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Interview: Wo ist der Fachkräftemangel in der Region? Agentur für Arbeit
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Agentur für Arbeit Augsburg

Interview: Wo ist der Fachkräftemangel in der Region? Agentur für Arbeit

In Augsburg kommen derzeit auf 100 Arbeitsstellen 282 Arbeitslose. Da stellt sich doch die Frage, wo der Fachkräftemangel in der Region ist. Wir sprachen mit Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung  der Agentur für Arbeit Augsburg, über das Thema Fachkräftemangel und ob in der Region Augsburg überhaupt ein Fachkräftemangel herrscht.

In Deutschland wird viel über den Mangel an geeigneten Fachkräften gejammert. Gerade für High Tech Unternehmen wird er zu einem enormen Problem werden. Wie sieht das in Augsburg aus? Hat der Fachkräftemangel in der Region bereits Einzug gehalten.

Die Region ist in einer guten Verfassung, aber den Fachkräftemangel, den es partiell gibt, kann ich nicht richtig erkennen. Wenn wir auf die Struktur unseres Stellenbestandes blicken, dann haben wir im Oktober 2012 4.497 offene Stellen, vor einem Jahr waren noch über 1.000 Stellen mehr im Bestand. Bei der Betrachtung der Laufzeit der Stellen kann man jedoch feststellen, dass im Oktober 2012 ein Viertel der offenen Stellen eine Laufzeit von über 6 Monaten haben, im vergangen Jahr waren das nur sieben Prozent. Dies kann zweierlei Gründe haben: Zum Einen, dass wir den Firmen entweder nicht die passenden Bewerber bieten konnten, oder aber, wovon ich eher ausgehe, dass die Unternehmen vorsichtiger bei der Einstellung geworden sind. Auffällig ist einfach, dass sich die durchschnittliche Laufzeit aller Stellenangebote nicht gesenkt hat, wie man es eigentlich bei einem drohenden Fachkräftemangel erwarten würde, sondern sich sogar noch erhöht hat.

Aber spricht das nicht eigentlich für ein Fehlen der Bewerber oder glauben Sie, dass es wirklich daran liegt, dass Unternehmen vorsichtiger sind und nicht mehr einstellen wollen vielleicht auch aufgrund der Schuldenkrise.

Der Arbeitgeberservice, der ständig an den Arbeitgebern dran ist, schlägt den Unternehmen immer wieder Bewerber vor. Von den Arbeitgebern kommen aber meist nur Rückmeldungen wie ‚Der Bewerber passt noch nicht ganz‘, ‚Haben Sie nicht noch einen besseren Bewerber‘. Die Arbeitgeber wollen ihr Stellenangebot weiterhin aufrecht erhalten, nicht weil in den vergangenen sechs Monaten nichts passiert ist, sondern weil der Arbeitgeber noch nicht denjenigen gefunden hat, den er haben möchte. 2011 haben die Unternehmen nicht lange gezögert und haben die von uns vorgeschlagenen Bewerber eingestellt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Ein weiterer Grund kann sein, dass das Unternehmen noch ein paar Monate abwarten möchte, um zu sehen wie sich die derzeitige Auftragslage im Unternehmen entwickelt. Die Arbeitskräftenachfrage bewegt sich durch den Aufschwung auf hohem Niveau, aber einen flächendeckenden Fachkräftemangel kann ich nicht erkennen und es gibt ihn aktuell auch nicht.

Gibt es eine Branche, wo der Fachkräftemangel bereits jetzt spürbar ist?

Natürlich gibt es auch Branchen, in denen ein größerer Bedarf an Fachkräften besteht. Vor allem das Gesundheitswesen, sowie einzelne IT Felder sind davon betroffen. Im Metall- und Maschinenbau sowie im Elektrobereich stellen wir einen Fachkräftemangel bei Hochqualifizierten fest. Aber Fachkräftemangel bedeutet nicht, dass wir nur an Menschen mit Hochschulabschluss oder Fachhochschulabschluss denken dürfen. Fachkräfte sind für mich auch diejenigen, die einen Beruf erlernt oder einen Gesellenabschluss haben. Deshalb differenziere ich auch, wenn ich sage im Hochqualifizierten Bereich gibt es sehr wohl einen Fachkräftemangel.

Beim Business Talk brachte Herr Dr. Walwei die nackten Zahlen auf den Tisch. In Bayern kommen auf eine offene Stelle 1,3 Arbeitslose. Augsburg dürfte da etwas besser dastehen. Können Sie uns die konkreten Zahlen nennen?

Aber natürlich. In Augsburg kommen auf 100 Arbeitsstellen 282 Arbeitslose bezogen auf Fachkräfte, Spezialisten und Experten. Da sind die an- und ungelernten Helfer nicht mit eingerechnet. Im Vorjahreszeitraum kamen auf 100 Arbeitsstellen noch 360 Arbeitslose mehr. Man sieht daran, dass die Arbeitslosigkeit zum Einen abgebaut worden ist und zum Zweiten auch Fachkräfte entsprechend aufgenommen worden sind. Hier beträgt die durchschnittliche Zeit bis zur Stellenbesetzung 75 Tage und damit neun Tage mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Ein Drittel der Stellen sind länger als 3 Monate unbesetzt. Blickt man auf verschiedene Bereiche, so ergibt sich folgendes Bild: Bei den Naturwissenschaften und Informatik kommen auf 100 Stellen 163 Arbeitslose, im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung sind es 238 Arbeitslose und im Bereich Logistik und Verkehr kommen sogar auf 100 Stellen 371 Arbeitslose.

