Digital Day 2019 Mittelstandsforum Bayerisch-Schwaben

Lutz Herkenrath: Die Top-Speaker des Digital Days 2019 im Interview

Digitalisierung im Unternehmen bedeutet Wandel. Auch das wird beim Digital Day 2019 | Mittelstandsforum Bayerisch-Schwaben am 4. Juli in Augsburg deutlich. Was es heißt, sich ständig wandeln zu müssen, weiß der Schauspieler, Speaker und Trainer Lutz Herkenrath aus eigener Erfahrung. Warum er heute „Manager bespaßt“ und was Unternehmer von Schauspielern lernen können, verrät er im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Als erfolgreichen Schauspieler kennen wir Sie alle! Dass Sie seit mittlerweile fast 15 Jahren ein erfolgreicher Trainer und Speaker sind, war mir ehrlich gesagt neu. Könnten Sie ganz kurz erläutern, wie Sie vom „Supermarktchef“ aus Ritas Welt zum „Manager Bespaßer“ wurden?

Tatsächlich war das ein Unfall. Ein guter Freund von mir gab das Seminar die „Peperoni-Strategie“. Es lief so unfassbar gut, dass er die Nachfrage alleine einfach nicht mehr stemmen konnte. Er hat mich gebeten, einen Teil der Vorträge zu übernehmen – und ich habe dankend abgelehnt. Ich war Schauspieler und wollte keine Manager „bespaßen“. Seiner Hartnäckigkeit war es zu verdanken, dass ich es mir dennoch einmal angesehen hatte. Eigentlich, um ihm zu beweisen, dass das nichts für mich ist. Doch die Vortragsbühne hat mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Heute muss ich sagen: Es war ein echtes Lebensglück, dass ich diese zweite Karriere starten durfte, die ich so sehr liebe.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Vorträge?

Den Input als Trainer – gerade zum Thema Wandel – entnehme ich im Wesentlichen meinem eigenen Leben. Ich war sehr oft in persönlich schwierigen Situationen und habe mich mehrfach selbst neu erfinden müssen. Und auch jedes Training, das ich gebe, ist für die Teilnehmer ein Wandel, die Chance auf einen „Change“.

Das heißt, was bei Ihnen funktioniert hat, übertragen Sie auf andere?

Nein. Das ist zu simpel ausgedrückt. Ich spüre einfach, wo meine Teilnehmer „ihren Haken“ haben, wo ihre Probleme liegen, und kann ihnen das widerspiegeln. Auf ihre Lösung kommen sie dann von ganz alleine. Denn, wenn es um Persönlichkeitsentwicklung geht, gibt es keine „Tipps und Tricks“. Es geht um die Frage: Wie kann ich als Persönlichkeit rund werden und die Anteile, die ich nicht so gerne an mir mag, annehmen?

Sie kennen beide Welten: die des Schauspielers und die des Unternehmers. Was können die beiden jeweils voneinander lernen?

Der Schauspieler kann sich sicherlich in Sachen Eigenverantwortlichkeit einiges vom Unternehmen abschauen. Außerdem sind Schauspieler nicht sehr initiativ. Meist warten sie, bis sie besetzt werden. Die Unternehmer sind da anders: Wenn ein Produkt nicht läuft, schauen sie, ob sie ein anderes auf den Markt bringen können. Wenn die Zahlen stagnieren, suchen sie nach Möglichkeiten, diese wieder in Schwung zu bringen.

Und der Unternehmer vom Schauspieler?

Sicherlich, sich persönlich nicht immer zu wichtig zu nehmen. Wir Schauspieler schlüpfen immer wieder in verschiedene Rollen und wissen: Das bin nicht ich. Viele – gerade erfolgreiche Unternehmer – verwechseln die Rolle mit dem, was sie sind. Wenn ich ihnen vorschlage, mal in die Rolle des tollpatschigen Angestellten zu schlüpfen, dann tun sie sich schwer. Wenn ein Schauspieler in seiner Rolle auf der Straße auf die Knie fallen soll, dann tut er das. Die Rolle schützt ihn. Unternehmer dürfen ruhig einmal mutiger sein, etwas ausprobieren. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dabei – entschuldigen Sie den Ausdruck – scheiße aussehen. Ich empfehle jedem: Blamieren Sie sich mindestens einmal am Tag so richtig, dass mindert die Gefahr, sich zu wichtig zu nehmen.

Ihr Vortrag auf dem Digital Day heißt „Den digitalen Wandel gestalten. Statt leiden.“ Wo sehen Sie denn das größte Leid bei den mittelständischen Unternehmen, wenn es ums Thema Digitalisierung geht? Und wie lässt es sich lindern?

Mit der Digitalisierung verhält es sich wie mit jedem Wandel im Unternehmen: Wir stoßen auf Widerstände – bei uns selbst und bei unseren Mitstreitern. Ein Kardinalfehler ist sicherlich, dass die Veränderung viel zu optimistisch angekündigt wird. Ganz nach dem Motto: alles wird schöner, alles wird besser. Das ist schlichtweg eine Lüge. Die Veränderung kostet neben Kraft auch Geld und wir werden viele Fehler machen. Damit fühlt sich niemand wohl. Es gilt, die Widerstände, die immer emotionaler Natur sind, anzuerkennen. Denn sie haben alle dieselbe Quelle: Angst. Wir haben Angst, keine Lösung zu kennen, uns zu blamieren oder den Status zu verlieren. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen. Wie das geht und wie uns ein Elefant dabei helfen kann, verrate ich in meinem Vortrag am Digital Day.

