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Investor Wikus übernimmt insolvente Eberle
Insolvenzverfahren

Investor Wikus übernimmt insolvente Eberle

Das Augsburger Unternehmen Eberle wird zum Teil vom Investor Wikus übernommen. Foto: Angelina Märkl / B4BSCHWABEN.de
Das Augsburger Unternehmen Eberle wird zum Teil vom Investor Wikus übernommen. Foto: Angelina Märkl / B4BSCHWABEN.de

Für das insolvente Unternehmen Eberle ist ein Investor gefunden: Die Wikus Sägenfabrik aus Hessen. Allerdings übernimmt sie nur eine Sparte. Der Großteil der Eberle-Beschäftigten wird entlassen.

Bereits Anfang der Woche war über die IG Metall bekannt geworden, dass der Großteil der Eberle-Mitarbeitenden ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Doch es war noch offen, wie es mit dem Unternehmen, das sich im Involvenzverfahren befindet, weitergehen solle. Jetzt herrscht Gewissheit: 74 der rund 250 Mitarbeitenden werden vom hessischen Investor Wikus Sägenfabrik Wilhelm H. Kullmann GmbH & Co.KG übernommen. 160 Mitarbeitende dagegen werden entlassen. Denn Wikus übernimmt nur eine Sparte seines Konkurrenten J.N. Eberle & Cie. GmbH. 

Derweil ist Eberle für die Übernahme von Mitarbeitenden mit anderen Unternehmen in Gesprächen. 

Zwei Eberle-Sparten werden eingestellt

Die Bereiche Sägen und C-Stahl werden bei Eberle eingestellt. Für den Bereich C-Stahl wird es eine geordnete Ausproduktion geben. Nach Informationen unserer Redaktion wurde der Bereich Sägen sofort eingestellt und die Mitarbeitenden wurden freigestellt. „Der Abbau von Arbeitsplätzen ist ein schmerzhafter Schritt. Wie bereits kommuniziert, ist die deutliche Reduzierung der Mitarbeiterzahl jedoch erforderlich, um die Kostenbasis an die Geschäftsentwicklung anzupassen“, erklärt der Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn von Pluta Rechtsanwälte.

Wikus übernimmt den Sägenvertrieb und die Bimetallsparte und will diese in einer eigenständigen Tochtergesellschaft fortführen. Produktion, Vertrieb und weitere Verwaltungsbereiche sollen im Großraum Augsburg gebündelt werden. Der Mietvertrag von Eberle läuft Ende 2029 aus, es besteht eine Option zur Verlängerung bis Ende 2030. Ursprünglich wollte Eberle an einen neuen Standort nach Lechhausen ziehen.

Insolvenz von Eberle

„Unter den derzeit sehr herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die erzielte Einigung mit Wikus ein Erfolg. Es ist erfreulich, dass wir mit Wikus einen strategischen Investor gewinnen konnten, der die Branche sehr gut kennt und der Bimetallsparte eine langfristige Perspektive bietet“, so Stemshorn. Eberle war schon länger angeschlagen. Vor rund einem Jahr war der Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende des Mutterkonzerns Greiffenberger AG allerdings noch zuversichtlich. Mit Restrukturierungsmaßnahmen wollte die Greiffenberger AG 2026 wieder Gewinn machen.

„Die wirtschaftliche Situation hat eine Fortführung von Eberle in der bisherigen Struktur leider nicht zugelassen – für viele Mitarbeiter ist das ein schmerzhafter Einschnitt“, sagt der bisherige Eberle-Geschäftsführer Gernot Egretzberger. Grund für die Insolvenz von Eberle und der Greiffenberger AG sind nach eigenen Angaben die steigende Kostenbelastung in Deutschland und die sinkende Nachfrage seiner Kunden aus der Bau- und Autoindustrie.

Wie geht es für die Eberle-Mitarbeitenden weiter?

Für die 160 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, gibt es einen Sozialplan und einen Interessensausgleich. Laut der IG Metall waren die Möglichkeiten des Betriebsrats hier aber wegen des Insolvenzrechts eingeschränkt. Dennoch gebe es unterstützende Transfermaßnahmen wie Bewerbertrainings und Angebote zur beruflichen Neuorientierung. Laut Egretzberger ist Eberle dazu bereits mit sechs Unternehmen aus der Region in Gesprächen. 

Auch die Gewerkschaft will die Mitarbeitenden unterstützen, eine neue Stelle zu finden. Dafür will sie Kontakte zu Unternehmen herstellen, die qualifizierte Fachkräfte suchen. „Viele Betriebe in der Region benötigen genau die Kompetenzen, die die Kolleginnen und Kollegen von Eberle mitbringen“, so die IG Metall. Hierbei erhofft sich die IG Metall Unterstützung aus der lokalen Politik. „Der Erhalt guter industrieller Arbeitsplätze muss ein zentrales Anliegen der regionalen Entwicklung bleiben“, sagt Ferdije Rrecaj, Geschäftsführerin der IG Metall Augsburg. Für die Auszubildenden von Eberle zeichne sich eine gute Lösung ab. Sie sollen ihre Ausbildung bei anderen Unternehmen in Augsburg fortsetzen.

Wer ist Wikus?

Wikus ist familiengeführt, sitzt im hessischen Spangenberg und hat über 750 Mitarbeitende. Seit 1958 produziert es leistungsstarke Hightech-Sägenbänder für die Metallbearbeitung. Zudem zählt es zu den führenden Unternehmen beim Trennen von Metall. „Die Bimetallsparte ergänzt unser bestehendes Geschäft sehr gut. Wir sind überzeugt, dass wir dieses Know-how erfolgreich weiterentwickeln können“,sagt Sven Koepchen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wikus-Gruppe. „Mit der Übernahme schaffen wir eine tragfähige Perspektive für den Geschäftsbereich und die Beschäftigten.“ Wikus erweitere mit dem Kauf von Eberle die eigene Wertschöpfungskette und könne das Produktionsvolumen am Standort Spangenberg steigern.

2019/ 2020 war Wikus selbst in einer Schieflage und musste 69 Mitarbeitende aus Produktion, Service und Verwaltung betriebsbedingt kündigen. Bei acht weiteren wurden die befristeten Verträge nicht verlängert. „Der allgemeine Wirtschaftsabschwung in der Corona-Pandemie hat die negative Entwicklung in den Industrien, die Wikus beliefert, beschleunigt“, hatte das Unternehmen im Dezember 2020 mitgeteilt. Damals wurden die Produktion und der Handel von Werkzeugstahlsägebändern komplett eingestellt.

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