Bleiben wir beim Business Talk. Bei der Podiumsdiskussion haben Sie vor allem auf die Generation 50plus angespielt. Sie meinten, dass der Fachkräftemangel noch nicht spürbar sein kann, wenn dieses Potenzial an erfahrenen Fachkräften nicht ausgeschöpft und nachgefragt wird. Mittlerweile haben Sie den ersten Aktionstag 50plus veranstaltet. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Lassen Sie mich zuerst auf den Aktionstag selbst eingehen. Unser Fazit lautet: Wir haben rundum positive Erfahrungen gemacht. Wir haben zum Aktionstag 50plus gut 1.000 Personen eingeladen, die 50 Jahre und Älter sind. Die Grenze lag bei 58 Jahren. Gekommen sind rund 800 Interessenten, unter anderem ehemalige manroland-Beschäftigte. Diese haben mich darauf angesprochen, warum keine Unternehmen aus dem Metall- und Elektrobereich beim Aktionstag vertreten waren. Wir haben diese Firmen sehr wohl zum Aktionstag eingeladen, aber sie wollten, aus welchen Gründen auch immer, nicht kommen. Wenn die Not sehr groß wäre, dann hätten auch diese Firmen kommen müssen. Für qualifizierte Fachkräfte, wie die ehemaligen manroland-Mitarbeiter war somit leider kein potenzieller Arbeitgeber vertreten. Also frage ich mich auch hier: Wo ist der Fachkräftemangel?

Glauben Sie, dass der Fachkräftemangel die Region noch erreichen wird?

Ich möchte schon sagen, dass es den Fachkräftemangel, wie er immer wieder dargestellt wird, nicht gibt. Deswegen gibt es auch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Wie vorher bereits angesprochen gibt es ihn partziell, aber wirklich nur im Hochqualifizierten Bereich. Es ist absehbar, dass in den nächsten Jahren der Fachkräftemangel mehr spürbar und erlebbar für uns werden wird. Das hängt mit der schrumpfenden Bevölkerung in Deutschland zusammen. Wir haben ein demografisches Problem. Die Schulabgänger-Zahlen nehmen ab und es wird prognostiziert, dass das Potenzial an möglichen Arbeitskräften um 6,5 Millionen bis zum Jahr 2025 zurückgeht. Das bedeutet, dass sich die Gesellschaft, die Bundesrepublik, die Volkwirtschaft und die Unternehmen darauf vorbereiten müssen und Strategien entwickeln sollten. Es wird nur der die Nase vorne haben, der auch im Wettbewerb um fähige Arbeitskräfte ein attraktiver Arbeitgeber ist. Das beginnt bei der Bezahlung und geht über Rahmenbedingungen der Arbeitsplätze, wie Beruf und Familie.

Was leistet die Agentur für Arbeit, um dem Fachkräftemangel Einhalt zu gebieten?

Wir haben von der Bundesagentur für Arbeit ein Papier ‚Fachkräftebedarf 2025‘. In diesem sind 10 Handlungsfelder definiert. Handlungsfelder sind beispielsweise die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss, der Ausbildungsabbrecher und der Studienabbrecher zu reduzieren. Ein enormes Potenzial schlummert bei den Menschen über 55 und den Frauen. Hier muss Einiges getan werden, um deren Erwerbspartizipation zu erhöhen. Das größte Handlungsfeld für uns als Agentur ist es, die Ausbildung und Qualifizierung voranzutreiben und die Transparenz des Arbeitsmarktes zu erhöhen.

Seit August gibt es die Möglichkeit, ausländische Fachkräfte mit der Blue Card nach Deutschland zu holen. Ist das für sie eine Möglichkeit dem drohenden FK-Mangel entgegenzuwirken oder sollte man sich eher auf die Aus- und Weiterbildung im eigenen Land konzentrieren?

Das Thema Zuwanderung spielt für den Fachkräftebedarf auch eine Rolle. Wir können die Beschäftigung insgesamt und die weitere Entwicklung über Zuwanderung alleine nicht auffangen. Das kann auch nicht Sinn und Zweck sein. Zuerst müssen wir schauen, ob wir unsere eigenen Potenziale entsprechend genutzt haben. Und nur dann muss man sicherlich auch über die Zuwanderung nachdenken, schließlich ist es auch eines der 10 Handlungsfelder. Für den Hochqualifizierten Bereich, in dem auch wirklich ein Fachkräftemangel herrscht, wie dem MINT-Bereich, brauchen wir ausländische Fachkräfte, da wir diesen Bedarf mit unseren eigenen Fachkräften nicht abdecken können. Ich sehe das Thema Blue Card als einen Baustein. Es kann aber immer nur eine Ergänzung sein.

Vielen Dank für die interessanten Fakten

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