische Investoren schon. Sowohl für das Unternehmen als auch für die Mitarbeiter ist das eher das schlechtere Szenario.

Warum herrscht dennoch Skepsis?

Das liegt an dem Geheimnisvollen, an dem Fremden, an dem wenig Transparenten. Auch die Kommunikation ist nicht immer ganz einfach, wenn ein chinesischer Investor das Unternehmen übernimmt. Das fängt ja schon bei der Sprache an. All das ist aber bereits deutlich besser geworden. Gerade das Management ist in der Regel top ausgebildet und mit westlichen Gepflogenheiten vertraut.

Zum ersten Teil des Double Features gelangen Sie hier.

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Dr. Stefan Söhn: Das ist in der Tat das Komische bei dieser Situation: Die Politik versucht, Unternehmen zu helfen, die ihrerseits gar nicht um diese Hilfe gebeten haben. Es ist ja eben nicht so, dass man deutsche Unternehmen vor Übernahmen schützen müsste. In allen bisherigen Transaktionen wurde die Übernahme vom Management und den Inhabern ausdrücklich gutgeheißen.  

Was sind die nächsten Schritte?

Bis Ende Januar will die Bundesregierung neue gesetzliche Regeln auf den Weg bringen, am liebsten wohl auf europäischer Ebene. Diese erweiterten Restriktionen sollen ins Außenwirtschafts-Gesetz eingefügt werden. So könnte man zukünftig beispielsweise auch den Technologie-Abfluss unterbinden.

Was halten Sie von diesem Ansatz?

Ich halte ihn für problematisch. Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg. Anstatt selbst zu wettbewerbsbeschränkenden Maßnahmen zu greifen, sollte die Bundesregierung beharrlich in China Gleichbehandlung einfordern. Von einem Land, das für sich den Marktwirtschafts-Status beansprucht, sollte das nicht zu viel verlangt sein.

Den Status erhält China bereits am 16. Dezember. Was bedeutet das genau?

Formal kann die Europäische Union ab dem 16. Dezember keine Anti-Dumping-Zölle mehr auf chinesische Produkte erheben. Es soll jedoch weiterhin die Möglichkeit geben, zu intervenieren, wenn Dumping nachweisbar ist; allerdings ist man sich über die Modalitäten noch nicht einig.  Ansonsten hätten manche Branchen – wie die Solar- und die Stahl-Industrie – sicherlich ein Problem.

Wenn man der öffentlichen Wahrnehmung Glauben schenken darf, könnte man meinen, chinesische Investoren seien auf Einkaufstour in Schwaben. Täuscht das?

Grundsätzlich ist es sicherlich so, dass in diesem Jahr ein neuer Rekord von chinesischen Investitionen in Deutschland erreicht werden wird. Dass gleich mehrere Firmenaus der Region davon betroffen sind, liegt daran, dass in Süddeutschland viele starke, innovative Unternehmen angesiedelt sind. Die Zahl der Übernahmen ist also der Qualität des Standorts geschuldet.  Im Übrigen: der Osram-Deal scheint ja nun nicht stattzufinden, jedenfalls nicht so wie ursprünglich geplant; vielleicht geben sich die Investoren ja nun mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden.

Was denken Sie: Ist die Angst vor einem chinesischen Investor größer als die vor einem europäischen oder anglo-amerikanischen?

Vielleicht, doch im Kern ist das eine falsche Befürchtung. Das gilt vor allem, wenn man die Unternehmen betrachtet, die zuletzt eine solche Entwicklung hinter sich hatten. In fast allen Fällen gab es Standort-Zusagen. Sowohl das Management als auch die Börsen-Zulassung blieben erhalten. Die Mitarbeiter haben zum Teil sehr langfristige Arbeitsplatzgarantien bekommen. Chinesische Investoren gehen hier sehr behutsam vor: Das Unternehmen bleibt in der Regel in seinem Bestand unberührt. Zusätzlich wird ihm der Zugang zum chinesischen Markt geöffnet.

Anglo-amerikanische Investoren hingegen stellen die Profitabilität eines Unternehmens klar in den Vordergrund. Diese Investoren können in der Regel auch keinen neuen Markt bieten. Auch die Finanzierung übernehmen sie häufig nicht, chinesische Investoren schon. Sowohl für das Unternehmen als auch für die Mitarbeiter ist das eher das schlechtere Szenario.

Warum herrscht dennoch Skepsis?

Das liegt an dem Geheimnisvollen, an dem Fremden, an dem wenig Transparenten. Auch die Kommunikation ist nicht immer ganz einfach, wenn ein chinesischer Investor das Unternehmen übernimmt. Das fängt ja schon bei der Sprache an. All das ist aber bereits deutlich besser geworden. Gerade das Management ist in der Regel top ausgebildet und mit westlichen Gepflogenheiten vertraut.

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