Was werden die Teilnehmer des Digital Days idealerweise am Ende Ihres Vortrags mit nach Hause nehmen?

Sie sind beseelt, energetisiert, inspiriert und engagiert. Sie gehen zurück in die Firma und werden diese eine Sache sofort ausprobieren und in die Praxis umsetzen. Und genau diese eine Sache wird ihren Alltag wesentlich erleichtern. Wenn das so ist, dann hab ich alles richtig gemacht.

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Tatsächlich war das ein Unfall. Ein guter Freund von mir gab das Seminar die „Peperoni-Strategie“. Es lief so unfassbar gut, dass er die Nachfrage alleine einfach nicht mehr stemmen konnte. Er hat mich gebeten, einen Teil der Vorträge zu übernehmen – und ich habe dankend abgelehnt. Ich war Schauspieler und wollte keine Manager „bespaßen“. Seiner Hartnäckigkeit war es zu verdanken, dass ich es mir dennoch einmal angesehen hatte. Eigentlich, um ihm zu beweisen, dass das nichts für mich ist. Doch die Vortragsbühne hat mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Heute muss ich sagen: Es war ein echtes Lebensglück, dass ich diese zweite Karriere starten durfte, die ich so sehr liebe.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Vorträge?

Den Input als Trainer – gerade zum Thema Wandel – entnehme ich im Wesentlichen meinem eigenen Leben. Ich war sehr oft in persönlich schwierigen Situationen und habe mich mehrfach selbst neu erfinden müssen. Und auch jedes Training, das ich gebe, ist für die Teilnehmer ein Wandel, die Chance auf einen „Change“.

Das heißt, was bei Ihnen funktioniert hat, übertragen Sie auf andere?

Nein. Das ist zu simpel ausgedrückt. Ich spüre einfach, wo meine Teilnehmer „ihren Haken“ haben, wo ihre Probleme liegen, und kann ihnen das widerspiegeln. Auf ihre Lösung kommen sie dann von ganz alleine. Denn, wenn es um Persönlichkeitsentwicklung geht, gibt es keine „Tipps und Tricks“. Es geht um die Frage: Wie kann ich als Persönlichkeit rund werden und die Anteile, die ich nicht so gerne an mir mag, annehmen?

Sie kennen beide Welten: die des Schauspielers und die des Unternehmers. Was können die beiden jeweils voneinander lernen?

Der Schauspieler kann sich sicherlich in Sachen Eigenverantwortlichkeit einiges vom Unternehmen abschauen. Außerdem sind Schauspieler nicht sehr initiativ. Meist warten sie, bis sie besetzt werden. Die Unternehmer sind da anders: Wenn ein Produkt nicht läuft, schauen sie, ob sie ein anderes auf den Markt bringen können. Wenn die Zahlen stagnieren, suchen sie nach Möglichkeiten, diese wieder in Schwung zu bringen.

Und der Unternehmer vom Schauspieler?

Sicherlich, sich persönlich nicht immer zu wichtig zu nehmen. Wir Schauspieler schlüpfen immer wieder in verschiedene Rollen und wissen: Das bin nicht ich. Viele – gerade erfolgreiche Unternehmer – verwechseln die Rolle mit dem, was sie sind. Wenn ich ihnen vorschlage, mal in die Rolle des tollpatschigen Angestellten zu schlüpfen, dann tun sie sich schwer. Wenn ein Schauspieler in seiner Rolle auf der Straße auf die Knie fallen soll, dann tut er das. Die Rolle schützt ihn. Unternehmer dürfen ruhig einmal mutiger sein, etwas ausprobieren. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dabei – entschuldigen Sie den Ausdruck – scheiße aussehen. Ich empfehle jedem: Blamieren Sie sich mindestens einmal am Tag so richtig, dass mindert die Gefahr, sich zu wichtig zu nehmen.

Ihr Vortrag auf dem Digital Day heißt „Den digitalen Wandel gestalten. Statt leiden.“ Wo sehen Sie denn das größte Leid bei den mittelständischen Unternehmen, wenn es ums Thema Digitalisierung geht? Und wie lässt es sich lindern?

Mit der Digitalisierung verhält es sich wie mit jedem Wandel im Unternehmen: Wir stoßen auf Widerstände – bei uns selbst und bei unseren Mitstreitern. Ein Kardinalfehler ist sicherlich, dass die Veränderung viel zu optimistisch angekündigt wird. Ganz nach dem Motto: alles wird schöner, alles wird besser. Das ist schlichtweg eine Lüge. Die Veränderung kostet neben Kraft auch Geld und wir werden viele Fehler machen. Damit fühlt sich niemand wohl. Es gilt, die Widerstände, die immer emotionaler Natur sind, anzuerkennen. Denn sie haben alle dieselbe Quelle: Angst. Wir haben Angst, keine Lösung zu kennen, uns zu blamieren oder den Status zu verlieren. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen. Wie das geht und wie uns ein Elefant dabei helfen kann, verrate ich in meinem Vortrag am Digital Day.

Was werden die Teilnehmer des Digital Days idealerweise am Ende Ihres Vortrags mit nach Hause nehmen?

Sie sind beseelt, energetisiert, inspiriert und engagiert. Sie gehen zurück in die Firma und werden diese eine Sache sofort ausprobieren und in die Praxis umsetzen. Und genau diese eine Sache wird ihren Alltag wesentlich erleichtern. Wenn das so ist, dann hab ich alles richtig gemacht.

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